Grüne Branche

So wird Klärschlamm zu Qualitätsdünger

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Knapp zwei Millionen Tonnen trockenen Klärschlamm bringen die Klärwerke der Bundesrepublik jährlich hervor. Dass in ihnen die Lösung für Bodenmüdigkeit schlummern könnte, vermutete kaum einer, außer vielleicht Professor Doktor Andrea Kruse, die für die Universität Hohenheim forscht. Sie hat herausgefunden, wie man dank Hitze, Druck und Säure Qualitätsdünger aus Klärschlamm herstellen kann und der Umwelt nebenbei einen großen Gefallen leistet. 

Von brauner Kruste zum Qualitätsdünger, an der Uni Hohenheim wurde Klärschlamm zur Phosphatquelle gegen Bodenmüdigkeit. Foto: Wikimedia Hanndes Grobe clipdealer

Struvit – Phosphorquelle aus Klärschlamm

Am Ende der mehrstündigen Versuchskette steht ein weißes, leicht körniges Pulver, das Struvit genannt wird. Niemand würde auf den ersten Blick vermuten, dass es sich hierbei um ein Produkt aus Klärschlamm handelt. Struvit ist eine Phosphorquelle, die der Bodenmüdigkeit landwirtschaftlich genutzter Flächen entgegenwirkt. Klärschlamm an sich ist als Dünger unbrauchbar, obwohl er Phosphat enthält.

Von der braunen Flüssigkeit zum Qualitätsdünger

Der Versuchsvorgang geht folgendermaßen vonstatten: Andrea Kruse schüttet eine braune, schaumig-schlammige Flüssigkeit in einen backsteingroßen Zylinder, den sogenannten Autoklav. Dieser wird anschließend 120 Minuten lang auf über 200 Grad erhitzt und wird so zu Biokohle. Der Weg zum Düngemittel ist nicht mehr weit: Anschließend badet die Agrartechnologin die braunen Kohlebrocken in Säure, kocht das Gemisch und trennt die Kohle anschließend ab. Nun gibt die Wissenschaftlerin noch Magnesiumsalz hinzu und trennt das Wasser ab. Fertig ist das Düngemittel Struvit.

„Die Mineralwerke in China, den USA und Marokko sind mittlerweile so ausgeschöpft, dass immer tiefer gebohrt werden muss. Je tiefer aber gebohrt wird, desto mehr Schwermetalle wie Uran sind im Phosphat angereichert, ehe es als Dünger auf die Felder gestreut wird. Wir brauchen andere Phosphat-Quellen wie den Klärschlamm“, erklärt Andrea Kruse.