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Sommerhitze: BdB ruft Bürger auf, Stadtbäume zu bewässern

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Trockene Sahara-Luft heizt Deutschland derzeit mächtig ein – Temperaturen von örtlich bis zu oder sogar über 40 Grad erwarten Meteorologen für den heutigen Mittwoch, der damit der heißeste Tag aller Zeiten im Bundesgebiet werden könnte. Solche Hitze bedeutet Stress für Mensch, Tier und Pflanzen. Besonders Stadtbäume leiden und sollten mit einer Extraportion Wasser versorgt werden, findet der Bund deutscher Baumschulen (BdB).

Gerade Stadtbäume stehen bei Hitze unter extremen Stress und brauchen ihre natürlichen Wasserreserven deutlich schneller als üblich auf. Foto: Graf von Luckner/BdB

Straßenbäume brauchen Wasserreserven bei Hitze schneller auf

Je nach Größe benötigen Straßenbäume zwischen neun und 14 Liter Wasser pro Tag, erklärt der BdB in einer aktuellen Pressemitteilung. Da die Gehölze bei der aktuell vorherrschenden Hitze und Trockenheit ihre Wasserreserven deutlich schneller als sonst aufbrauchen, will der Bund deutscher Baumschulen Bürger dazu animieren, Bäumen an besonders heißen Tagen durch zusätzliche Wassergaben zu helfen.

„Gerade Stadtbäume stehen bei dieser Hitze unter extremen Stress“, sagt BdB-Hauptgeschäftsführer Markus Guhl. Besonders belastend seien derart hohe Temperaturen außerdem für Jungbäume, die weniger Wasserreserven haben, aus denen sie schöpfen könnten. Ein kurzer Gewitterregen reiche da meist nicht aus, um das Feuchtigkeitsdefizit auszugleichen, da er viel zu wenig Wasser spendet.

Warum es sich lohnt, Bäume im Sommer nicht verdursten zu lassen

Bäume im Sommer insbesondere in der Stadt nicht verdursten zu lassen, lohne sich alleine schon deshalb, weil sie durch Verdunstungskälte sozusagen als „natürliche Klimaanlage“ wirken und die Lufttemperatur absenken, erklärt Guhl und ergänzt: „Die Gebäude und Straßen in der Stadt heizen schneller auf als im ländlichen Raum. Straßenbäume und Bäume in Parks und Grünanalgen puffern dabei einen Teil der entstandenen Wärmestrahlung der Gebäude ab.“

Ob es nun allerdings sinnvoll ist, Anwohner in heißen Sommern zum Wässern „ihrer“ Straßenbäume zu ermuntern (so wie aktuell der BdB), war bereits beim 22. Straßenbaum-Tag im vergangenen Oktober in Quedlinburg Thema. Dennis Hintze, Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung vom Stadt- und Landschaftspflegebetrieb Halberstadt, sprach dabei auch verschiedene „Bürger gießen Bäume“-Aktionen kritisch an, was zu lebhaften Diskussionen führte.

Zusätzliches Bewässern in extremen Trockenperioden Trinkwasser-Verschwendung?

Derartige Maßnahmen stufte Hintze aus seiner Sicht als sinnlos ein, unter anderem, weil es an fahrlässige Ressourcen-Verschwendung grenze, Bürger ausgerechnet zum Zeitpunkt einer extremen Trockenperiode, an dem das Gießwasser zur Neige gehe, dazu aufzufordern, das Gießen mit kostbarem Trinkwasser zu ergänzen. Außerdem würden Bürger, die sich für „ihre“ Straßenbäume engagieren wollen, oft nicht ausreichend angeleitet, wann und in welchen Mengen die Bäume fachmännisch gegossen werden müssen, so Hintze.

Dieser Argumentation widersprachen jedoch mehrere Berufskollegen auf der Veranstaltung und gaben zu bedenken, dass solche Maßnahmen, auch wenn über den unmittelbaren Nutzen gestritten werden könne, einen großen Vorteil hätten indem sie die Sensibilität und das Verantwortungsbewusstsein der Anwohner gegenüber „ihren“ Stadtbäumen steigern – und das sei den Preis des Trinkwassers allemal wert.

Bürgern beim Thema Stadtgrün Verantwortung übertragen

Darüber hinaus könne man einem oft oberflächlichen Verständnis von Baumgesundheit und einem Wissensmangel in Bezug auf viele Aspekte zum Thema Stadtgrün am besten begegnen, indem man die Bürger ganz praktisch ins Thema einbinde und ihnen Verantwortung übertrage. Dadurch steige nicht nur das Wissen der Bürger über Bäume, sondern auch der Stellenwert von Bäumen allgemein in ihrer Werteskala.