Grüne Branche

TASPO Awards: Von innen und außen Silber

Der Azaleen- und Erikenvertrieb AEV Silber aus Ottersberg gewann im vergangenen Jahr bei den TASPO Awards 2010 den Preis in der Kategorie "Bester Internetauftritt". Die TASPO berichtet in der aktuellen Ausgabe 15/10, wie es dazu kam und welches Konzept hinter dem Online-Auftritt des Unternehmens steht.

Eine SMS mit der Botschaft „Wir haben ihn!“ verließ das Handy im großen Saal des Grand Hyatt Hotels am Potsdamer Platz in Berlin. Es war der 29. Oktober 2010, der Gala-Abend der fünften TASPO Awards.

Die Nachricht tippten Inid Schiller und Anke Bechtold in besagtes Handy. Sie informierten damit ihre mitfiebernden Mitarbeiter, dass sie soeben in der Kategorie „Bester Internetauftritt“ für die Darstellung ihres Unternehmens im Internet den GIA-Online-Award gewonnen haben. Die beiden Schwestern führen seit 2007 gemeinsam das Unternehmen für Heidekulturen AEV Silber in Ottersberg.

„Wir sind stolz auf unseren ersten TASPO Award. Zudem war es die Kategorie mit den meisten Bewerbungen, insgesamt 30“, sagt Inid Schiller rückblickend. Überzeugt hatte die fachkundige Jury die Selbstdarstellung im Internet, bei der Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten zu Wort kommen und einbezogen werden.

 

Unternehmenskultur auch nach außen kommunizieren

Die Aufgaben der Geschäftsführung, Gestaltung der Strategien, Investitionen und Finanzierung teilen sich Anke Bechtold und Inid Schiller. Bechtold ist zuständig für Verwaltung, Arbeitsmanagement und Personalführung, Schiller für Marketing und Verkaufsleitung.

Im Jahr 2007 übernahmen die Schwestern den Betrieb von ihrem Vater Hermann Silber. Mit dem neuen Führungsduo hielten auch frische Ideen und neuer Schwung Einzug.

„Was innerhalb des Unternehmens ist, das wollen wir nach außen kommunizieren“, sagt Anke Bechtold. Respekt, Offenheit, Ehrlichkeit, Kompetenz und Fairness, darauf legt das Unternehmen Silber Wert. Und der Internetauftritt spiegelt diese Werte wieder: Hinterlegte Organigramme dokumentieren Transparenz. Mitarbeiter geben ihre Einschätzung ab, teils kritisch.

Kunden und Lieferanten kommen zu Wort. Dabei gibt es nicht nur kollegiales Lob. Ein Kunde etwa wünscht sich „mehr Beweglichkeit bei der Bestellung“. Eine Rubrik namens Guckloch macht auf Veränderungen im Unternehmen aufmerksam und gewährt Einblicke in das Unternehmen.

Mit der Rubrik Karriere und eingestellten Stellenangeboten hat Bechtold gute Erfahrungen gemacht. Die Online-Stellenangebote haben bereits zu einigen guten Blindbewerbungen geführt, verrät sie. „Von allen Ecken hören wir positive Resonanz, etwa von den Bewerbern. Sie informieren sich über das Unternehmen bereits sehr viel über die Webseite.

Die englischsprachige Version der Seite kommt bei ausländischen Bewerbern und Kunden gut an. Einige neue Kunden erkannten uns auf der IPM, auf Besichtigungen oder bei Besuchen wieder, weil sie unsere Gesichter von der Internetseite her schon kannten.“

 

Schwieriges Wort für permanent praktizierte Motivation

„Ein offener und partnerschaftlicher Austausch ist uns wichtig“, sagt Anke Bechtold, „sowohl mit Kunden als auch mit unseren Mitarbeitern.“ Im Jahr 2003 hat Bechtold das sogenannte Partizipative Produktivitätsmanagement (PPM) im Unternehmen eingeführt.

Die damalige Beraterin der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Rita Wiesmann, half dabei. Unter PPM versteht man ein Frühwarnsystem mit stetiger Zielkontrolle und Produktivitätsverbesserung, in dem alle Mitarbeiter einbezogen sind. Anke Bechtold nennt es auch „Permanent Praktizierte Motivation“. Dieses System wird im Betrieb ständig weiter entwickelt und optimiert. Entwickelt wurde es in den USA unter dem Begriff Productivity Measurement and Enhancement System (ProMES).

„Im Rahmen des Produktivitätsmanagements führen wir regelmäßig Feedback-Gespräche mit unseren Mitarbeitern. Viele der derzeit 54 Mitarbeiter arbeiten seit langem bei uns, etwa Saisonkräfte. Sie müssen ins Team passen. Wenn es dort Schwierigkeiten gibt, reagieren wir und müssen dann auch konsequent sein.

Sonst leidet das ganze Team darunter und damit auch die Produktivität. Wir können den Betrieb nur so nach außen darstellen, wie wir die Unternehmenskultur auch wirklich leben. Beides muss stimmig sein. Daran arbeiten wir stetig.“

„Für unsere aktuellen Kataloge haben wir unsere Angestellten mit ins Boot geholt. Einige von ihnen sind im Katalog abgebildet und geben Statements ab. Etwa, warum sie bei uns arbeiten, worauf sie ihr Augenmerk legen und was ihnen dabei Freude macht“, erzählt Schiller, „für sie war es motivierend, ihnen hat das Fotoshooting viel Spaß gemacht. Wir möchten nach außen hin auch zeigen, wer hinter den Pflanzen steht und nicht nur die Ware an sich in den Vordergrund stellen“, so Schiller.

