Grüne Branche

Russischer Import-Stopp: Auswirkungen auf deutsche Agrarwirtschaft noch nicht abzusehen

Führte Russland bislang phytosanitäre Gründe ins Feld, um den Import von Gartenbauprodukten zu untersagen, hat der Ukraine-Konflikt nun ganz offiziell politische Motive offen gelegt: Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew verkündete als Reaktion auf die Sanktionsmaßnahmen verschiedener Nationen gegen sein Land in der letzten Woche einen einjährigen Importstopp für landwirtschaftliche Erzeugnisse, Rohstoffe und Lebensmittel. 

Erst war Polen, jetzt ist auch ganz Westeuropa betroffen: „Der Rubel rollt“ derzeit leider nicht für deutsche Obst- und Gemüseexporte nach Russland. Foto: Fotolia

Das Verbot betrifft Produkte aus den Vereinigten Staaten, den Ländern der Europäischen Union, Kanada, Australien und Norwegen. Auch, wenn die aus Deutschland nach Russland exportierten Mengen laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) nur 2,2 Prozent der Ausfuhren des gesamten deutschen Obst- und Gemüseexportes ausmachen – eine ganze Reihe von Unternehmen wird der Stopp durchaus schmerzlich treffen. Experten vermuten, dass der Markt für die betroffenen Erzeugnisse auch in Deutschland durcheinander gewirbelt werden könnte. Ein Wegbrechen des Absatzmarkts im Osten könnte das Angebot an Nahrungsmitteln auf unserem Markt aufblähen und so die Erzeugerpreise drücken, heißt es.

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus plädiert deshalb für eine rasche Sonderkonferenz der Agrarminister. „Die Sanktionen treffen ganz Deutschland. Daher müssen die Länder und der Bund schnell prüfen, welche genauen Ausmaße die Sanktionen für die Wirtschaft bedeuten und was getan werden kann, um der veränderten Marktlage zu begegnen“, plädiert der Minister, in dessen Land vor allem die Milchwirtschaft betroffen ist. Auf einer Sonder-Agrarministerkonferenz müssten Überlegungen angestellt werden, wie man die Land- und Ernährungswirtschaft im Krisenfall unterstützen kann. Ob es von Seiten der EU aber finanzielle Hilfen geben wird, ist derzeit noch offen.

Russland hatte in der Vergangenheit bereits zahlreiche Importverbote für westliche Pflanzenprodukte erlassen, diese aber stets mit Gesundheitsbedenken begründet. (kla)

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