Grüne Branche

Quarantäneschädling ALB: 300 Bäume mussten in Bonn dran glauben

In dieser Dimension gab es vorbeugende Fällungen wegen Befall mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer in Deutschland noch nicht: In Bonn ordnete der Pflanzengesundheitsdienst die Fällung von rund 300 Acer im Alter von 15 bis 25 Jahren, zwischen fünf und 25 Meter groß, an. Bis ins Fernsehen ist das Thema in den vergangenen Wochen vorgedrungen, Zeitungen und Online-Medien berichteten darüber. 

Fällungsarbeiten in Bonn nach ALB-Befall: Der Säge fielen mehrere Hundert Bäume zum Opfer. Foto: Reiner Schrage

Im Rahmen der regelmäßigen Kontrollen auf Befall mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB, Anoplophora glabripennis) wurde vor Kurzem im Stadtgebiet Bonn ein neuer Befallsherd entdeckt. Auf einem Schulhof in Bonn-Tannenbusch konnten an zehn Acer nach der Fällung zahlreiche Larven und Puppen im Holz festgestellt werden.

Bei der Früherkennung des Befalls wurden die Kontrolleure des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW) durch ALB-Spürhunde unterstützt. „Im Unterschied zu den letzten Vorkommen in England, Winterswijk und Winterthur waren die Funde bei uns ein Ergebnis von systematischem Monitoring mit geschulten Kontrolleuren und vor allem den Spürhunden“, erläutert Dr. Reiner Schrage vom Pflanzenschutzdienst Bonn, Fachbereichsleiter des Pflanzengesundheitsdienstes der Landwirtschaftskammer NRW.

Als Konsequenz des Fundes wurden in einer Zone mit einem Radius von rund 200 Metern um den Befallsherd vorbeugende Fällungen aller Befallsbäume (hauptsächlich Acer) durchgeführt – die einzige vorbeugende Maßnahme, um den Asiatischen Laubholzbockkäfer sicher zu bekämpfen. Die Bäume werden danach sorgfältig von den Mitarbeitern des Pflanzenschutzdienstes auf Befall mit ALB untersucht, dann gehäckselt und verbrannt.

Bislang sind keine Pflanzenschutzmittel verfügbar, die gegen den Befall wirksam sind. Betroffene Bäume lassen sich nicht retten, da ein mehrjähriger Befall den Tod des Baumes zur Folge hat. „Insbesondere für die Bevölkerung ist das eine sehr emotionale Angelegenheit“, begründet Schrage den Medienwirbel. „Große Bäume sind nun einmal wertvoll für eine Stadt. Die Reaktionen der Anwohner waren zum Teil dramatisch. Betroffen sind auch Kindergärten und Schulen, die auf ihren Plätzen auf einmal keine Bäume mehr haben“, berichtet der Experte, der die Abwehrmaßnahmen leitet. „Den Leuten zu vermitteln, dass wir gesunde Bäume fällen, um Bäume zu schützen, ist auch nicht gerade leicht.“

Schrage leitet die Abwehrmaßnahmen und erläutert in der aktuellen TASPO Ausgabe 36/2012, welche Bäume der ALB bevorzugt und um welche der Schädling einen Bogen macht. Dort erfahren Sie unter anderem auch, wie lange Schrage und sein Team bereits gegen den ALB kämpfen, warum eine Ausbreitung im Bonner Stadtgebiet dramatische Folgen hätte und weshalb die Baumschulen im Rheinland ebenfalls sensibilisiert sind. (kla/ts)