Torfreduktion: Staudengärtner nehmen Herausforderung an

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger / TASPO Online

Christoph Hokema hat in seinem Staudenbetrieb den Torfanteil im Substrat bereits seit einigen Jahren reduziert. Foto: Klaus Bongartz

Die Umstellung auf torfreduzierte Substrate war Thema bei der BdS-Wintertagung. Berichtet wurde unter anderem über Versuchsergebnisse der Zierpflanzenbau-Testbetriebe im TerZ-Verbund. Daneben ging es um den ökologischen Nutzen von Stauden-Anpflanzungen, Pflanzversuche und Veränderungen bei Standort-Empfehlungen.

Ziel: Torfanteil bis 2030 um mindestens 30 Prozent reduzieren

Per Videokonferenz hielt der Bund deutscher Staudengärtner (BdS) im Zentralverband Gartenbau (ZVG) in diesem Jahr seine Wintertagung ab, dabei stand unter anderem der Einsatz von torfreduzierten Substraten im Fokus, wie der BdS im Nachgang der Veranstaltung informiert. „Wir Staudengärtner haben schon lange einen hohen Anteil von Torfersatzstoffen im Substrat eingesetzt. Die Herausforderung, bis 2030 den Torfanteil um mindestens 30 Prozent zu verringern, nehmen wir an“, habe der BdS-Vorsitzende Michael Moll dabei betont. Die von Katja Arndt, Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Hannover-Ahlem, bei der Wintertagung vorgestellten positiven Versuchsergebnisse der Zierpflanzenbau-Testbetriebe im TerZ-Verbund, hätten die BdS-Mitglieder dabei zuversichtlich gestimmt.

Betriebseigene Erfahrungen vor Substrat-Umstellung sammeln

Von teilweise besseren Wurzelbildern aufgrund einer besseren Drainierung sowie weniger Moosbildung in seiner Versuchsreihe mit Echinacea purpurea, Omphalodes, Lavandula und Festuca berichtete dem BdS zufolge auch Christoph Hokema, BdS-Vorstandsmitglied und mit dem Betrieb Fehrle-Stauden ebenfalls am Projekt TerZ („Einsatz torfreduzierter Substrate im Zierpflanzenbau“) beteiligt. Dem BdS zufolge hat Hokema die Substrate in seiner Staudengärtnerei bereits seit mehreren Jahren auf einen Torfanteil von 55 Prozent reduziert und wolle aufgrund der guten Versuchsergebnisse sein Substrat in dieser Saison sogar auf einen Torfanteil von lediglich 30 Prozent umstellen. Da dies einen genauen Blick auf die sehr unterschiedlichen Kulturen wie auch auf die Kostenstrukturen erfordere, habe Hokema seinen Kollegen geraten, vor einer Substrat-Umstellung zunächst betriebseigene Erfahrungen zu sammeln.

Vortrag zum ökologischen Nutzen von Stauden-Anpflanzungen

Um den ökologischen Nutzen von Stauden-Anpflanzungen ging es bei Axel Heinrich, Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der auf der BdS-Wintertagung über das Projekt der Hochstaudenfluren am Züricher Turbinenplatz berichtete. Wie der Bund deutscher Staudengärtner ausführt, habe Heinrich dazu eine Auswahl von Stauden gezeigt, die lange Trockenphasen mit punktuellen Überflutungen über 24 Stunden überstehen könnten. Bereits nach einem Jahr hätten sie die Fläche komplett abgedeckt und nach acht Jahren Versuchszeitraum eine konstante, über den Jahresverlauf hinweg schmückende und pflegeleichte Stauden- und Geophyten-Gemeinschaft gezeigt. so der BdS.

Phlox nicht mehr sonnige Standorte zu empfehlen

Darüber hinaus befasste sich ein Online-Vortrag bei der BdS-Wintertagung mit Veränderungen bei Standortempfehlungen. Wie Prof. Dr. Bernd Hertle von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf dabei erklärt habe, sei Phlox durch die zunehmende Trockenheit und Hitze nicht mehr für sonnige Standorte, sondern vornehmlich für halbschattige Standorte am Waldrand zu empfehlen – Hitzestress führe bei Phlox demnach zu erhöhten Ausfällen. Wie der Vorsitzende des BdS-Arbeitskreises Staudensichtung weiter ausgeführt habe, würde die Bewertung des Phlox-paniculata-Sortiments heute ebenfalls anders ausfallen.

Versuche zur Bepflanzung von Regenwasser-Versickerungsanlagen geplant

Prof. Cassian Schmidt, Leiter des Arbeitskreises Pflanzenverwendung und des Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim, habe dem BdS zufolge schließlich komplexere Versuche zur Bepflanzung von Regenwasser-Versickerungsanlagen angekündigt. Als Bepflanzung von Mulden-Rigolen-Systemen bestens bewährt hätten sich beispielsweise Wechseltrockenheit tolerierende Stauden, da sie die Biodiversität stark erhöhen, Insekten als Nahrungspflanzen dienen, durch die Bewurzelung auch die Drainierung begünstigen und zusätzlich durch Transpiration das Umfeld kühlen würden. Schmidt habe bei der Wintertagung zudem neue Konzepte aus kombinierten Pflanzungen mit Stauden und Gehölzen vorgestellt, bei denen die gut austriebsfähigen Gehölze mit farbigem Laubwerk in unterschiedlichen Schnitthöhen regelmäßig verjüngt werden, berichtet der BdS.