Stadtbaumdiversität und die Rolle von Produzenten und Co.

Veröffentlichungsdatum: , Deutsche Baumschule

Fraxinus ornus in Blüte, ein für den städtischen Bereich gut geeignetes Gehölz. Foto: Sjöman

Mit einem wachsenden Bewusstsein für die Ökosystemleistungen von Bäumen und ihre Rolle für die Grüne Infrastruktur erfahren Bäume zunehmend Aufmerksamkeit in Forschung und Politik.

Ökosystemleistungen von Bäumen

Durch ihre Struktur tragen Bäume maßgeblich zur Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit in Städten weltweit bei (Morgenroth et al. 2016; Pauleit et al. 2017). Zu diesen Ökosystemleistungen gehören Versorgungsleistungen (zum Beispiel Brennstoffe), Regulierungsleistungen (zum Beispiel Regenwasserbewirtschaftung, Regulierung der Luftverschmutzung), kulturelle Leistungen (zum Beispiel Erholung, Nutzen für die körperliche und geistige Gesundheit) und Bereitstellungsleistungen (zum Beispiel Lebensräume für Wildtiere). Viele dieser Ökosystemleistungen stehen jedoch in engem Zusammenhang mit der Größe und Gesundheit der Bäume (Xiao und McPherson 2002; Gratani und Varone 2006; Gómez-Muñoz et al. 2010; Vos et al. 2013), wobei größere und gesündere Bäume mehr Ökosystemleistungen erbringen.

Stadtbäume sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt

Die vielfältigen biotischen und abiotischen Belastungen, denen Stadtbäume ausgesetzt sind, haben daher ein erhebliches Potenzial, das Wachstum der Bäume und damit ihre Fähigkeit, Ökosystemleistungen zu erbringen, einzuschränken. Die städtische Vegetation kann außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt sein, die von Wasserknappheit bis zu Überschwemmungen reichen, und durch extreme Hitze, Dürre und Regenstürme verursacht werden, die in vielen Regionen laut zukünftigen Klimaszenarien wahrscheinlich noch zunehmen werden (Allen et al. 2010).

Viele in der nördlichen Hemisphäre durchgeführte Stadtbaum-Inventuren zeigen, dass die vorherrschenden Arten aus feuchten und kühlen Waldlebensräumen stammen und daher für warme und trockene innerstädtische Standorte weniger geeignet sind. Wasserdefizite gepaart mit hohen Temperaturbelastungen werden zukünftig voraussichtlich zunehmen und zu einer höheren Baumsterblichkeit führen, selbst in gemäßigten Regionen (Allen et al. 2010; Teskey et al. 2015). Um Ökosystemleistungen zu maximieren, ist bei der Auswahl von Baumarten die Toleranz gegenüber Überschwemmungen und schweren Dürre-Ereignissen von größter Bedeutung.

Ernsthafte Bedrohung durch Krankheitserreger und Schädlinge

Neben der gezielten, standortgerechten Nutzung von Baumarten mit hohen Ökosystemleistungen stellt auch die Vielfalt eine Herausforderung für die Zukunft dar. Erhebungen zur Baumvielfalt im skandinavischen Raum machen deutlich, dass die Artenvielfalt dort sehr begrenzt ist. Ein Großteil des Baumbestands umfasst nur wenige Arten, besonders in versiegelten Stadtbereichen und an Straßenstandorten (z. B. Raupp et al. 2006; Yang et al. 2012; Cowett und Bassuk 2014), wo Park- und Straßenbäume derzeit mit einer ernsthaften Bedrohung durch Krankheitserreger und Insekten konfrontiert sind. Entsprechend sind in vielen Städten bereits schwerwiegende Folgen zu beobachten, die durch Ausbrüche von Krankheiten und Schädlingen zu großflächigen Baumverlusten geführt haben.

Möglichkeiten zur Sortimentserweiterung zum Teil eingeschränkt

Eines der wirksamsten Mittel zur Eindämmung dieser Probleme besteht darin, die Vielfalt der Stadtbaumarten zu erhöhen (zum Beispiel Alvey 2006). Die Möglichkeiten zur Sortimentserweiterung der Stadtbäume werden jedoch häufig durch mangelndes Wissen über unbekannte Arten eingeschränkt, auch bei Planern und der Baumschulindustrie. (Dr. Henrik Sjöman, Dozent und Wissenschaftler, Universität Alnarp (Schweden), wissenschaftlicher Kurator im Botanischen Garten Göteborg; Übersetzung ins Deutsche: Dr. Susanne Böll, LWG Veitshöchheim)

► Mehr über Stadtbaumdiversität sowie Herausforderungen und Hindernisse auf dem Weg zu mehr Stadtbaumvielfalt lesen Sie im kompletten Beitrag in Deutsche Baumschule 2/2022. Darüber hinaus finden Sie hier ein Literaturverzeichnis zu diesem Beitrag.