Grüne Branche

Schwere Zeiten für Azaleen

Azaleen stehen seit vielen Jahren unangefochten auf dem vierten Platz der Top-Ten-Liste blühender Zimmerpflanzen. Damit ist die Azalee weiterhin eine der wichtigsten Kulturen in Deutschland. Dennoch zeigen sich bei der Analyse der Marktdaten zu dieser Kultur erhebliche Probleme, wie ein Artikel von Richard Niehues (Zentrale Markt- und Preisberichtstelle; ZMP, Bonn), veröffentlicht in der Gärtnerbörse 8/2007, deutlich macht. Zu den auf der Liste der zehn wichtigsten blühenden Zimmerpflanzen nachfolgenden Kulturen wie Hortensien, Kalanchoe, Elatior-Begonien und Topfrosen gebe es nur noch einen geringen Vorsprung. Sofern die Marktentwicklung auch nur wenige Jahre so weitergeht, werde die Azalee im unteren Bereich der Top Ten stehen und vielleicht sogar in absehbarer Zeit ganz aus dieser Liste verschwinden, prognostiziert der ZMP-Experte. Die Azalee habe vor allem unter den riesigen Wachstumsraten der Orchideen gelitten. Dies sei unter anderem auf das ganzjährige Angebot an Orchideen zurückzuführen, die somit in den Monaten Januar und Februar, den beiden wichtigsten Absatzmonaten für Azaleen, eine starke Konkurrenz - vor allem im Geschenkbereich - darstellten. Der Geschenkmarkt blühender Zimmerpflanzen zeige dies deutlich: 21 Prozent der Ausgaben privater Verbraucher für blühende Zimmerpflanzen als Geschenk entfielen 2001 auf Orchideen, Azaleen machten damals gut neun Prozent aus. Bis 2006 habe sich der Anteil der Orchideen an den Geschenkausgaben privater Verbraucher auf knapp 30 Prozent erhöht, Azaleen machten 2006 noch sechs Prozent aus. Einen weiteren Erklärungsansatz für die sinkende Bedeutung der Azaleen liefert Niehues mit der Tatsache, dass Azaleen überwiegend von älteren Personen gekauft werden. Im Jahr 2006 entfielen 70 Prozent der von privaten Verbrauchern gekauften Azaleen auf über 60jährige Personen, nicht einmal drei Prozent der Azaleen wurden von privaten Verbrauchern unter 35 Jahre gekauft. Ein zunehmender Anteil älterer Personen an der Bevölkerung in Deutschland in den nächsten Jahren könnte sich in Zukunft positiv auf den Azaleenabsatz auswirken, so die Analyse. Allerdings werde der hohe Anteil älterer Käufer oft auch als negativer Imagebestandteil interpretiert. In den vergangenen Jahren seien auch die Produktionszahlen von Azaleen stark zurückgegangen, so Niehues: Seit 1992 habe sich die Produktionsmenge mehr als halbiert. Da wurden noch fast 23,5 Millionen Azaleen (Fertigware) produziert, für 2006 schätzt die ZMP die Produktionsmenge noch auf rund elf Millionen Azaleen. Für 2007 zeige die Marktanalyse einen weiteren, deutlichen Rückgang. Auf den Produktionsflächen der Betriebe seien die Azaleen vor allem Callunen, Beet- und Balkonpflanzen und Stauden gewichen. Auch in Belgien hätten sich die Azaleen-Anbauflächen in den vergangenen zehn Jahren deutlich reduziert. Die belgische Azaleenproduktion sei jedoch weiterhin mehr als doppelt so hoch wie die deutsche Produktion. Insgesamt werden in Deutschland und Belgien rund 90 Prozent aller europäischen Azaleen produziert. Die schlechte Ertrags- und Absatzsituation dürfte dabei ausschlaggebend für diese Entwicklung gewesen sein. Laut Niehues spricht wenig für eine Trendwende bei Azaleen - die Zahlen aus dem Jahr 2007 zeigten erneut eine sehr schwierige Marktsituation. Kurz- und mittelfristig sei kaum von einer nachhaltigen Verbesserung der Situation auszugehen. Die weiter steigende Produktionszahl an Topforchideen werde die Konkurrenzsituation mit Azaleen verschärfen und sehr wahrscheinlich zu weiter sinkenden Absatzzahlen bei Azaleen führen.