Grüne Branche

Schwarz hat unglaubliche Strahlkraft

Das Museum für Sepulkralkultur ist bekannt dafür, dass es für seine diversen Sonderausstellungen mutig ungewöhnliche Themen anpackt und damit regelmäßig Volltreffer landet. Die aktuelle Sonderschau zum 20-jährigen Bestehen des Museums trägt den provokanten und prägnanten Titel „Schwarz…“.

Schwarz in der Kleidung. Hinten ein Gemälde: Der Schwarze Tod auf einem Drachen. Foto: AFD

In Schwarz gehalten ist denn auch – fast – das gesamte Ausstellungsareal des Museums für Sepulkralkultur, und dennoch spürt man beim Rundgang die Strahlkraft, die die Exponate haben, viele von ihnen eben in der Nicht-Farbe Schwarz. Redewendungen wie „sich schwarz ärgern“, „schwarz sehen“, „ins Schwarze treffen“ oder „schwarze Zahlen schreiben“ deuten schon darauf hin, wie oft Schwarz in unserem Sprachgebrauch vorkommt, und dabei sowohl negativ als auch positiv besetzt sein kann.

Die Ausstellung nähert sich der Farbe Schwarz, die eigentlich keine Farbe, sondern ein Farbempfinden ist, in acht Stationen. Als Besucher ist man überrascht, auf welch vielfältige Weise dies erfolgt. Es beginnt naturwissenschaftlich-medizinisch mit einem Augenmodell und einem Prisma-Experiment und geht weiter zur Malerei – mit verschiedenen Werken aus der Zeit der Romantik sowie der zeitgenössischen Kunst - und der Farbenlehre Goethes. In einem Guckkasten werden „Schwarze Tage“ aus der Geschichte visualisiert. Ein Schwarzer Schwan hat sich eingefunden und von den Oberkanten der Stellwände äugen schwarz glänzende Rabenvögel auf die Besucher hinab.

Schwarz ist auch die traditionelle Trauerfarbe in unserem Kulturraum, wie diverse Exponate, aus dem reichhaltigen Fundus des Museums zeigen, darunter Trauerkleidung aus dem 19./Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute zeigt schwarze Kleidung eher die Zugehörigkeit zu bestimmten gesellschaftlichen Gruppen (Kunstszene, Gothic) an. Eindrücklich die Darstellung des Schwarzen Todes als Synonym für die Pestepedemien des 14. Jahrhunderts: Er fegt auf dem stark vergrößerten Gemälde von Arnold Böcklin von 1898 auf einem schwarzen, geflügelten Drachen durch die Städte und zeigt sich als Beulen und Krater auf abgetrennten Füßen und Händen in einem Inkubator. Ratten als Überträger der Pest tummeln sich in der Gosse. In einer Abteilung wird die Schwarze Magie als Schadenzauber thematisiert, in der nächsten der Schwarze Humor: „Ernste und makabre Themen sind typische Inhalte des Schwarzen Humors. Er ist schockierende Satire mit einer Erheiterung auslösenden Pointe“, heißt es dazu im Ausstellungsflyer. Zu sehen sind Arbeiten von Thomas Rowlandson, Robert Gernhardt, Lilli Bravo und Oliver Ottitsch.

In der Abteilung Schwarzer Humor geht die Stimmung schon ein wenig wieder aufwärts, auch wenn einem beim Betrachten manchen Cartoons noch das Lachen im Halse stecken bleibt. Vollends in die farbige Gegenwart kehrt der Besucher in der letzten Station der Ausstellung zurück: In einem hellen Raum sind unter dem Motto „Schwarz war gestern! Heute ist Bunt!“ farbenfrohe Exponate zusammengestellt: Ein Sarg (lowbudgetbodybag) aus Samt, Baumwolle, Papier und Pappe für den Bettler-König des Vondelparks von Henny Willems schillernder mit schiullernder Zierdecke, farbige, künstlerisch gestaltete Särge und Urnen sowie lebhafte Gemälde an den Wänden. Die teilweise drückende Atmosphäre, die sich bei Abgehen der schwarzen Abteilungen eingestellt haben mag, löst sich hier angesichts der Farbfülle in eine heitere Stimmung auf, selbst wenn die Exponate den Tod betreffen. Die am 1. September eröffnete Ausstellung läuft noch bis zum 27. Januar 2012. Sie wird begleitet von zahlreichen Veranstaltungen. Programm und Infos unter: www.sepulkralmuseum.de.