Grüne Branche

RPP-Zertifizierung soll Moorgebiete schützen

Die Torfindustrie hat zu spät verstanden, dass sie vor allem ein Kommunikationsproblem hat. Sie hat zu sehr daran geglaubt, mit wissenschaftlichen und rechtlichen Argumenten seien die Vorurteile gegenüber Torf zu beseitigen.

RPP-Zertifizierungssystem setzt an sieben entscheidenden Stellen an. Grafik: RPP

Gerade in Deutschland, wo die Belastungen am geringsten sind, weil der Torfabbau ausschließlich in landwirtschaftlich genutzten und entwässerten Gebieten stattfindet, ist der politische und gesellschaftliche Widerstand gegen den Torfabbau am höchsten.

Um den Rohstoff Torf – wenigstens mittelfristig – für den Gartenbau zu erhalten, bedarf es deshalb einer effektiven Kommunikationsstrategie mit den folgenden Elementen: einer vollen Anerkennung der negativen und positiven Effekte der Torfproduktion, einer professionellen Kommunikation mit allen „stakeholders“ und eine Kooperation mit kritischen Organisationen auf der Basis von „win-win-Szenarien“.

Dabei ist es wichtig, dass der Torfproduktionssektor seine Solidarität mit unverantwortlichen Produzenten und unverantwortlichen Produktionsländern aufgibt. Dafür ist es absolut notwendig, dass der Torfsektor sich auf Minimumstandards einigt, die nicht nur vom Sektor akzeptiert werden, sondern auch von Markt, Regierungen und NGOs mitgetragen werden.

In diesem Kontext sind der europäische RPP-Standard und das Zertifizierungssystem RPP entwickelt worden, das den Produzenten von Substraten und Konsumentenprodukten wie Pflanzen oder Gemüse die Möglichkeit bietet, nur „responsibly produced peat“ zu verlangen, um dadurch die Akzeptanz der Verbraucher zu sichern.

Testzertifizierungen laufen derzeit, und der erste zertifizierte Torf wird ab 2015 am Markt verfügbar sein. Die RPP-Prinzipien und -Kriterien sind in sieben Kapitel gegliedert.

Für den Unterschied zwischen nicht-zertifiziertem und zertifiziertem Torf sind davon zwei Kapitel von zentraler Bedeutung: Wahl der Abbaustätte („site selection“) und Anforderungen an das, was nach dem Abbau passiert („after use“).

Das RPP-System basiert auf einer Einteilung in vier Klassen: Klasse 1 enthält ungestörte natürliche Moore, während die Moorböden in Klasse 4 völlig degradiert sind.

Die Grundregel für die Auswahl von Abbaugebieten ist einfach: Klasse 1 ist verboten, und Klasse 4 wird für den Abbau empfohlen. In der Regel dürfen Gebiete der Klasse 3 (stark degradiert) ebenfalls abgebaut werden, wenn sich keine besonderen Naturwerte in dem Gebiet befinden. Klasse 2 (nahezu natürlich) ist in der Regel verboten, aber es gibt bestimmte Ausnahmen in moorreichen Gebieten.

Für jede Abbaustätte muss ein „after-use plan“ vorliegen. Die Grundidee ist, dass die Naturwerte nach dem Abbau im Vergleich zur Situation vor dem Abbau zunehmen, was für degradierte Moorböden bei adäquater Wiedervernässung sicherlich der Fall sein wird. Wo Abbaustätten der Klasse 2 zugelassen werden, müssen sie auf jeden Fall durch Wiedervernässung restauriert werden. Für die Klassen 3 und 4 gibt es mehr Flexibilität.

Der Rohstoff Torf kann, solange die Reserven reichen, durch RPP-Zertifizierung für Substrate im Gartenbau erhalten bleiben. Solange es in der gesamten Lieferkette die Alternative „responsibly produced“ nicht gibt, wird die Wahl oft auf torffrei fallen. RPP bietet die Option „responsibly produced“ und kann damit einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Akzeptanz von torfhaltigen Substraten leisten, aber nur unter folgenden Bedingungen:

  • Es wird eine starke Nachfrageallianz gebildet mit Beteiligung von Lebensmittelherstellern, Super- und Hobbymärkten. RPP wird nicht zu stark nur von Torfproduzenten dominiert.
  • Das Anforderungsprofil von RPP bleibt hoch. Bei den Kriterien „site selection“ und „after-use“ werden keine Abstriche gemacht, auch nicht unter Druck von Unternehmen oder Ländern, die Probleme haben, ihre Moorböden unter RPP zu zertifizieren. Sonst würde RPP die Akzeptanz im Markt oder in der Politik verlieren.
  • RPP soll sich auf Produkte / Ketten mit hoher Wertschöpfung begrenzen. Energietorf soll ausgeschlossen bleiben.
  • Das Zertifizierungssystem soll einfach bleiben: schlanke Organisation und niedrige Kosten. (Reinier de Man)