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Schamanismus im Park der Gärten: „Abend war ein voller Erfolg“

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„Vom Schamanismus kursieren schräge Vorstellungen“, sagt eine, die es wissen muss: Monika Böhlje, Jahrgang 1969, ist ausgebildet in schamanischen Heilweisen. Im August war sie zu Gast im Park der Gärten, um beim ersten „Schamanischen Abend im Park“ den Besuchern die spirituellen Sichtweisen und Rituale näherzubringen. Die TASPO hat sich mit der Schamanin über die uralte Heiltradition und das Event in Bad Zwischenahn unterhalten.

Ein Schamanischer Abend im Park der Gärten ist wirklich etwas Neues und Besonderes! Wie kam es zu der Veranstaltung in Bad Zwischenahn?

Die Idee hatte ich vor etwa einem Jahr. Dem Park der Gärten bin ich sehr verbunden und habe Diana Rolfes und Andrea Röben vom Veranstaltungsmanagement des Parks gefragt, was sie von einem Schamanischen Abend halten. Sie waren sofort begeistert. Und bald darauf haben mein Team und ich mit den Vorbereitungen begonnen.

Können Sie unseren Lesern kurz beschreiben, was der Schamanismus ist und will?

Der Schamanismus ist eine uralte Heiltradition und Lebensweise und ist auf der ganzen Welt verbreitet. Die überlieferten schamanischen Heilweisen dienen dem Seelenwohl und basieren auf einer engen Verbindung und Achtung mit der Natur und der Mutter Erde.

Wie kam der erste Schamanische Abend im Park der Gärten bei den Besuchern an?

Der Abend war ein voller Erfolg. Insgesamt haben etwa 1.800 Gäste den ersten Schamanischen Abend im Park der Gärten genossen und waren begeistert. Auf ein so großes Interesse hätten wir nie zu hoffen gewagt. Wir, das bin ich und mein 25-köpfiges Team aus Freunden, Berufskollegen und von mir selbst ausgebildeten Schamanen. Wir haben uns zusammen mit dem Park ein Jahr lang auf diesen Abend vorbereitet. Ohne unser gutes Miteinander wäre der Abend in dieser Form nicht zustande gekommen. Es ist tatsächlich alles so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt, geplant und erhofft hatten. Ich bin immer noch euphorisch, begeistert und dankbar.

Wie dürfen wir uns einen Schamanischen Abend vorstellen? Was gab es zu sehen und zu erleben?

Vor der Kulisse des illuminierten Parks haben wir mit einer Mischung aus Feuer, Licht und Livemusik mit Trommeln und Didgeridoos für eine magische Atmosphäre gesorgt. So konnten die Besucher etwa schamanische Krafttiere und ihre Bedeutung oder Heilkräuter sowie ihre Wirkung mit Räucherzeremonien kennenlernen. Oder sich auf einen Spaziergang durch die sieben Energiezentren des Menschen begeben, innehalten und die Kraftquelle für Glück und Zufriedenheit spüren. Oder einfach im Steinkreis sitzen und die besondere Stimmung des Abends genießen und achtsam in sich aufnehmen. In einem der Mustergärten im Park haben wir einen Ort der Dankbarkeit erschaffen. Erhellt vom Kerzenschein herrschte dort eine wunderbare ruhige Stimmung. Mein Kollege Jonas Schütte hat speziell für den Abend ein Dankbarkeitsgebet geschrieben.

Eine große Besonderheit war die Nachbildung der Weltkugel von etwa vier Metern Durchmesser. Dieses Kunstobjekt haben die gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg in Handarbeit hergestellt und zum Abend beigesteuert. Noch ist die Erde aus Eisen im Park zu bewundern, bald kehrt sie wieder zurück in die Werkstätten.

Eine vier Meter große Erde aus Eisen – welche Bedeutung hatte das Objekt?

Ein Ansatz des Schamanismus ist ja: wir verehren die Erde als unsere Mutter, die uns trägt, ernährt, uns beschützt und uns hilft. Die Erde hat eine so wundervolle, liebevolle, mütterliche Energie. Leider geht es Mutter Erde zurzeit gar nicht gut. Meiner Überzeugung nach ist es für unseren Planeten nicht fünf vor Zwölf, sondern fünf nach Zwölf. Auch deshalb sollte die Erde auf unserem Abend im Mittelpunkt stehen, verehrt und gewürdigt werden und unsere Dankbarkeit erfahren.

Zu dieser Idee einer „kleinen Erde“ hat mich ein Gleichnis inspiriert, das ich im Internet gefunden habe. Was würde passieren, wenn unsere Erde ganz klein wäre und im Wald läge, wo wir sie finden würden? Wir hätten plötzlich einen ganz anderen Zugang zu ihr. Wir würden in den Wald pilgern und sie bewundern, verehren, beschützen, verteidigen und lieben.

Was war für Sie persönlich der Höhepunkt des Abends?

Um 22 Uhr haben wir ein Dankbarkeitsritual für die Erde abgehalten. Das erste Mal habe ich für so viele Menschen über Mikrofon und Lautsprecher ein Ritual gesprochen, eine dreiminütige Meditation. Die Menschen versammelten sich um die Erde, um sie zu würdigen und ihr Dankbarkeit zu erweisen. Wir alle haben für diesen Augenblick für unsere Erde gebetet. Es war mucksmäuschenstill. Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören. Es war ein magischer Moment, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde!

Was war für Sie die wichtigste Idee des Abends?

Wichtig war mir vor allem, Menschen, die mit dem Thema Schamanismus sonst nicht in Kontakt kommen, dem Thema näher zu bringen. Es kursieren schräge Vorstellungen vom Schamanismus. Wenn man sich eine Schamanin vorstellt, haben sicher einige das Bild vor Augen, dass ich eine  merkwürdige Wallawalla-Frau bin, die um ein Feuer tanzt. Ganz im Gegenteil: Ich bin eine ganz normale Frau, die mit viel Liebe ihre Arbeit tut und Menschen und Tieren hilft. Und das mit großer Überzeugung und viel Leidenschaft.

Kommen viele Menschen zu Ihnen, die Heilung suchen?

In den letzten Jahren immer mehr. Ich glaube gerade jetzt erleben wir eine Zeit, in der viele Menschen fühlen, dass es ihrer Seele nicht gut geht. Es zeigen sich alte Themen, die liebevoll angesehen werden wollen. Die schamanischen Heilweisen können dazu beitragen, die Ursache zu ergründen um dann den Weg zu finden, um wieder in die eigene Kraft und Lebensfreude zu kommen. Ich bin dankbar, dass ich dann für einen Moment die Wegbegleiterin sein darf.