Grüne Branche

Steigende Pachtpreise: Kampf um gute Flächen hat begonnen

Insbesondere flächenintensive Sparten wie der Gemüsebau und der Baumschulsektor sind vom Kostenanstieg bei Pachtflächen betroffen. Aber auch für Zierpflanzenbetriebe hängen Expansionsmöglichkeiten im starken Maße von der Flächenverfügbarkeit ab. Wie aus der Praxis verlautbart, kommt der Frage des Flächenmanagements innerhalb der Unternehmensführung daher eine wachsende Bedeutung zu. 

2011 wuchsen Energie- und Industriepflanzen auf 2.282.500 Hektar, schätzt die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Projektträger des BMELV. Dies entsprach etwa 19 Prozent der Ackerfläche Deutschlands und einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um gut 150.000 Hektar. Grafik: FNR

Im Vordergrund stehen dabei möglichst langfristige Lösungen, die zur Planungssicherheit des Einzelbetriebes beitragen. Dass die Pachtpreise in Korrelation zu den Kaufpreisen innerhalb der letzten Jahre angestiegen sind, ist allgemein bekannt. Statistische Werte aktuellen Datums lassen sich dazu allerdings nicht finden. Ein Rückgriff auf die Agrarstruktur- und Landwirtschaftszählung 2010 gibt hier allenfalls das Bild der allgemeinen Entwicklungen im Bereich Agrarland wieder.

Demzufolge wirtschafteten landwirtschaftliche Betriebe zum Zeitpunkt der Erhebung im Durchschnitt mit einem 60-prozentigen Anteil an eigenen Flächen, der Pachtflächenanteil belief sich auf rund 40 Prozent. Dabei lag der Anteil eigener Flächen im Alt-Bundesgebiet 2010 durchschnittlich bei 46 Prozent, in Ostdeutschland entfielen 74 Prozent der bewirtschafteten Flächen auf die Pachtnutzung. In beiden Teilen Deutschlands erhöhte sich der Anteil an Eigentumsflächen in eher kleinem Ausmaß, wobei der Anstieg in den neuen Ländern historisch begründet höher ausfällt. Er lag 2010 bei fünf Prozent.

Entsprechend der in Bezug auf das gesamte Bundesgebiet durchschnittlich um neun Prozent gestiegenen Kaufpreise für Agrarland im Jahr 2010 entwickelten sich auch die Pachtpreise weiter nach oben, wobei regional signifikante Unterschiede auszumachen sind. Die Kaufpreise für Ackerland lagen 2010 im Altbundesgebiet durchschnittlich bei 18.700 Euro pro Hektar, in den neuen Ländern bei 7.400 Euro.

Roland Unzner-Harring, Berater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, sieht in den steigenden Pachtpreisen noch keine existenzielle Bedrohung für die Betriebe. Dass die verfügbaren Flächen knapper werden, stehe allerdings außer Frage. Wie stark ein Unternehmen von der Kostensteigerung betroffen ist, hängt aus seiner Sicht in erster Linie vom tatsächlichen Flächenbedarf und der damit in Zusammenhang stehenden Intensität der Bewirtschaftung ab. Davon ausgehend stellt sich der Gemüsebau, in dem Unternehmen nicht selten einen jährlichen Flächenbedarf von 20 bis 60 Hektar haben, anders dar, als der sehr intensiv wirtschaftende Zierpflanzenbau.

In NRW gestalten sich die aktuellen Pachtpreise Unzner-Harring zufolge regional sehr unterschiedlich – eine Situation, die auch bundesweit zu beobachten sei. Während in der Köln-Aachener Bucht beispielsweise durchschnittlich 400 bis 600 Euro pro Hektar für die landwirtschaftliche Nutzung anfallen, liegen die Preise für gartenbauliche Nutzung, speziell im Zierpflanzenbau und beispielsweise am Niederrhein, deutlich höher. Pachtpreise von über 1.000 Euro pro Jahr sind keine Seltenheit. Diese Staffelung nach oben begründet sich nach Aussage des Beraters auch darin, dass der Zierpflanzenbau in der Regel kleinere und betriebsnah gelegene Flächen benötigt.

Es stelle sich aber auch immer die Frage, in welchem Verhältnis der Kostenaufwand für die Landnutzung zum jeweiligen Umsatz steht. Vor diesem Hintergrund werde deutlich, dass der Landwirt mit durchschnittlich 2.000 Euro Umsatz pro Hektar Getreide deutlich stärker von der Kostensteigerung betroffen ist als ein Zierpflanzenbaubetrieb, der auf gleicher Fläche einen durchschnittlichen Umsatz von 10.000 Euro erziele. Ein mögliches Anwachsen des Preises von beispielsweise 1.000 auf 1.200 Euro pro Hektar stelle Betriebe hier noch nicht vor unlösbare Probleme.

Dennoch wächst der Flächenbedarf auch im Bereich der Zierpflanzenproduktion kontinuierlich, so der Berater. Und mit der schwindenden Verfügbarkeit von Agrarland gehe daher auch eine immer größer werdende Entfernung zwischen Unternehmensstandort und zugepachteten Flächen einher. „Nicht selten werden ganze Betriebe gepachtet, um an Fläche zu kommen“, so Unzner-Harring.

Im Unterglasbereich zeichnet sich speziell am Niederrhein seit einigen Jahren ein weiterer Trend ab. „Viele Unternehmen sind bereits nach Holland ausgewichen, weil der Pachtzins dort niedriger ist und die verfügbaren Betriebe groß, modern und strukturiert sind. Ein 1,5 Hektar großer Venloblock, in dem bislang Paprika produziert wurde, eignet sich beispielsweise sehr gut für die Kultur von Beet- und Balkonpflanzen. Gemüse ist derart unter Druck geraten, dass im Nachbarland Flächen frei werden.“ (ks)

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe 40/12. Dort erfahren Sie unter anderem, weshalb Biogasanlagen die Pachtpreise in die Höhe treiben und der Gemüsebau teilweise an seine Grenzen stößt.