Grüne Branche

Sagaflor: „Die Zukunft gehört den Kooperationen“

Würzburg. Wer in einer Verbundgruppe ist, erhält oft bessere Kredite. Die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz ist in einer Verbundgruppe um einige Prozentpunkte niedriger als bei nicht-kooperierenden Unternehmen. Verbundgruppen werden als modernste Unternehmensform Europas bezeichnet, führte Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer Zentralverband gewerblicher Verbundgruppen (ZGV), in Würzburg auf dem Sagaflor-Zukunftsforum am 9. Juni 2009 aus.

Er sparte im Folgenden nicht mit Lob für die Sagaflor: Es sei kein Zufall, dass „Ihre Gruppe heute mehr als 60 Prozent des Umsatzes mit System-Formaten erzielt“. Sie stelle sich damit weitsichtig und sachgerecht auf einen an Schärfe zunehmenden Wettbewerb ein. Das Konzept sei beispielgebend als ein richtungsweisendes Fundament für viele mittelständische Unternehmen, weit über den Garten- und den Zoofachhandel hinaus.

Politik entdeckt Mittelstand wieder

Im freien Fall der Kurse und täglichen Pleiten von zuvor gern gerühmten Weltkonzernen hätten alle Parteien und politischen Läger den Mittelstand „entdeckt“. Viele mittelständische Unternehmer seien überdurchschnittlich engagiert im Hinblick auf Mitarbeiterbeteiligung, Aus- und Weiterbildung sowie hinsichtlich einer familienfreundlichen Gestaltung von Arbeitsverhältnissen. Zwar könne der Staat als Krisenmanager nicht einfach auf Tauchstation gehen. Doch dürfe es weder sein Anspruch sein noch von ihm erwartet werden, dass er der bessere Unternehmer ist. Die goldenen Regeln der sozialen Marktwirtschaft müssten auch in Zukunft beachtet werden. Das heiße schlicht: Der Staat muss Regeln setzen und dann in die Rolle eines Schiedsrichters schlüpfen, der zu jeder Zeit das Spiel im Blick hat und wettbewerbliches Foulspiel sofort abpfeift. Diese Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft lassen sich auch auf eine Verbundgruppe übertragen. „Die Kunst für Sie besteht ja genau darin, mit zwar gleich gesinnten aber nicht gleichen, selbstständigen Unternehmern Tag für Tag den lokalen und zugleich zunehmend globalen Wettbewerb zu gewinnen.“ Es gilt, so Veltmann, die unternehmerische Kraft der Einzelnen zu bündeln, dabei ihre Individualität zu wahren, außerdem ihre lokalen und historischen Besonderheiten zu verstehen und daraus dennoch ohne „Anordnungsdruck im klassischen Sinne“ ein gemeinsames, wirtschaftliches und nachhaltiges Erfolgskonzept zu formen. Und dies auch noch in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Herstellerseite. Ohne vertrauensvolle Beziehungen zwischen den Kooperationspartnern und ohne die Übernahme von Verantwortung jedes Einzelnen könne das einer Verbundgruppe zugrunde liegende Ziel, Synergien für alle Beteiligten zu erwirtschaften, nicht verwirklicht werden. Freiwillige Selbstverpflichtung stelle außerdem einen hohen moralischen Anspruch an die Netzwerkteilnehmer und setze das voraus, was wir „heute soziale Kompetenz nennen“.

Verbundgruppen im Aufwind

Demjenigen, der diese Eigenschaften hat, werden gute Zukunftschancen verheißen. Der Chef-Ökonom der Deutschen Bank, Prof. Norbert Walter, habe auf dem letzten Großhandels- und Kooperationskongress in Berlin festgestellt, dass die Zukunft den Kooperationen gehört. In vielen Branchen repräsentieren Verbundgruppen mittlerweile weit mehr als die Hälfte des Marktanteils. Wissenschaftliche Trendstudien bewiesen: Bereits in wenigen Jahren werde es nahezu kein mittelständisches Unternehmen mehr geben, das nicht in einer leistungsfähigen und schlagkräftigen Verbundgruppe organisiert ist, so Veltmann.