Grüne Branche

Russlands Handelsembargo: Europäische Union gibt 125 Millionen Euro Hilfe

Die EU-Kommission will vor dem Hintergrund der russischen Einfuhrverbote insgesamt 125 Millionen Euro für die europäischen Obst- und Gemüseproduzenten zur Verfügung stellen – für Marktrücknahmen, speziell zur kostenlosen Verteilung, sowie als Schadensersatz für vorzeitiges grünes Abernten sowie Ernteverzicht. 

Die Sofortmaßnahmen der EU gelten unter anderem für Blumenkohl. Foto: ZVG

Die Sofortmaßnahmen seien zunächst bis Ende November befristet, teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit. Sie gelten rückwirkend zu diesem Stichtag. Wie EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos informierte, gilt die Regelung für folgende Produkte: Tomaten, Möhren, Weißkohl, Paprika, Blumenkohl, Gurken und Gewürzgurken, Pilze, Äpfel und Birnen, Tafeltrauben sowie Kiwis.

Außerdem erfordere die Ausnahmesituation infolge des russischen Einfuhrverbots schnelleren und besseren Zugang zu Marktdaten, so Ciolos. Deshalb habe man einen verstärkten Marktüberwachungsmechanismus eingerichtet, zu dem alle Mitgliedstaaten beitragen.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert, die Arbeitnehmer nicht zu übergehen. Bei den Hilfen aus Brüssel müssten auch die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden. Wenn ein Betrieb Hilfe bekommt, müssten Kündigungen tabu sein. Erntehelfer, die wegen des Importstopps nicht eingestellt werden, brauchten ebenso Unterstützung wie die Bauern.

Das Embargo werde für deutsche Erzeuger spürbar sein, aber beherrschbar bleiben. Dieser Ansicht ist Bundesagrarminister Christian Schmidt. Er hat eine Arbeitsgruppe einberufen, die einen ersten Lagebericht zu den Auswirkungen des russischen Importstopps für Agrarprodukte erstellt hat. Gut sei, dass die betroffenen Branchen sich der schwierigen Marktsituation entgegenstemmen und neue Absatzmärkte ausloten, so der Minister. Dabei werde er sie tatkräftig unterstützen.

Im vergangenen Jahr betrug der Anteil an Exporten von Deutschland nach Russland, gemessen an den Gesamtexporten im Agrarhandel, 2,4 Prozent. Im ersten Halbjahr 2014 waren diese Exporte bereits rückläufig. In der EU sind 4,5 Prozent der Agrarexporte betroffen. Die Auswirkungen des russischen Importembargos auf den deutschen Obst- und Gemüsemarkt sind vor allem indirekt, da Handelsströme der großen EU-Exporteure auf den Binnenmarkt umgelenkt werden, meldet die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI).

Bei Frischgemüse schwankt der deutsche Export sehr stark und beschränkt sich fast ausschließlich auf Weißkohl. Der deutsche Obstexport nach Russland beschränkt sich im Wesentlichen auf Äpfel. Die Obstbauversuchsanstalt (OVA) in Jork rechnet damit, dass die Bauern knapp 10.000 Tonnen Äpfel auf dem russischen Markt nicht absetzen können. Das mache etwa 2,5 bis drei Prozent der gesamten Erntemenge von 330.000 Tonnen aus.

Inzwischen haben sich sieben niederländische Gewächshausspezialisten in der Interessenvereinigung „Samen sterk“, „Gemeinsam stark“, zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist, den Konsum von niederländischen Obst- und Gemüseprodukten auf dem Heimatmarkt über die sozialen Netzwerke zu stimulieren. Die Branchenorganisation Fedecom sieht Umsatzrückgänge auf die niederländischen Land- und Gartenbautechnikbetriebe zukommen, nach Angaben des agrarischen Informationsdienstes Nieuwe Oogstin in Höhe von jährlich 120 Millionen Euro. (ts/fri)