Grüne Branche

Ressourcen nutzen und für die nächste Generation erhalten

Bereits zum dritten Mal fand das Agrarwissenschaftliche Symposium des Hans Eisenmann-Zentrums an der Technischen Universität München-Weihenstephan statt. Dieses Jahr wurde der Schwerpunkt auf nachhaltige Produktion im Gartenbau gelegt. Wissenschaftler aus Forschung und Praxis referierten Ende September zu diesem Thema, Zuhörer waren Praktiker aus dem produzierenden Gartenbau, Studierende, Mitarbeiter von Verbänden, Landratsämtern und dem Ministerium.

Dr. Vera Bitsch eröffnete die Vortragsreihe mit den Perspektiven zur Nachhaltigkeit und erklärte die Herausforderungen und Probleme bei der Erstellung eines Nachhaltigkeitskonzeptes. Denn Nachhaltigkeit heißt, die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen einzuschränken. Dies ist aber nur denkbar, wenn die nicht erneuerbaren Ressourcen auch für die nächste Generation zur Verfügung stehen.

Es kommt darauf an, wie wir endliche Ressourcen jetzt nutzen, damit sie der nächsten Generation noch zur Verfügung stehen. Nachhaltigkeit ist ein übergeordnetes Konzept, das nicht in die einzelnen Teile der Wirtschaftlichkeit, der Umwelt und der Gesellschaft zerlegt und später wieder als finale Lösung zusammengesetzt werden kann. Ein nachhaltiges Konzept ist komplex, mit vielen Komponenten verwoben und zeitlich dynamischen Veränderungen unterlegen. Bei der nachhaltigen Produktion gibt es viele Beteiligte mit unterschiedlichen Wertesystemen, Sichtweisen und möglichen Lösungen.

Statt einer einzig richtigen Lösung gibt es nur eine bessere oder schlechtere Methode. Grundlage aktueller Nachhaltigkeitskonzepte ist das Drei-Säulenkonzept, welches die Wirtschaftlichkeit, die Umwelt und die Gesellschaft verbindet. Es bezieht den Profit eines Unternehmens, verbrauchte Energien, die vorhandene Logistik und das Klima mit ein. Aber auch die Menschen, die mit dem Produkt arbeiten, es kaufen oder in der produzierenden Umgebung leben.

Durch die Überschneidung der Säulen Wirtschaftlichkeit und Umwelt entsteht die Lebensfähigkeit, zwischen Umwelt und Gesellschaft die Tragfähigkeit und zwischen Gesellschaft und Wirtschaftlichkeit die Fairness und die Gerechtigkeit. Kommen alle drei Säulen und ihre Überschneidungen zusammen, entsteht Nachhaltigkeit. Der Umweltaspekt hat hierbei die größte Bedeutung. Die Schwierigkeit während der Erstellung eines Nachhaltigkeitskonzepts ist es, das Vertrauen und die dauerhafte Bereitschaft der Teilnehmer zu erhalten, da sich die Situation der Mitstreiter ständig ändert.

Für die Umsetzung der Nachhaltigkeit müssen Messsysteme entwickelt werden, welche die Nachhaltigkeit dokumentieren. Hierfür wollen Experten und Wissenschaftler möglichst viele Daten und Details aus den Betrieben haben. Für kleine und mittlere Betriebe ist dies oft nicht durchführbar, da sie nicht die Möglichkeiten haben, jemanden dafür ab- oder sogar neu einzustellen. Diese Herausforderung muss im Gartenbau noch bewältigt werden. Großbetriebe können sich das eher leisten und sind dadurch wettbewerbsfähiger.

Schwer zu entscheiden ist, ob ein neues System nun nachhaltiger ist als das alte Verfahren. Deshalb müssen die Systemgrenzen der Nachhaltigkeit festgelegt werden: Wird hierbei ein Produkt betrachtet oder eine Wertschöpfungskette? Wo fängt der Lebenszyklus eines Produktes an und wann endet er? Außerdem muss es bei einem Nachhaltigkeitskonzept Transparenz und Kontrollen geben. Hierzu ist ein gesellschaftlicher Dialog notwendig.

Weitere Informationen sowie PDF's zum Herunterladen finden Sie auf der Webseite des Wissenschaftszentrum Weihenstephan. (otz/ts)