Grüne Branche

Selbsterkennungsmechanismus verhindert Inzucht von Petunien

Petunien und Wirbeltiere haben mehr gemein als man denken mag. Wie das Forschende Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich (UZH) herausfand, benutzt die Pflanze einen Selbsterkennungsmechanismus, der eine Befruchtung durch eigene Pollen, also Inzucht vermeidet. 

Durch Inzucht können genetische Fehler in Form von Missbildungen oder Funktionsstörungen entstehen. Der Selbsterkennungsprozess der Petunie, auch Selbstinkompatibilitäts- oder einfach SI-Mechanismus genannt, spielt sich auf molekulare Ebene ab. Eine Gruppe männlicher Proteine kann weibliche Eiweiße erkennen und wenn nötig eine Abwehrreaktion einleiten, um so die Befruchtung zu verhindern. Der Selbsterkennungsmechanismus ähnelt nach Aussagen beteiligter Forscher der Immunabwehr von Wirbeltieren.

Züchter könnten vom Selbsterkennungsmechanismus profitieren

Für die Pflanzenzucht könnte der Selbsterkennungsmechanismus wichtig sein: «Züchter könnten so Erträge aus vitalen Hybriden zu ziehen. Gleichzeitig birgt der Versuch aber die Gefahr, dass keine Früchte wachsen», erklärt Timothy Paape, Pflanzenwissenschaflter der UZH. Aufbauend auf dieser Erkenntnis könnte nach Ansicht des Experten eine Isolation von relevanten Genen könnte neue interessante Möglichkeiten für die Zucht von Nutzpflanzen ergeben.

Selbsterkennungsmechanismus Meilenstein für die Forschung

Für die Forschung stellt der SI-Mechanismus ein Meilenstein dar: Bisher war bei Pflanzen oder Tieren nur die sogenannte Eins-zu-eins Erkennung nachgewiesen worden. Demnach konnten nur einzelne männliche Eiweiße einzelne weibliche Proteine identifizieren. (ts)