Grüne Branche

Rheinische Friedhofsgärtner: im Blumengeschäft läuft’s nicht rund

Das Bildungszentrum Gartenbau (BZG) Essen befragt jeweils zum Jahresanfang die im Rheinland ansässigen Friedhofsgärtnereien, wie sie ihren Geschäftsverlauf vom vergangenen Jahr einschätzen. Markantestes Ergebnis für 2012: Mit den Umsätzen in ihren Blumengeschäften ist ein sehr großer Teil der an der Befragung teilnehmenden Friedhofsgärtnereien nicht zufrieden. 

Personalveränderungen 2012 bei den Friedhofsgärtnereien im Rheinland. Viele reduzierten die Belegschaft im Blumengeschäft. Grafik: BZG Essen

Der Leiter des BZG Essen, Dr. Karl-Heinz Kerstjens, erwähnte dies im Rahmen eines Vortrages bei der württembergischen Friedhofsgärtnertagung am 28. Februar in der Schillerstadt Marbach am Neckar. Als die rheinischen Friedhofsgärtner am 30. Januar in Kaarst ihre Wintertagung abgehalten haben, war die Umfrage noch nicht ausgewertet.

Das Ergebnis basiert auf Antworten von 65 Betrieben im Rheinland. Die Fragen werden jeweils über den Fachverband Rheinischer Friedhofsgärtnereien an die Betriebe übermittelt.

Mit Blick auf die Umsätze in ihren Blumengeschäften gaben über 50 Prozent der teilnehmenden Friedhofsgärtnereien an, ihre Umsätze seien im zweiten Halbjahr 2012 niedriger als im Vergleichszeitraum 2011 gewesen. Nur ein sehr geringer Prozentsatz erwähnte Umsatzsteigerung. Dies galt gleichermaßen für die Verkäufe im Sommer und Herbst als auch für die Totengedenktage und den Verkauf zum Advent.

Ihre Verkäufe in der Frühjahrs- sowie in der Beet- und Balkonpflanzensaison bewerteten die Betriebe etwas besser. Hier realisierten 40 Prozent einen Umsatzrückgang, immerhin aber etwa 30 Prozent eine Umsatzsteigerung. Spätestens ab Hochsommer, so der Hinweis von Kerstjens, sei die Stimmung jedoch „gekippt“.

Da auch in den vergangenen Jahren die Umsätze in den Blumengeschäften der Friedhofsgärtnereien tendenziell rückläufig waren, reagieren manche Betriebe verstärkt mit Personalabbau. So gaben 20 Prozent der betreffenden Friedhofsgärtnereien an, sie würden den Personalbestand ihres Blumengeschäftes um ein oder zwei Personen reduzieren. Bei den früheren Umfragen hatten viel weniger Betriebe über Personalabbau berichtet. Nur ein geringer Prozentsatz erhöhte den Personalbestand.

Im Gegensatz dazu gab es beim Friedhofspersonal kaum Veränderungen. In etwa 90 Prozent der Betriebe blieb es hier bei der Personalzahl vom Jahr zuvor. Bei den restlichen zehn Prozent gab es mehrere Betriebe, die ihren Personalbestand für die Friedhofsarbeiten erhöhten. Dies basiert vor allem auf einer relativ guten Entwicklung beim Grabpflegegeschäft.

Dagegen verzeichnete man bei den Grabneuanlagen zumindest bei den Erdwahlgräbern und den Erdreihengräbern einen negativen Saldo. 34 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Betriebe hatten weniger, nur sieben Prozent mehr Erdwahlgrab-Neuanlagen als im Jahr zuvor ausgeführt.

Was Erdreihengräber angeht, so erwähnten 44 Prozent der Befragten einen Rückgang, elf Prozent eine Zunahme der Grabneuanlagen. Eher ausgeglichen war es dagegen bei den Urnengrab-Neuanlagen: 26 Prozent kreuzten hier „Minus“ an, 21 Prozent „Plus“.

Beim Saldo der Grabpflegekunden wurde nach Jahrespflege und Dauergrabpflege unterschieden. Hier gab es ein für die Branche erfreuliches Ergebnis: 28 Prozent der Betriebe berichteten von Zunahme der Dauergrabpflege, nur 19 Prozent von Rückgang. Andererseits gab es bei der Jahrespflege einen leicht negativen Saldo. Hier meldeten 23 Prozent ein „Plus“, aber 29 Prozent ein „Minus“.

Um von der Bank einen Kredit zu bekommen, sollte eine Friedhofsgärtnerei nach Angabe von Kerstjens mindestens 65.000 Euro Umsatz pro AK machen, der Anteil des Gewinnes am Umsatz mindestens zehn Prozent und der Eigenkapitalanteil mindestens 30 Prozent betragen. Schaffen die Betriebe das?
Kerstjens: „43 Prozent sagen, alle drei Kriterien würden erfüllt. 44 Prozent geben an, diese Kriterien zum Teil zu erfüllen. Aber 13 Prozent erfüllen alle drei Kriterien nicht.“

Weitere Informationen von der württembergischen Friedhofsgärtner-Fachgruppentagung in Marbach – darunter auch Aussagen des Verbandspräsidenten Hartmut Weimann zu Zukunftsaspekten der Friedhofsgärtnereien – folgen in der TASPO 13/13. (eh)