Grüne Branche

Salat und Kräuter nur noch aus der Stadt

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In wenigen Jahren soll Berlin die erste sich selbst versorgende Stadt sein und ihren kompletten Bedarf an Salat und Kräutern – losgelöst von der Nahrungsmittelindustrie – selbst produzieren! So lautet die gleichermaßen ehrgeizige wie futuristische Vision des Berliner Start-up-Unternehmens Infarm.

Eine hydroponische Farm lässt sich in jedem Einzelhandelsgeschäft platzieren. Oder auch im Gartencenter. Foto: Merav Maroody/Infarm

Rund 30 Farmen im Berliner Stadtgebiet

Nach mehreren Jahren Entwicklungszeit gelingt es Infarm heute, Salate und Kräuter in kontinuierlich hoher Qualität und zu stabilen Preisen ganzjährig anzubauen, und zwar in hydroponischen „Farmen“, wie die Aufzuchtmodule heißen. An ungefähr 30 Standorten überall im Berliner Stadtgebiet betreibt Infarm mittlerweile Farmen mit Salat und Kräutern. Aber die Standorte der Infarm-Farmen sollen nicht auf Berlin beschränkt bleiben.

Peter erklärt: „Vor kurzem haben wir Rahmenverträge mit Edeka und Metro abgeschlossen. Im Moment sind die meisten Farmen noch in Berlin, aber das Konzept ist skalierbar auf viele andere Städte in ganz Europa.“

Aber Berlin soll sozusagen die Projektstadt sein. Die ehrgeizige Vision: Jedes Kraut und jeder Salat, der in Berlin verzehrt werden wird, soll eines Tages in Farmen direkt in der Stadt angebaut werden, statt jeden Tag mit Lastwagen Milliarden von Kilometern aus dem Umland oder Ausland in die Metropolregion transportiert zu werden.

Farmen in verschiedenen Ausführungen und Größen

Die Farmen gibt es in verschiedenen Ausführungen und Größen. Auf zwei Quadratmetern und sieben Ebenen können beispielsweise pro Monat 1.200 Kräuter beziehungsweise 800 Salatköpfe produziert werden – in gleichbleibend hoher Qualität und genau der Menge, die der Abnehmer wünscht. Alle Farmen sind zudem miteinander vernetzt und kommunizieren ihren Status kontinuierlich in ein internes Infarm-Netzwerk.

Durch die hochtechnische Sensorik, die in den Farmen eingebaut ist, lässt sich genauestens steuern, welche Nährstoffe die Pflanze bekommt, wie die Lichtrezeptur, der pH-Wert, die klimatischen Bedingungen und alle anderen Wachstumsfaktoren zusammenspielen. Wie groß und wie schwer soll eine Pflanze werden? Welche Farbe und welchen Geschmack soll sie haben? All das kann präzise angepasst und punktgenau beeinflusst werden.

Zentrale Steuerung von Berlin aus

„Wenn sich Sterne-Koch Tim Raue, in dessen Restaurant auch eine unserer Farmen steht, peruanische Minze in einem sehr intensiven Grün wünscht, bekommt er die“, sagt Peter. Alle genannten Wachstumsfaktoren werden übrigens nicht vor Ort gesteuert, sondern digital und zentral über die Cloud von Berlin aus – auch wenn die Farm in Barcelona steht.

„Das führt dazu, dass wir tatsächlich nach Bedarf anbauen und ernten können, dass der Thymianstrauch genau an dem Tag geerntet wird, an dem er die idealen Farb-, Geschmacks- und Nährstoffverhältnisse hat“, erklärt Peter.

Mehr zu den Kräuter- und Salat-Farmen von Infarm erfahren Sie im Video-Mitschnitt von Jakob Peters Vortrag, den er im Rahmen des von der TASPO und der Messe Essen veranstalteten Obst-, Gemüse- und Kräutertages auf der IPM 2018 gehalten hat.

Idee aus einem Problem geboren

Die zündende Firmenidee des 2013 von drei jungen Israelis gegründeten Start-ups war – wie es oft geschieht – aus einem Problem geboren worden: Warum gelingt es nicht, die in Israel im Schrebergartenanbau hervorragend bewährte Basilikumsorte auch in Deutschland anzubauen?

„Von diesen Fragen ausgehend, haben wir uns eingehend mit dem Thema Vertical Farming beschäftigt. Unser Ziel: Die nachhaltige, lokale Produktion frischer, gesunder Lebensmittel im und für den urbanen Raum“, erinnert sich Jakob Peter, Key Account Manager bei Infarm.