Grüne Branche

Resolution zur Neuordnung der AGOZ

Zur Neuordnung der Anbaumaterialverordnung (AGOZ) hat der Bund deutscher Baumschulen (BdB) auf seiner Wintertagung eine Resolution verabschiedet. Darin untermauert der Verband seine seit Jahren geltende Mahnung, die Umsetzung der AGOZ so zu gestalten, dass die phytosanitären Standards zukünftig vollumfänglich denen der ehemaligen Virusverordnung (VVO) entsprechen. 

Wie John-Hermann Cordes, Vorsitzender des BdB-Fachausschusses „Obstgehölze“, in seinem Ausschussbericht ergänzte, verschiebt sich die Neuordnung der AGOZ von 2012 weiter nach hinten, weil die EU ihre zeitlichen Vorgaben nicht erreichen könne. In der Resolution geht es nach seinen Worten darum, den phytosanitären Standard wieder etwas mehr in Richtung der seit 1998 aufgehobenen VVO zu verschieben. Man werde versuchen, einige Standards der damaligen VVO bei der nationalen Umsetzung wieder einzufügen. Hierzu gehöre die frühere Verpflichtung, das Vermehrungsmaterial für Obst in Reisermuttergärten kaufen zu müssen, wieder einzubauen, um die derzeit noch hohen Qualitätsstandards auch halten zu können.

Mit der Resolution „untermauern wir unsere wiederholte Forderung nach Regelungen, die eine Gehölzkultur im Obstsektor mit ausschließlich durch staatliche Einrichtungen geprüftem Ausgangsmaterial (Unterlagen und Veredelungsmaterial) sicherstellen“, so Cordes weiter. Dies sei eine generelle Aussage, das heißt, der BdB unterscheide nicht, ob Standardmaterial (bei Obst CAC-Material (Conformitas Agraria Communitatis)) oder zertifiziertes Material (anerkanntes Material bei Kern- und Steinobst) produziert und auf den Markt gebracht wird.
„Nur wenn Bund und Länder unsere Forderung bei der Neuordnung der Anbaumaterialverordnung berücksichtigen, gelingt ein wesentlicher Beitrag im Produktionsbereich Obstgehölze, die Pflanzengesundheit in Kultur und Verwendung langfristig zu erhalten“, resümiert Cordes anlässlich der BdB-Wintertagung.

Daneben sprach Cordes auch die Situation der Reisermuttergärten an. Eine dazu erstellte Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums spreche sich für vier Standorte aus phytosanitären und aus Witterungsgründen aus, damit die Baumschulen ständig versorgt sind. Folgendes Bild zeichnete Cordes vom aktuellen Stand bei den Reiserschnittgärten:
Die ORG Rheinland sei komplett lieferfähig. Hannover sei noch nicht ganz lieferfähig, da durch den Verkauf eines Geländeareales Teile wieder neu erstellt werden mussten. Magdeburg existiere zurzeit gar nicht, soll aber am Standort Quedlinburg wieder neu aufgebaut werden. Weinsberg existiere noch in Teilen und soll ebenfalls an einem neuen Standort in der Rheinebene neu erstellt werden.

Diese Situation ist laut Cordes durch phytosanitäre Probleme in den Jahren 2008 bis 2010 entstanden. Positiv sei in diesem Zusammenhang, dass das liberalisierte Pflanzenschutzgesetz seit 15. Juni 2011 auch Reisermuttergärten, die Deutsche Genbank Obst, das Bundessortenamt und alle Institutionen, die zur Erhaltung des Kulturgutes und der Regionalität dienen, über Ausnahmeregelungen einen Antrag auf Zulassung von Pflanzenschutzmitteln stellen können und die Zulassung von Mitteln beantragt werden kann, die in anderen EU-Ländern verwendet werden dürfen.

Um den hohen Qualitätsstandard in der Obstgehölzproduktion zu erhalten, ist es erforderlich, dass der Staat praktikable Rahmenbedingungen für die Reiserschnittgärten schafft, betonte Cordes. Er dürfe auf keinen Fall aus seiner Verantwortung genommen werden. Aber auch die Baumschulen hätten die Pflicht, sauberes und gesundes Obstvermehrungsmaterial zu verwenden und sollten es daher auf jeden Fall von den Reisergärten beziehen, auch wenn es dort einige Engpässe geben könnte. (hlw)


Die BdB-Resolution zur Neuordnung der AGOZ im Wortlaut lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe 3/2012.