Städter lieben Wildpflanzen

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Die vegetationsfreie, „saubere“ Baumscheibe unter Straßenbäumen wurde eindeutig negativ bewertet, alle Varianten mit Wildpflanzen dagegen positiv. (Foto: Pixabay)

Es gibt eine erste europäische Vergleichsstudie zur Bewertung von biologischer
Vielfalt in städtischen Lebensräumen.

Die biologische Vielfalt gerät zunehmend in die Enge. Die
industrialisierte Landwirtschaft lässt Pflanzen und Tieren wenig Raum.
Gleichzeitig wachsen Städte zunehmend auf Kosten ihres Umlandes.
Ob Pflanzen und Tiere auch in Städten überleben können, ist daher eine
wesentliche Zukunftsfrage für die biologische Vielfalt. Viele
Naturschützer und auch Kommunen setzen sich bereits für Stadtnatur
ein. Doch haben sie genügend gesellschaftlichen Rückenwind?
Bemerken Stadtbewohner überhaupt Unterschiede in der Artenvielfalt
ihrer Umgebung? Finden sie Artenvielfalt gut? Hierzu gab es bislang nur
wenige, widersprüchliche wissenschaftliche Befunde.

4000 Menschen in fünf Städten wurden befragt

Ein internationales Forschungsteam um Prof. Dr. Ingo Kowarik und
Stadtökologin Dr. Leonie Fischer vom Fachgebiet Ökosystemkunde und
Pflanzenökologie am Institut für Ökologie der TU Berlin fand nun
überraschend eindeutige Antworten.
Das Team führte die erste europäische Vergleichsstudie zur Bewertung
von Artenvielfalt in städtischen Lebensräumen durch. Im Rahmen des
EU-geförderten Forschungsprojekts „Green Surge“ kombinierten die
Forscher Methoden aus Ökologie und Psychologie und befragten
etwa 4000 Menschen in fünf europäischen Städten, darunter auch
Berlin. Dabei ging es darum, wie Stadtbewohner Ausschnitte aus ihrem
städtischen Umfeld bewerten, die unterschiedliche Niveaus von
Artenvielfalt zeigen.

Höchste Artenvielfalt findet die größte Zustimmung

Das unerwartete Ergebnis war, dass die höchste Artenvielfalt die größte
Zustimmung fand – in Parks ebenso wie im Straßenraum und auf
Brachflächen. Ein für Stadtgärtner interessantes Detail: Die
vegetationsfreie, „saubere“ Baumscheibe unter Straßenbäumen wurde
eindeutig negativ bewertet, alle Varianten mit Wildpflanzen dagegen
positiv. Auch die wilde Natur auf Brachflächen stieß auf breite
Zustimmung. Dies führt zur Schlussfolgerung von Ingo Kowarik: „Die Forschungsergebnisse
bedeuten Ermutigung und starken gesellschaftlichen Rückenwind für
die Förderung von biologischer Vielfalt innerhalb von Städten –
gleichermaßen für die Natur wie für die Menschen in der Stadt.“

Die Forschungsergebnisse sind im Frühjahr in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Global Environmental
Change“ veröffentlicht worden. (TU Berlin)

Die Veröffentlichung finden Sie unter:
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378017308701