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TASPO-Umfrage: Konkurrenz auf dem Friedhof?

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Herrscht zwischen den Gewerken Bestatter – Friedhofsgärtner – Steinmetz einvernehmliches Miteinander, oder nimmt der eine dem anderen „die Butter vom Brot“? Die TASPO hat bei Friedhofsgärtnern nachgefragt.

„Wir empfinden es bei unserer täglichen Arbeit so, dass die Bestatter ihre Tätigkeiten zunehmend auf den gärtnerischen Bereich ausweiten, zum Beispiel künstlicher Blumenschmuck als Leihgabe, und auch in anderen Bereichen rund um die Trauerfeier und Beisetzung immer dominanter auftreten“, erzählt Thomas Seppelfricke, Inhaber der gleichnamigen Friedhofsgärtnerei in Gelsenkirchen.

Friedhofsgärtner als Bestatter: nur sinnvoll bei entsprechender Ausbildung

„Allerdings entstehen dabei nicht selten Probleme, da die Kenntnisse über die örtlichen Gegebenheiten und die Vorgaben der Friedhofsverwaltung beziehungsweise Kirchengemeinden kaum bis gar nicht vorhanden sind. Leider sind dann oft die Angehörigen die Leidtragenden, da ihren Wünschen mangels rechtzeitiger Absprachen nicht entsprochen werden kann. Die Betätigung eines Gärtners als Bestatter kann daher ebenfalls nur sinnvoll sein, wenn eine entsprechende Aus- oder Fortbildung zugrunde liegt, da eben jedes Gewerk bestimmtes Wissen erforderlich macht.“

Florian Krause, Friedhofsgärtner und Bestatter in Eydelstedt Landkreis Diepholz, findet nicht, „dass die Bestatter den Gärtnern die Aufgaben wegnehmen. Denn aus meinen Gesprächen mit Hinterbliebenen erfahre ich immer wieder, dass Bestatter zu wenig erklären, was auf dem Friedhof alles möglich ist und was diese Leistungen kosten. So sehe ich immer wieder Tränen, wenn Angehörige beispielsweise erfahren, was ein gärtnergepflegtes Grab kostet, die Entscheidung aber für eine Grabanlage oder ein Rasengrab bereits gefallen ist.“

„Menschen sehen immer noch den Tischler als Bestatter“

Krause selbst hat zwölf Jahre nach seiner Gesellenprüfung die Bestatter-Ausbildung gemacht, um kompetent alles aus einer Hand anbieten zu können – und erlebt immer wieder, „dass Angehörige froh sind, in der Situation, in der sehr viel Vertrauen und Herzblut da ist, die anstehenden Aufgaben mit nur einer Person abwickeln zu können. Die Menschen sehen aber leider immer noch den Tischler als Bestatter und nicht den, der die Gräber öffnet und schließt und das Grab herrichtet.“

Thorsten Adrian, Inhaber der gleichnamigen Friedhofsgärtnerei in Bremen, ist grundsätzlich eher ein Freund von partnerschaftlicher Zusammenarbeit der verschiedenen Gewerke, wie er gegenüber der TASPO erklärt. „Wo immer möglich, sollten Gärtner, Bestatter und Steinmetze zusammenarbeiten. Für mich am liebsten auf ,empfehlender, provisionsfreier Basis‘. Bei provisionsfrei nehme ich aktive Verkaufsgespräche für andere Gewerke natürlich heraus, denn auch Beratung ist Arbeit und sollte honoriert werden.“

Steinmetz, Friedhofsgärtner und Bestatter können sich gegenseitig befruchten

Wo sich im Angebot bei einzelnen Gewerken Lücken auftun, kann natürlich auch ein Gärtner Bestattungsleistungen anbieten – oder umgekehrt, findet Adrian. „Wo solche nicht existieren, läuft man Gefahr, mit ungesundem Halbwissen viel Arbeit und wenig Ertrag zu provozieren. Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen: Wo Steinmetz und Gärtner und/oder Bestatter gemeinsam auftreten, befruchten sie sich gegenseitig. Das sollte nach meinem Verständnis das Ziel sein.“