Grüne Branche

Rhododendron im Imagewandel?

Markt und Absatz von Rhododendron
Ob des Verbrauchers Lust an Rhododendron sinkt, das Image dieser Pflanzengruppe aufpoliert werden müsste oder es an Werbung mangelt, wird derzeit in der Branche oft diskutiert. Ein Blick auf den Markt von Timo Schröder.

Die Baumschule Schröder ist Rhododendron-Spezialist mit Jungpflanzenproduktion und Halbfertigware, mit rund 2000 Sorten im Betrieb in Wiefelstede. Den im Handel und in der Medienwelt so vollmundig bekundete Imageverlust der Rhododendren können Schröders so nicht erkennen. „Über ganz viele Jahre ist der Absatz relativ stabil geblieben. Probleme haben wir erst seit 2013. Und die sind eigentlich hausgemacht“, resümiert Geschäftsführer Timo Schröder.

Erst „Leerverkauf“, dann Überangebot
Nach dem extrem frostigen Februar 2012 habe die Branche in der Frühjahrssaison einen „Leerverkauf“ der Flächen getätigt. In allen Gärten musste Ersatz geschaffen werden, und die Nachfrage überstieg das Angebot. „Dabei hätten wir es eigentlich belassen sollen. Stattdessen wurde mehr produziert, auch bei uns. Im Frühjahr 2013 stand also nicht nur die normale Marge bereit, sondern mehr. Und dann ist das Frühjahr sozusagen ausgefallen, weil es bis weit in den April lausig kalt blieb. Alles blieb stehen, auch die Rhododendren, und die Preise purzelten. Und der Nachschub, die neuen Jungpflanzen, war schon bestellt.“

Im Sommer 2015 blickten Schröders wie alle anderen Baumschulen auf zwei „eigentlich ganz gute“ Frühjahre zurück, die nur unter dem selbst gemachten Überangebot und dem damit einhergehenden Preisverfall litten. Hinzu kam, so Timo Schröder, dass 2013 auch klarer spürbar wurde, dass sich der Trend „weg vom Garten“ verstärkt. „Beworben wird heute Kies im Garten mit ein, zwei Gehölzen und fertig. Der Cottage-Garten ist leider nicht mehr so in.“

Der Absatzeinbruch hatte aber auch sein Gutes. Endlich kam die – längst überfällige – Imagewandel-Debatte in Fahrt. „Es ist schon ein ziemlich kleines Sortiment an Standard-Rhododendren, die heutzutage den Markt bestimmen“, sagt Arne Reershemius. Der gelernte Landschaftsgärtner und studierte Landschaftsplaner ist bei Schröders für den Vertrieb zuständig.

Zweite Blüte und Blattschönheiten
Für die Vielfalt in den Gärten und das Ansehen der Pflanzengattung überhaupt wünschen sich die Rhododendron-Baumschuler natürlich, dass Merkmale wie die zweite Blüte und Blattschönheiten zunehmend mehr Beachtung finden. „Wenn wir auf Gartenausstellungen wie in Cloppenburg Blattschönheiten wie R. 'Filigran' oder über das Blatt duftende Sorten wie R. taliense 'Honigduft' ausstellen, wirkungsvoll aufgepflanzt im Kübel, stößt das auf großes Interesse.“

Gerade im Kübel lassen sich Rhododendren gut präsentieren. „Doch das hat sich leider noch nicht ausreichend herumgesprochen. Die Branche verschläft da etwas“, ärgert sich Timo Schröder ein bisschen. „Das Marketing rund um den Rhodo hat durchaus noch Luft nach oben.“ Dass das funktionieren kann, bewies die Imagebroschüre „Rhododendron Spezial“ des BdB-Landesverbands Weser-Ems, die 2014 zur „Rhodo“ in Westerstede reißenden Absatz fand, beim Fachhandel ebenso wie bei Privatleuten.

Gitta Stahl, Blender