Grüne Branche

Schottergärten: „Naturnahes Gärtnern muss zum Trend werden“

, erstellt von

Im nordrhein-westfälischen Odenthal hat sich Torsten Brämer den Traum vom Eigenheim erfüllt. Der Vorgarten war allerdings alles andere als ein Traum, denn hier befand sich ein versiegelter Schottergarten. Diesen entsiegelte Brämer und bepflanzte selbigen artenreich. TASPO Online sprach mit dem Betreiber des Hobbygärtner-Netzwerks wirsindgarten.de über seinen Vorgarten.

Herr Brämer, wie schnell fiel ihre Entscheidung, dem Schottergarten den Garaus zu machen und in ein Pflanzenparadies zu verwandeln?

Da musste ich nicht lange nachdenken, aber es bedurfte mehrerer „Evolutionsstufen“ bis wir bei der jetzigen Umsetzung angekommen waren. Zunächst war der Garten ja mit Platten gepflastert, so dass wir im ersten Schritt Platten und Sand entfernt, den Schotterunterbau an vielen Stellen aufgebrochen und mit Erde gefüllt haben. Ich habe viele Jahre versucht, ob man einen Schottergarten mit einem Bewuchs betreiben kann. Dies Experiment ist gescheitert, die Pflanzen sind immer wieder trotz erheblicher Bewässerung vertrocknet. Das Mikroklima war zu heiß.

Hatten Sie jemals Zweifel, das Haus zu kaufen, aufgrund des Schottergartens, oder war das eher zusätzlicher Ansporn?

Zum Glück ist sowas ohne großen Aufwand umzugestalten, allerdings bedarf es je nach Ausführung schon eine Menge an Fantasie. Denn leider gibt es Schottergärten, bei denen mir nicht mehr das Wort Garten im Zusammenhang mit selbigen einfällt.

Wie lange haben Sie für das Projekt benötigt und haben Sie auch professionelle Hilfe in Anspruch genommen?

Die tatsächliche Ausführung war in wenigen Stunden erledigt, allerdings haben die Dreharbeiten, die wir gleichzeitig durchführen wollten, um die Verwandlung auch zeigen zu können, den Verlauf ein wenig in die Länge gezogen. Es war aber auch aufwändiger als normalerweise bei Schottergärten, da wir hier einen Unterbau von 40 Zentimeter verdichtetem Schotter auskoffern mussten. Außerdem musste der Schotter abtransportiert und neue Erde herbeigebracht werden. Bei einem normalen Schottergarten ist das in der Regel nicht erforderlich, da darunter Erde ist.

Wie erfolgten die Planung und schließlich auch die Pflanzenauswahl?

Aufgrund der Lage des Vorgartens, der bis zum späten Nachmittag in der prallen Sonne liegt und nah an der Hausfassade ist, war klar, dass es kleinwüchsige Stauden, die hitzeresilient sind, werden mussten. Es sollten auf jeden Fall Pflanzen sein, die Insekten Unterschlupf und Nahrung bieten. Mit Rüdiger Ramme hatte ich einen absoluten Profi an der Seite, der die finale Auswahl getroffen hat. Und es war mir wichtig, dass der Vorgarten nicht viel Arbeit macht. Das ist ja der Irrglaube bei den Schottergärten, dass diese angeblich so pflegeleicht sind. Mein neuer insektenfreundlicher Staudengarten ist viel einfacher zu pflegen.

Wie viele unterschiedliche Arten haben Sie gepflanzt?

Ich habe nicht ganz genau nachgezählt, aber es müssten ungefähr 15 bis 20 Arten sein.

Sie bekamen bereits Besuch von NRWs Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und der Verbraucherzentrale NRW, die Ihr Projekt als Musterbeispiel bezeichnen. Hat Sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ein Stück weit stolz gemacht und sehen Sie sich in Ihrer Entscheidung bestätigt?

Natürlich macht es einen stolz, wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen ist. Für mich war es wichtig, ein Zeichen zu setzen und dies möglichst offensiv zu kommunizieren. In unserer Online-Community „Wir sind Garten®“, der mittlerweile mehr als 500.000 Menschen folgen, erlebe ich täglich die Diskussionen um die Bedeutung der Privatgärten für Biodiversität und Artenschutz. In diesem Beispiel geht es darum zu zeigen, was jeder in seinem Privatgarten für das Mikroklima in der Stadt und den Artenschutz tun kann. Naturnahes Gärtnern muss zum Trend werden, wie Rüdiger Ramme immer sagt: „Nicht gegen, sondern mit der Natur gärtnern!“

Schottergärten stehen seit Längerem in der Kritik und einige Bundesländer wie Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt verbieten sie per Gesetz. Denken Sie, andere Länder oder gar der Bund sollten dem folgen?

Ich glaube, dass die Menschen mehr Aufklärung brauchen. Die wenigsten Besitzer:innen von Schottergärten wissen, wie negativ sich ihr Vorgarten auf das Mikroklima an ihrem Haus und damit auf die eigene Lebensqualität auswirkt. Und oftmals auch auf die Kosten. Zusätzliche Beschattung und Kühle im Sommer, Wärme im Winter im Haus. Von der Bedeutung für die Artenvielfalt ganz zu schweigen. Für Verbote ist allein schon der Umstand hinderlich, dass es kein Schwarz und Weiß gibt. Was genau ist ein Schottergarten, ab wie vielen Pflanzen ist es kein Schottergarten mehr? Gute Beispiele, Aufklärung und Förderprogramme helfen, mehr als Verbote.

Cookie-Popup anzeigen