Grüne Branche

Start für UIC-Palette: EUR-Palettenpool bekommt ab 1. August Konkurrenz

In dem vor etwa einem halben Jahr entstandenen Streit um den EUR-Palettenpool konnten die Konfliktparteien European Pallet Association e.V. (EPAL, Münster) und International Union of Railways (UIC, Paris) bislang keine Einigung erzielen, darüber informiert die EPAL in einer aktuellen Pressemitteilung. 

Europaletten, hier im Cash & Carry-Markt der Gasa in Odense. Foto: Daniela Sickinger

Der bislang unter Maßgabe der Qualitätssicherung durch die EPAL betreute, einheitliche Palettentauschpool wird somit nach derzeitigem Stand seine Monopolstellung im internationalen Logistikgeschäft verlieren.

Führende deutsche Wirtschaftsverbände und auch die global arbeitende Standardisierungsplattform GS1 Germany (Köln) hatten sich im Vorfeld mehrfach für den Erhalt des bisherigen Systems eingesetzt und die UIC aufgefordert, die kürzlich erfolgte Kündigung des Lizenzvertrages mit der EPAL zurückzuziehen.

Wie GS1 dazu mitteilt, befürchten die deutschen Wirtschaftsverbände, ebenso wie GS1 Germany, dass der seit vielen Jahren bewährte EUR-Palettenpool dadurch aufbrechen und neue Strukturen zu erheblichen Ineffizienzen und Nachteilen für die Unternehmen führen könnten. Die Verbände forderten zudem von der UIC auch künftig die Tauschfähigkeit qualitativ hochwertiger Holzpaletten für alle Unternehmen in einem einheitlichen System sicherzustellen.

Im nunmehr ausgebrochenen Streit um Markenrechte geht es der UIC um die Reduzierung unterschiedlicher Kennzeichnungs-Kombinationen auf nurmehr zwei, die den vollständigen Verzicht auf die Marke „EPAL im Oval“ einschließen. Die EPAL hingegen besteht aus Gründen des Nachweises der eigenständigen und hochwertigen Qualitätssicherung der Paletten auf Weiterführung dieser Kennzeichnung.

Da sich die Konfliktparteien nicht einigen konnten, will die UIC den Informationen zufolge ab 1. August 2013 mit einem eigenen Palettentauschpool an den Start gehen. Die Herstellung eigener und mit der Marke UIC gekennzeichneten Paletten sei bereits in vollem Gange.

Aus Sicht von Sebastian Krug, Projektmanager ECR bei GS1 Germany, würde mit dem neu entstehenden Privatpool eine Wettbewerbssituation im Markt geschaffen, die sich in der Praxis gegebenenfalls zwar günstig auf die Beschaffungskosten der Paletten auswirken könnte, aber auch die Gefahr berge, dass die Handlingskosten für Unternehmen steigen und Qualitätseinbußen hingenommen werden müssten.

Auch Markus Schering, Leiter von SynLOG, dem Lieferanten-Logistiksystem für die Branche Bau und Garten-Handel sieht in einem zweiten Palettenpool Nachteile, die auf alle an der Lieferkette Beteiligten zukämen, wenn ab 1. August zwischen EPAL- und UIC-Paletten unterschieden werden müsste.

Denn die nicht paketfähigen Güter werden seiner Information zufolge auf Paletten (ausgenommen CC-Container und Einwegpaletten im Sonderfall) angeliefert, „und das ist der überwiegende Teil der Ware“, wie er sagt. „Die Märkte haben sowieso schon kaum Lagerflächen zur Verfügung. Im Falle des zweiten Pools müssten die Paletten aber dann separat gehalten werden. Zudem entstünden Kosten für das zusätzliche Sortieren und Abrechnen. Das sind natürlich Kosten, die sich keiner – sowohl Verlader als auch Handel und auch nicht der Transportdienstleister – aufladen möchte.“

Dass sowohl für EPAL als auch für UIC-Paletten exakt die gleichen Ausführungs- und Qualitätsmerkmale gelten sollen, ruft bei dem Logistik-Experten nur ein Kopfschütteln hervor. „Was Lieferanten und Handel brauchen, sind einheitliche Paletten, die sich ohne Probleme tauschen lassen, unabhängig davon, wer sie herstellt oder vertreibt. Es macht keinen Sinn, die Komplexität der Prozesse für ein und dasselbe Produkt derart zu erhöhen.“ (ks)