Grüne Branche

Projekt „Zukunftsstrategie Gartenbau“: erste Leitlinien skizziert

Am 29. und 30. Januar 2013 trafen sich die Mitglieder der forschungsbegleitenden Arbeitsgruppe im Projekt „Zukunftsstrategie Gartenbau“ zu einer abschließenden Versammlung am Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Erfurt/Großbeeren in Großbeeren. Vertreter der berufsständischen Verbände, aus Politik und Wissenschaft diskutierten die Entwicklungen für den Gartenbau 2030.

Zunehmende Technisierung könnte „high-tech“-Arbeitsplätze schaffen. Foto: Zineg

Sie setzten sich mit den Stärken und Schwächen der einzelnen gartenbaulichen Wertschöpfungsketten auseinander und leiteten spartenspezifische Chancen und Risiken ab. Darauf aufbauend skizzierten sie erste Leitlinien für die Zukunftsausrichtung der Wertschöpfungsketten und des Gartenbaus allgemein. „Diese Themen sind so relevant“, sagte ein Mitglied der Forschungsleitenden Arbeitsgruppe (FAG), „dass wir nun alle die Aufgabe mitnehmen, im eigenen Verband eine Vision für die Zukunft zu entwerfen.“

Der Gartenbau wird sich auf eine alternde, schrumpfende und heterogene Gesellschaft in Deutschland einstellen müssen. So heißt es für die demographische Entwicklung. Das wird deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungsverhältnisse im Gartenbau, aber auch auf die Nachfrage nach gartenbaulichen Produkten und Dienstleistungen und die Absatzwege haben.

Das Lohnniveau wird steigen müssen, um sich dem Wettbewerb um Arbeitskräfte mit anderen Branchen zu stellen. Und immer wieder geht es um den Verbraucher, seine wachsende Mobilität, seine deutlich digitalisierte Lebenswelt, die Sehnsucht nach „entspannendem, realem Grün“, schwindende Kenntnisse und Erfahrungen mit Pflanzen, Obst und Gemüse.

Was ist zu tun? Wie kann der Gartenbau stärker in diesen Lebenswelten präsent sein? Verstärkt auf Online-Kommunikation setzten, sagen die einen, mehr Kontakte zu erlebbaren Grün in Schulgärten und auf Gartenschauen schaffen, ergänzen andere.

Für die Wettbewerbsfähigkeit des Gartenbaus eröffnet eine stärkere Technisierung und einhergehende Rationalisierung eine Chance; „high-tech“-Arbeitsplätze können die Attraktivität steigern und den nach Meinung der Anwesenden dringend nötigen Imagewandel des „Gärtners“ in der Öffentlichkeit einläuten. – In jedem Fall erfordert sie eine entsprechende Qualifizierung. Dies setzt wiederum angemessene Qualifizierungsangebote und ausreichend Lehrtätige voraus.

Wie steht es darum im Gartenbau? Und wer übernimmt zukünftig die Adaption technischer Innovationen auf dem Gartenbau? Das sind Rahmenbedingungen, die wir im Gartenbau deutlich beeinflussen können, ist sich die FAG einig. Wenig lässt sich dagegen mit Blick auf den Klimawandel ausrichten; doch die Richtung ist auch hier klar; sie führt zu einem nachhaltigen, umweltangepassten Gartenbau.

Die Rahmenbedingungen sind vielseitig, sehr komplex und beeinflussen sich dabei größtenteils wechselseitig – so verwundert es nicht, dass die Frage nach der Wichtigkeit einzelner Rahmenbedingungen für die Wertschöpfungsketten zu kontroversen Diskussionen führt.

Vor dem Hintergrund dieser zukünftigen Rahmenbedingungen für den Gartenbau, erfolgt die Auseinandersetzung mit den Stärken und Schwächen der einzelnen Wertschöpfungsketten im Gartenbau, die Ableitung von Chancen und Risiken. Wie ist zum Beispiel die Innovationskraft in der Wertschöpfung für Obst und Gemüse zu bewerten? Liegt in der sich wandelnden Trauerkultur für die Wertschöpfungskette Friedhofsgärtnerei eher eine Chance oder eher ein Risiko? Wie kann die Wertschöpfungskette Baumschulwaren von ihrem großen Markt-Know-how noch stärker profitieren? – Etwa in engeren Kooperationen mit dem GaLaBau?

Die Diskussion um die Bewertung der Wertschöpfungsketten hat gerade erst begonnen – und auch Sie können hier mitreden: jederzeit und allerorts in der Xing-Gruppe „Zukunftsstrategie Gartenbau“. Vielleicht möchten Sie auch die ersten Leitideen für die Zukunftsausrichtung des Gartenbaus kommentieren. Diese formulierte die FAG vorläufig so:

  • Fachkräftemangel bekämpfen,
  • Attraktivität des Berufsbildes steigern (unter anderem Lohnniveau anheben),
  • Ehrenämter stärken,
  • Verankerung der Wohlfahrtswirkung von Grün in der Gesellschaft weiterentwickeln,
  • Professionalisierung und Akzeptanzförderung für einen nachhaltigen Pflanzenschutz und eine umweltgerechte Düngung erzielen,
  • Kooperationen und Transparenz in der Wertschöpfungskette ausbauen,
  • Pro-aktive Kommunikation schaffen,
  • Branchenmarketing und aktive Imagebildung durchführen,
  • Bildungssystem auf allen Stufen fortentwickeln (Ergänzung des Deutschen Qualifikationsrahmens),
  • „grüne“ Forschung in allen Bereichen fördern,
  • Zugänge zur Politik erhalten und nutzen,
  • Kräftebündelung aller berufsständischen Verbände durchsetzen.
  • (ts/coc)