Grüne Branche

Schutz von Verkehr und Alleen: Was ist machbar?

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Viel ist über Richtlinien für den Verkehrsschutz und Schutz von Alleebäumen schon debattiert und gestritten worden. Bis dieses Jahr schien die Situation festgefahren – nun scheint Bewegung in die Diskussion zu kommen. Inzwischen gibt es auch einen Forderungskatalog zum Alleenschutz – unterschrieben von zahlreichen grünen Verbänden und Initiativen.

Wirksam gegen Unfälle sind Geschwindigkeitsbeschränkungen in Alleen. Foto: K. Brückenmann, BUND Mecklenburg-Vorpommern

Richtlinie gibt Anlass für viele Diskussionen

Anlass für viele Diskussionen haben die Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume (ESAB 2006) und insbesondere die Richtlinie für passiven Schutz an Straßen (RPS) gegeben, die seit 2009 für viel Unfrieden und Missverständnisse sorgt. Denn obwohl es sich hierbei um ein bundesweit geltendes technisches Regelwerk handelt, das vom Bundesverkehrsministerium initiiert wurde, sind Auslegung und Interpretation der Richtlinie von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich.

Die RPS sollte dazu dienen, die Zahl an Verkehrstoten deutlich zu senken. Als Verkehrssicherungsmaßnahme wurde im Zuge der Reform auf Bundesstraßen der Abstand der Bäume zum Straßenrand von 4,50 Meter auf 7,50 Meter erweitert, mit der Empfehlung an die Länder, die Richtlinie auch auf Landstraßen anzuwenden.

Rodungen von alten Alleebeständen sowie ausbleibende Neu- oder Lückenbepflanzung nach Verlust waren die Folgen. Zudem wurde je nach Straßenbaubehörde der Sicherheitsabstand auf bis zu 12,50 Meter erweitert und Bäume mit passiven Rückhaltesystemen wie Leitplanken eingefasst, deren Ergebnis eine drastische optische Veränderung des Erscheinungsbildes war.

Alleenschützer reagieren mit Unverständnis und Wut

Das sorgte bei den Alleenschützern für viel Unverständnis und Wut, da viele der grünen Kulturgüter in ihrer Existenz bedroht und dem bürokratischen Eifer mancher Straßenbaubehörde zum Opfer gefallen sind. Ebenso bemängelten die Gegner der RPS, dass die Abstandsregelung in der Praxis unmöglich umzusetzen sei, da oftmals nicht genügend Platz für erweiterte Straßenseitenräume vorhanden sei und unter anderem Ausgleichszahlungen für Landbesitzer und Landwirte nicht finanzierbar sind. Das Resultat: ein kollektives Alleensterben auf Raten.

Ein Brandbrief an den Verkehrsminister, ein parlamentarischer Abend von CSU-Bundestagsmitglied Josef Göppel und Treffen auf höchster Ebene im Verkehrsministerium dieses Jahr haben seither Bewegung in die Debatte und die verschiedenen Interessenverbände gebracht. Es zeigte sich aber auch, dass zwar viele Unterstützer den Kampf gegen das Alleensterben aufgenommen, aber die verschiedenen Initiativen trotz vieler Gemeinsamkeiten zu wenig miteinander geredet haben.

Das haben Vertreter der verschiedenen Interessenverbände bei einem Fachgespräch jüngst in Berlin nachgeholt. Zu welchen Ergebnissen sie dabei kamen, lesen Sie in der Ausgabe 6/2015 der TASPO BaumZeitung.