 

Von einer Visitenkarte zum Aushängeschild

Seit Januar 2008 ist der Internetauftritt von Silber neu gestaltet. Die vorherige Seite sei eher eine „Visitenkarte“ des Betriebes gewesen, so Schiller. „Wir hatten keine Lust auf eine Zwischenlösung und haben uns intensiv Gedanken gemacht, wie wir den Auftritt neu gestalten können.

Bis Ende 2008 habe ich zusammen mit unserer Grafikerin am Konzept gearbeitet und die Seite entwickelt. Dazu haben wir zunächst geschaut, wie es andere machen und uns anregen lassen.“ Inspiriert hat Schiller vor allem die Webseite von BMW. „Für die Erarbeitung der Sitemap haben wir einen Workshop besucht.“ Ein ortsansässiger Programmierer erstellte die Seite. Er kümmert sich auch um das Einpflegen von Bildern.

Texte können die Mitarbeiter bei Silber selbst austauschen. Im Winter findet eine komplette Überarbeitung der Webseite statt. Im Betriebsalltag ist eine Person hauptverantwortlich für die Seite und deren Pflege. Auf etwa zwei Tage pro Monat schätzt Schiller den Pflegeaufwand.

Künftig soll die Seite erstmal so erhalten werden, wie sie ist. Aufgefallen ist Schiller, dass Kunden zunehmend per E-Mail bestellen und die Seite nutzen. „Wenn ein Kunde anruft, kann ich ihn auf die aktuellen Angebotslisten auf unserer Seite aufmerksam machen.

So kann er während des Telefonats bereits nachschauen. Bestellscheine gibt es zum herunterladen“, erklärt Schiller. Eventuell soll der Bestellvorgang per E-Mail künftig komfortabler gestaltet werden. Ein Shop ist vorerst nicht geplant.

 


Wie Silber auf den TASPO Award kam

„Auf den TASPO Award aufmerksam gemacht hat uns unsere Beraterin der Landwirtschaftskammer. Sie sprach uns an und ermutigte uns zu einer Bewerbung“, erinnert sich Schiller, „eigentlich wollten wir uns mit den Heidi’s bewerben, haben uns aber kurzfristig umentschieden.“

Schiller war mit ihrer Familie gerade im Urlaub, als Anke Bechtold sich um die Bewerbung kümmerte: „2010 war mit dem heißen Sommer ein schwieriges Jahr für uns. Es war sehr viel zu tun und ich merkte, die Heidi’s krieg’ ich nicht mehr hin. Also bewarben wir uns mit dem Internetauftritt.

Gerade noch rechtzeitig, einen Tag vor dem Einsendeschluss, schickte ich die Bewerbung ab.“ Zeitlich sei die Bewerbung eher locker zu machen gewesen, so Bechtold.

„Zuerst dachten wir, dass die Awards etwas überzogen sind. Berlin, das Grand Hyatt und so weiter“, fasst Schiller ihre anfänglichen Bedenken zusammen. „Dann sagten wir uns, wir machen das jetzt einfach mit. Der Award und die Feier sind ja auch etwas Besonderes.“

Für beide sei es eine Erfahrung gewesen, wie sie es nennen. „Wir hatten nette Tischnachbarn und haben neue Kollegen kennengelernt, die wir wahrscheinlich so nicht getroffen hätten. Daraus sind einige neue Verbindungen entstanden“, sagt Bechtold. „Den TASPO Award zu gewinnen, war toll. Dass wir im Grand Hyatt übernachtet haben, war das i-Tüpfelchen obendrauf.

Wir fühlten uns wie Tante Frieda vom Land, die zum ersten Mal in einem Hotel übernachtet. Auf unserem Rückflug mussten wir beinahe einen Gepäckzuschlag zahlen am Flughafen, weil der Award in der Tasche so schwer wog. Die Bearbeiterin am Schalter drückte aber ein Auge zu.“

„Auch unsere Mitarbeiter haben sich sehr mit uns gefreut. Den Preis sehe ich eher als Gruppenleistung. Viele Menschen haben dazu beigetragen, etwa der Fotograf, die Grafikerin, der Programmierer und unsere Mitarbeiter“, sagt Schiller. Den Award nahmen Schiller und Bechtold Anfang des Jahres mit zur IPM nach Essen. „Viele Kollegen fragten, ob der wirklich so schwer sei und wollten ihn mal anheben“, freut sich Schiller, „das war schon schön.“

 

Der Azaleen- und Erikenvertrieb Silber in Ottersberg war im vergangenen Jahr Gewinner bei den TASPO Awards in der Kategorie „Bester Internetauftritt“.

Unterlagen für eine Bewerbung finden Sie unter www.taspoawards.de im Internet. Bis zum 20. Mai läuft die Einreichungsfrist für die TASPO Awards in diesem Jahr. Stöbern Sie einfach in den Ausschreibungsunterlagen.