Grüne Branche

TAG-Auszubildende standen Rede und Antwort: Welche Wünsche haben Azubis?

„Willst Du ein Leben lang glücklich sein, werde Gärtner – Wunschtraum oder Realität?“ Diese provokante Frage war Thema des letzten Auszubildenden-Workshops der Ausbildungsinitiative Top Ausbildung Gartenbau (TAG). Yasemin Köster-Yavuz, Lehrerin an der Berufsbildenden Schule 2 in Oldenburg, befragte in diesem Rahmen rund 65 TAG-Azubis. Die Auszubildenden hatten die Möglichkeit, ihren TAG-Betrieb zu bewerten – und hielten ihren Ausbildern in manchen Punkten durchaus einen kritischen Spiegel vor. 

Zu Beginn des Workshops befragte das Team Azubis danach, was gut in ihren TAG-Betrieben läuft. An erster Stelle landete ein gutes Betriebsklima, gefolgt von abwechslungsreichen beziehungsweise spannenden Kulturen und Arbeiten, von der Qualität des Unterrichts und der guten Azubiförderung und -anleitung.

Eine relativ gute Bewertung erhielt vor allem die Kommunikation im Betrieb: Über 40 geben an, die klappt meistens, weitere 15 bewerten sie sogar als sehr gut. Auch bezüglich der Förderung im Betrieb sind die meisten recht zufrieden: Je ungefähr ein Drittel der Azubis gibt an, sehr gut gefördert, ein weiteres, gut gefördert zu sein, und nur ein weiteres Drittel sagt, es „könnte besser sein“.

Auch in Sachen Eigenverantwortung läuft es vielerorts gut: 25 Azubis können kleinere Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen, 28 fühlen sich sehr eigenverantwortlich – nur acht haben wenig eigenverantwortliche Aufgaben. Die jungen Leute haben aber auch hohe Erwartungen an einen TAG-Betrieb: Sie nennen eine breite und gute Ausbildung, auch fachspartenübergreifend, eine deutliche Unterscheidung zum „Normal“-Betrieb, beispielsweise durch mehr Seminare zu abwechslungsreichen Themen, das Angebot eines Betriebs-„Hoppings“ und von umfangreicher, hochwertiger Literatur.

Zufrieden mit ihrer Ausbildung im Gartenbau scheinen aber nicht alle TAG-Azubis zu sein: 15 geben an, ihre Wünsche an den Gartenbau seien voll erfüllt worden, 35 sagen, die Wünsche seien nur weitgehend erfüllt worden. Das könnte zum einen an den körperlichen Herausforderungen liegen: Das Gros sagt, der Beruf sei körperlich anstrengend trotz technischer Ausstattung, einige vermerken resigniert, dass eine Erleichterung der Arbeit durch technische Ausstattung im Betrieb „keinen interessiere“.

Auch das Thema Sicherheit im Pflanzenschutz war Gegenstand der Befragung: Viele der Jugendlichen werden in diesem Bereich (noch) gar nicht eingesetzt. Die, die es werden, geben an, die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen sei okay, könnte aber sorgfältiger sein, einige fühlen sich sogar unwohl, es mangele im Betrieb an Vielem. 13 Azubis fühlen sich sicher und gut geschult.

Sehr konkrete Verbesserungsvorschläge wurden von vielen Azubis geäußert: Sie wünschen sich regelmäßigeren Unterricht in ihren Betrieben, mehr Zeit zum Lernen, für Fragen und für das Berichtsheft. Die Absprachen und Arbeitsanweisungen sehen einige ebenso als verbesserungswürdig an wie das Betriebsklima. Kritisiert wurden von einigen zu viele Überstunden und das Fehlen eines Privatlebens in der Saison, die Vergütung und Punkte wie zu wenig Anerkennung/Lob, wenig Vorbereitung auf die Prüfung, keine kostenlose Arbeitskleidung und Lernmittel sowie eine zu wenig intensive Berichtsheftkontrolle. Außerdem gab es viel Kritik am Berichtsheft selbst: Es seien zu wenig Sachberichte gefordert, es sei zu umfangreich, es gebe zu wenig Hilfe dabei, die Tagesberichte seien unsinnig.

Die Azubis wurden nach ihren Ideen gefragt, wie man das Betriebsklima verbessern könnte. Aufgezählt wurden mehr Kommunikation, auch mal auf Wünsche eingehen, eine Vertrauensperson bestimmen, die schlechte Laune des Chefs nicht am Azubi auslassen, sich von der Einstellung zu lösen, Azubis oder Mitarbeiter seien immer Schuld. Zudem sollte man seine Mitarbeiter und Azubis nicht bloßstellen – und vor allem: loben!

Was machst Du nach Deiner Ausbildung? Auch das fragte die Berufsschullehrerin Yasemin Köster-Yavuz die Azubis. Das Gros (30) gab an, in der Fachsparte bleiben zu wollen, einige im selben Betrieb, einige wollen studieren. Traurig: 15 Azubis wissen noch gar nicht, was sie danach machen wollen, fünf geben explizit an, auf keinen Fall im Gartenbau bleiben zu wollen, und weitere drei Azubis wollen auf jeden Fall die Sparte wechseln.

Wanderjahre halten viele der Befragten für sinnvoll: Mehr als 30 würden gerne im Ausland Erfahrungen sammeln, mehr als 20 gerne verschiedene Betriebe im Gartenbau kennenlernen. Aber ganz so mobil zeigen sich einige dann doch nicht: Über 20 wollen auch in der Nähe ihrer Freunde bleiben. (kla)