Grüne Branche

Quo vadis deutscher Gartenbau?

Einen mutigen und fundierten Blick ins europäische/deutsche Gartenbaujahr 2020 warf Jörg Freimuth vom Zentralverband Gartenbau während einer Regionalveranstaltung des Landesverbandes Sachsen in Voigtsgrün. Grundsätzlich, meinte Freimuth einleitend, werden sich die Energiepreise in Europa angleichen, ebenso wie in Mittel- und Nordeuropa die Kosten für Arbeit und die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln. Für einzelne Bereiche des deutschen Gartenbaus sieht er – auszugsweise dargestellt – folgende Entwicklung:

- Jungpflanzen/Samenbau: Produziert wird dort, wo die Faktoren Arbeit und Energie am günstigsten sind, also Süd- und Mittelamerika und zunehmend Afrika und China. Die Fertigpflanzenproduktion bleibt wegen der günstigen Relation von Wert, Gewicht oder Volumen in Europa.

- Topfpflanzen: Die Nachfrage nimmt bis 2020 noch leicht zu, weil der Anteil der Hauptkäufer, also der älteren Verbraucher, steigt.

- Beet- und Balkonpflanzen: Es entwickelt sich eine starke Differenzierung zwischen „Sekt und Selters“, das heißt sehr niedrigen Preisen für Massenprodukte und guten Preisen für Spezialitäten. Unerlässlich sind ständige Innovationen.

- Stauden: Der Markt stabilisiert sich auf dem Niveau von 2010. Blühende Stauden erreichen beim Privatkunden einen Marktanteil von etwa 40 Prozent. Es steigt die Bedeutung von pflegeextensiven Sortimenten im öffentlichen Grün.

- Schnittblumen: Der Marktanteil von deutscher Ware sinkt auf zehn Prozent, eine feste Größe bleiben Sommerblumen aus dem Freiland.

- Handel/Dienstleistungen: Nur etwa ein Drittel der Einzelhandelsgärtnereien produzieren noch selbst. Gegenüber 2005 hat sich ihre Zahl fast halbiert. Gleiches trifft für die Blumenfachgeschäfte zu. Die Umsätze bei Innenraumbegrünung wachsen aber moderat weiterhin an.

- Gemüsebau: Die Zahl der Unterglasbetriebe hat sich halbiert, die Anbaufläche ging um ein Viertel zurück. Die Direktvermarktung nahm zu, erste Direktvermarkter geben die Eigenproduktion auf. Eine deutliche Zunahme verzeichnen Importe aus Ungarn und der Türkei. Die Marktanteile des Freilandgemüsebaus bleiben stabil.

- Obstbau: Die Bedeutung der Direktvermarktung nimmt weiter zu. Der Obstbau erweist sich als eine der stabilsten Produktionsfelder der deutschen Agrarwirtschaft.

- Baumschule: Es besteht ein unvermindert starker Preiswettbewerb. Innerhalb Deutschlands ist der Wettbewerbsdruck hoch und wird durch Wettbewerber aus Holland, Italien, Frankreich und Ungarn zusätzlich verstärkt. Die Zahl der Unternehmen schrumpfte um 20 Prozent, die Anbaufläche stieg leicht an. Im Privatkundensegment erreicht Containerware mehr als 75 Prozent.

- GaLaBau: Die Zahl der Unternehmen hält sich konstant. Erste osteuropäische Betriebe übernehmen große Teile von Neuanlagen direkt oder als Subunternehmer. Das Sponsoring bei städtischen Begrünungen steigt auf über fünf Prozent.

- Friedhofsgartenbau: Die Zahl der Unternehmen verringerte sich um etwa ein Drittel. Das Dauergrabpflegegeschäft legt leicht zu. Der gesellschaftliche Wandel hat „nichtgärtnerische“ Bestattungsformen gleichberechtigt möglich gemacht.