Grüne Branche

Studie: Klimafolgen fordern Branche heraus

, erstellt von

Hitze, Hagel, Sturm – was solche extremen Wetterereignisse für die Land- und Forstwirtschaft bedeuten, untersuchten Wissenschaftler im Rahmen des Forschungsprojekts „Agrarrelevante Extremwetterlagen und Möglichkeiten von Risikomanagementsystemen“. Einige Ergebnisse der Studie zu den Bereichen Sonderkulturen und Wald sind auch für den Gartenbau interessant.

Auch Stürme können verheerende Schäden verursachen, hier in Berlin 2012. Foto: Katrin Klawitter

Auftraggeber des Projektes ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), beteiligt sind das Thünen-Institut, das Julius Kühn-Institut, der Deutsche Wetterdienst sowie weitere Partner.

Extreme Wetterlagen nehmen weiter zu

Wie wichtig solche Untersuchungen sind, machte Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, an Wetterprogosen deutlich: Danach wird die Häufigkeit von Extremniederschlägen bis zum Jahr 2100 im Winter um etwa 50 bis 100 Prozent zunehmen. Wie die Ergebnisse aus den Klimamodellen bis zum Jahr 2100 zeigen, ist die Zahl extremer Hitzetage angestiegen – dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen. Gleiches gilt für extreme Sommertrockenheit.

In allen Sonderkulturen berge der Hagel das höchste Schadenspotenzial, fand die Studie heraus. Allerdings trete dieser in aller Regel kleinräumig auf. Daher seien Hagelversicherungen weit verbreitet und gewännen weiter an Bedeutung. Versicherungen könnten die entstehenden direkten finanziellen Verluste der betroffenen Betriebe verringern.

Im Gegensatz zu pflanzenbaulichen Maßnahmen seien Versicherungslösungen aber nicht in der Lage, physische Ertragsausfälle zu verhindern, sodass die Gefahr bestehe, durch eine temporär unterbrochene Belieferung von eventuell langjährigen Abnehmern langfristig Absatzmärkte zu verlieren.

Sonderkulturen: hohe Gefährdung durch Spätfröste

„Als Alternative zur Versicherung ist eine möglichst weite innerbetriebliche Streuung der Anbauflächen anzusehen, wodurch die von einem Schadensereignis betroffenen Flächen einen vergleichsweise kleinen Anteil an der Gesamtfläche erreichen“, so die Wissenschaftler. Eine hohe Gefährdung gehe in den untersuchten Sonderkulturen zudem von Spätfrösten aus.

Obwohl die Häufigkeiten von Spätfrostereignissen zu ausgewählten Zeitpunkten im Jahr in Zukunft sinken werden, laufe ein immer früherer Blühbeginn bei den verholzten Dauerkulturen, beispielsweise Obst, dieser Entwicklung entgegen. Ähnliche Auswirkungen habe eine zunehmend frühere Bestellung der Flächen im Gemüsebau.

Risikomanagement individuell maßschneidern

Eine breitere Daten- und Wissensbasis, beispielsweise zu möglichen Verlusten und der Anzahl betroffener Betriebe, würde auch in Hinblick auf die Bewertung verfügbarer Versicherungslösungen einen großen Beitrag leisten. Risikomanagement müsse individuell maßgeschneidert auf Betriebsebene gehandhabt werden.

Die Politik könne dabei unterstützende Maßnahmen ergreifen, indem weitere Forschung zur (Weiter-)Entwicklung neuer Anpassungsoptionen bei Extremwetterereignissen gefördert werde. Denkbar sei beispielsweise auch ein Online-Portal zur Erfassung von Extremwetterschäden und notwendiger Metadaten in landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen, über welches umfangreiche Daten für wissenschaftliche Analysen gewonnen werden könnten.

Mehr zu den weiteren Ergebnissen der Studie lesen Sie in der aktuellen TASPO 32/2015.