Grüne Branche

Rostocker Unglück – eine Folge falscher Landnutzung?

Das Unglück auf der Rostocker Autobahn A19, bei dem am 8. April acht Menschen den Tod fanden und 100 Verletzte zu beklagen waren, wirft viele Fragen auf. Insbesondere die, wie es dazu kommen konnte. Eine sandträchtige Windböe hatte den Autofahrern in Sekundenschnelle die Sicht genommen und führte so zu der Massenkarambolage. Mit dem Klimawandel hatte das Geschehen allerdings nur bedingt zu tun. 

Wie Dr. Carsten Hoffmann vom Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Brandenburg-Berlin (Inka BB) dazu erläuterte, führt der globale Temperaturanstieg zwar zu Veränderungen der Luftdruckgradienten und damit zu einem häufigeren Auftreten von orkanartigen Stürmen und höheren Windgeschwindigkeiten, doch bergen in diesem Zusammenhang insbesondere übergroße Ackerflächen und offene Böden das Risiko der Bodenerosion. Den veränderten Bedingungen müsse die Landwirtschaft Rechnung tragen, so der Klimaforscher.

Geeignete Maßnahmen bestehen aus seiner Sicht unter anderem in der Pflege von Windschutzhecken, dem Mulchen von Böden oder dem einfachen Stehenlassen von Stoppeln. Diese Argumentation greift auch der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) auf, der in einer Presseverlautbarung darauf aufmerksam macht, dass Frühjahrsstürme ein bekanntes Phänomen, Sandstürme in Mitteleuropa aber im Wesentlichen die Folge falscher Landnutzung sind. 

In Brüssel, wo sich die EU-Kommission gegenwärtig um eine Reform der Vergabe von Agrarsubventionen bemüht, wurde das Problem bereits erkannt. Wie die Berliner Umschau berichtet, räumte EU-Kommissar Dacian Ciolos gegenüber Pressevertretern ein, dass die zu starke Förderung der Intensivlandwirtschaft in einigen europäischen Regionen die Gefahr der Bodenerosion erhöhe.

Unter dem Stichwort „Greening“ soll die für 2013 geplante Reform daher zur Sicherung landwirtschaftlicher Flächen beitragen. Zum vorgesehenen Maßnahmenkatalog gehören nach Angaben des EU-Kommissars auch das Pflanzen von Hecken und Bäumen. Landwirte, die Maßnahmen einsetzen, um die Bodenerosion und somit Sandstürme zu vermeiden, sollen im Zuge der Reform Subventionen erhalten. 

In einer Pressemitteilung nahm auch Karl-Heinz Plum, Präsident des Bundes deutscher Baumschulen (BdB), zum Geschehen an der Rostocker Autobahn Stellung. Die Notwendigkeit von Windschutzpflanzungen sei nicht neu, sondern eine Erkenntnis von Jahrhunderten, so Plum. Um nicht nur dem Bodenabtrag auf landwirtschaftlichen Flächen, sondern auch der damit verbundenen Gefährdung an Verkehrswegen wirkungsvollen Widerstand entgegenzusetzen, sei die Pflanzung von Hecken und Bäumen unverzichtbar.

Die deutsche Baumschulwirtschaft sei in der Lage, hierfür Gehölze zu liefern, die zielgerichtet eingesetzt werden können, betont der Baumschulpräsident abschließend.