Grüne Branche

TASPO-Umfrage: Frauentag im Westen noch schwach

Es bleibt ein Phänomen: Während nach der Wiedervereinigung in kürzester Zeit westliche Blumengeschenkanlässe wie Valentinstag und Muttertag im Osten Fuß gefasst haben, spielt der Internationale Frauentag (8. März) im Westen bis heute nur regional begrenzt eine Rolle, wie eine aktuelle Umfrage der TASPO bei Mitgliedern der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte (VDB) zeigt. 

Plakat des BGM Köln zum Frauentag. Werkfoto

„Durch die große Nachfrage aus Osteuropa gehen die Preise zwar nach oben, aber deutlichen Mehrumsatz bringt der Frauentag bei uns nicht“, meint etwa Herbert Kettermann, Geschäftsführer des Blumengroßmarktes Dortmund.

Diese Tendenz bestätigen auch der VDB-Vorsitzende Raimund Korbmacher aus Köln oder Hans-Georg Biller, Geschäftsführer des Blumengroßmarktes (BGM) in Mannheim. „Der Blumenfachhandel in unserer Region hat den Frauentag nicht angenommen, vielleicht, weil er so nah am Valentinstag liegt. Es wird gar nicht erst versucht, aus dem Frauentag etwas zu machen. Über die VDB bieten wir sogar kostenlose Plakate an, doch die Resonanz ist verbesserungswürdig“, hat Hans-Georg Biller festgestellt.

„Anders als der Valentinstag und der Muttertag, an denen viele Branchen teilhaben wollen und entsprechend breit werben, taucht der Frauentag als Geschenkanlass in der Öffentlichkeit nicht auf. Und die Blumenbranche hat doch alleine gar nicht die Möglichkeit, solch einen Tag zu etablieren“, sieht Herbert Kettermann einen Grund für das Desinteresse der Verbraucher.

Das ist im Osten Deutschlands ganz anders. „Der Frauentag wird intensiv beworben, von vielen Branchen, vor allem intensiv im Lebensmitteleinzelhandel“, weiß Bernd Koller aus Stralsund. Ihm ist aufgefallen, dass „wieder in mehr Firmen zum Frauentag Blumen verschenkt werden. Ich habe gerade erst einen Komplett-Auftrag der Stadtwerke Stralsund erhalten.“ Der Inhaber von 16 Filialbetrieben in der Region Stralsund hat bemerkt, dass immer mehr „Gastronomen den Tag mit entsprechenden Angeboten aufnehmen, der 8. März ist halt tief verwurzelt.“ Wobei die Blumengeschenktradition anscheinend in die jüngere Generation weiter gegeben wird. „Zum Frauentag kommen viele jüngere Kunden, die diese Tradition selbst gar nicht persönlich erlebt haben“, meint Victoria Salomon aus Halle/Saale.

Wie Bernd Koller stellt die ehemalige Blumenfee und Drittplatzierte der „Goldenen Rose“ 2012 fest, dass „der Frauentag nie weg war und seit einiger Zeit noch stärker wird. Es ist halt ein sehr breit gefasster Anlass, der Ehepaare, Freunde, Familien, den Kollegenkreis, eigentlich alle mit einbezieht. Verstärkt greifen auch Firmen wieder auf die Tradition zurück“. Wobei heute ihrer Erfahrung nach die „Nelke durch Gerbera, Rosen und Lilien ersetzt wird, es geht frühlingshaft zu, auch Pflanzarbeiten sind gefragt“. Der Einzelverkaufspreis ist dabei in der Regel höher als am Valentins- oder Muttertag. „Es geht los bei 20 Euro“, meint Victoria Salomon.

Bleibt die Frage: Kann es allein an fehlender Werbung liegen, dass sich der 8. März in vielen westlichen Regionen nicht durchgesetzt hat? Eine Antwort kann man vielleicht dort finden, wo die „kulturelle“ Grenze „Valentinstag versus Frauentag“ am prägnantesten war, in der „Frontstadt“, in Berlin, bei Winfried Damerius am Potsdamer Platz. „Ich weiß nicht, wie es in Charlottenburg ist, aber bei uns in Tiergarten und Wedding wird der 8. März immer stärker. Durch Privatkunden aber ebenfalls durch viele Firmen, der Tag hat an Anerkennung gewonnen“, meint der Geschäftsinhaber mit Sitz im Aufsichtsrat der Fleurop AG. Er verweist aber darauf, dass auch tief sitzende Traditionen einen regionalen Charakter haben können, der sich nicht so leicht verpflanzen lässt.

Doch ganz scheint der Westen noch nicht verloren zu sein. „Ich war bei meinen Gesprächen zum Frauentag selbst erstaunt, dass so viele Großhändler von deutlich spürbaren Mehrumsätzen zum Frauentag sprachen“, so Peter Rene Hecker, Geschäftsführer des Blumengroßmarktes Düsseldorf. Wie in Stralsund oder Halle/Saale, so auch in der Landeshauptstadt von NRW: „Viel Geschäft geht von den Firmen aus, die Mitarbeiterinnen werden beschenkt, die Kolleginnen. Da hat sich in den letzten vier Jahren Schritt für Schritt einiges getan.“ Wobei zu berücksichtigen ist: In der Landeshauptstadt und Handelsmetropole Düsseldorf leben und arbeiten etwa im Vergleich zu Dortmund oder Mannheim viele solvente Osteuropäer – und die zelebrieren den Frauentag regelrecht.

So auch in Frankfurt am Main. „In unserem Einzugsgebiet leben viele Osteuropäer, in Frankfurt selbst gibt es viele Gewerkschaftssitze. Unter anderem dadurch hat der Frauentag zu einer stärkeren Nachfrage nach Nelken und Rosen geführt“, berichtet Reiner Wilk, Geschäftsführer des Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt Rhein-Main eG (BZG) Frankfurt. Insbesondere Blumengeschäfte an Verkehrsknotenpunkten (Flughafen, Bahnhöfe) und in Büro-Lagen würden gute Umsätze machen. Sein Fazit: „Der Frauentag wird von Jahr zu Jahr stärker. In der Stadt Frankfurt ist er ein Verkaufshöhepunkt, doch vom Valentinstag und Muttertag noch weit entfernt. In ländlichen Regionen spürt man vom Frauentag gar nichts.“

Doch auch wenn in weiten Teilen der ehemaligen Bundesrepublik der Frauentag (noch) nicht zündet: Die Stimmung ist trotzdem gut, wie verschiedene Blumengroßmärkte allgemein zum Saisonstart ausführten. (mh)