Grüne Branche

Risikomanagement: Gut versichert. Oder doch nicht?

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Für Versicherungsunternehmen ist die Grüne Branche eine wachsende Zielgruppe. Welche Versicherungen brauchen Betriebe? Was sind häufig unterschätzte Gefahren? Und was ist, wenn sich Veränderungen im Betrieb ergeben? Dazu fragten wir bei einem Spezialversicherer und bei zwei großen Versicherern nach.

Auch der Diebstahl von Maschinen und Pflanzen stellt für Gartenbau-Betriebe ein Risiko dar. Foto: Green Solutions

„Grüner Trend“ bei Versicherungen spürbar

Die Grüne Branche ist im Aufwind. Das merken auch die Versicherungsunternehmen. Allgemein wachse das Geschäft seit vielen Jahren kontinuierlich an, sagt die Gartenbau-Versicherung als Spezialversicherer des europäischen Gartenbaus im Gewächshaus und im Freiland. Rund 15.000 Betriebe haben derzeit ihre Sachwerte wie Gewächshäuser oder Kulturen mit einem Gesamtwert von über 60 Milliarden Euro bei dem in Wiesbaden ansässigen Unternehmen versichert. Auf dem Kernmarkt in Deutschland seien im Jahr 2020 Sachrisiken mit einem Gesamtwert von rund 32 Milliarden Euro in den Betrieben der Mitglieder versichert gewesen.

Aber nicht nur bei Spezialversicherern wie der Gartenbau-Versicherung ist der „grüne Trend“ spürbar. Auch bei anderen Versicherungen wie der Allianz oder der R+V wächst die Bedeutung des Gartenbaus, wie die beiden Unternehmen auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigen. Die Allianz ist nach eigenen Angaben einer der größten Versicherer für den gewerblichen Mittelstand. Der Gartenbau sei für das Versicherungsunternehmen mit Hauptsitz in München eine wichtige Kundengruppe. In diesem Teilbereich würde ein kontinuierliches Wachstum verzeichnet. Im bisherigen Zeitraum der Corona-Pandemie habe sich das Geschäft stabil entwickelt. Auch für die R+V Versicherung hat der Gartenbau einen hohen Stellenwert. Insgesamt nehme die Anzahl der Policen (Garten- und Landschaftsbau) zu, ebenso wie der Anteil am Gesamtgeschäft, heißt es aus Wiesbaden. Zudem drücke sich die Bedeutung der Grünen Branche darin aus, dass das Versicherungsunternehmen mit verschiedenen Gartenbau-Verbänden langjährige Kooperationen unterhalte. Deren Spitzenvertreter seien in R+V-Gremien vertreten.

Betriebe sollten Versicherungsbedarf regelmäßig anpassen

Viele Unternehmen schließen ihre Versicherungen bei der Gründung ab. Seitdem gehen oft viele Jahre ins Land. Im betrieblichen Alltag mit Druck und Stress kann es vorkommen, dass eventuelle Veränderungen nicht an die Versicherungsunternehmen weitergegeben werden. Sie entstehen beispielsweise, indem Betriebe ihr Angebot anpassen oder neue Leistungen anbieten, meint unter anderem die Allianz. Auch ergibt sich ein anderer Versicherungsbedarf, wenn die Infrastruktur erneuert wird – etwa durch Um- und Anbauten, zusätzliche Fahrzeuge, die Anschaffung neuer Geräte und Maschinen oder eine neue Buchhaltungssoftware. Zudem können sich Lagerbestände im Zuge neu akquirierter Aufträge schnell mal signifikant verändert haben und eine Anpassung notwendig machen.

Versicherer raten daher zum regelmäßigen Austausch mit dem Versicherungsberater. So sei es laut Allianz und R+V sinnvoll, mindestens einmal jährlich zu prüfen, ob zum Beispiel die bei Abschluss vereinbarten Deckungssummen noch den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Wichtig seien auch Bruttojahresumsatz, Lohn- und Gehaltssumme, Anzahl der beschäftigten Mitarbeiter und Anzahl der Fahrzeuge. Zudem müsse die zunehmende Digitalisierung berücksichtigt werden.

Schutz vor Unterversicherung für Gartenbau-Unternehmen

Bei der Gartenbau-Versicherung sind die Versicherungssummen bis auf wenige Ausnahmen nicht fix, sondern „gleiten“ gemäß der Preisentwicklung. Dadurch seien die Mitgliedsbetriebe automatisch vor Unterversicherung geschützt, heißt es aus Wiesbaden. Dies sei gerade aktuell wichtig für die Betriebe, weil die Rohstoffpreise und damit auch die Preise für Reparaturarbeiten und Neubauten stark steigen. Auch die immer teurer werdenden Arbeitskosten würden durch dieses System abgefangen.

► Mehr zum Thema Risikomanagement im Unternehmen, unterschätzten Gefahren sowie der Absicherung von Angriffen aus dem Internet finden Sie in unserem TASPO extra in der Ausgabe 30/2021.

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