Grüne Branche

„Torfreduzierung braucht passende Voraussetzungen“

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Bei aller Diskussion und Kritik an Torfabbau und der Torfverwendung ist es wichtig, auch einmal die andere Seite zu beleuchten: Die Unternehmen, die seit Generationen vom Torfabbau leben – sich gerade deshalb sehr aktiv um das Thema Torfersatz bemühen und sehr verantwortungsvoll mit der Problematik umgehen. Die TASPO besuchte das Torfwerk Moorkultur Ramsloh.

Gedämpfter Rohtorf: Das Torfwerk gibt Torfmengen nicht unter einer Lkw-Füllung ab. Foto: Klawitter

Gesellschafterwerk der Floragard Vertriebs-GmbH

Es seien hier Stichworte wie Wiedervernässung und Renaturierung von Abbauflächen, die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und das Erforschen von neuen, nachhaltigeren Anbauverfahren wie der Paludikultur genannt. Ein solches Unternehmen, das in den genannten Richtungen sehr aktiv unterwegs ist, ist das Torfwerk Moorkultur Ramsloh in Saterland, ein Gesellschafterwerk der Floragard Vertriebs-GmbH. Gartenbauingenieurin Silke Kumar ist Enkelin des Gründers, Prokuristin und zuständig für Qualitätsmanagement, Controlling sowie Forschung und Entwicklung. Haupteinkommensquelle des Werkes ist die Gewinnung vor allem von Schwarztorf von eigenen Torfflächen. Es arbeitet den Torf auf und vermarktet ihn entweder als Rohtorf oder als Substrat mit Zumischungen, vor allem mit Holzfasern, Kokosmark und Kompost.

„Aktuelle Zahlen zum Torfabbau gibt es fast nicht“

Silke Kumar steht der Torfersatzdiskussion sehr kritisch gegenüber, begründet das mit Sachargumenten: Torfnutzungsbedingte CO2-Emissionen verursache nun einmal vor allem die land- und forstwirtschaftliche Nutzung. Bei den Emissionsberechnungen werde viel mit veraltetem Zahlenmaterial gearbeitet (siehe dazu auch TASPO 39/20). Aktuelle Zahlen zum Torfabbau gibt es laut Kumar, die übrigens auch Sektionsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde (DGMT) ist, nur aus dem Landkreis Emsland, alle anderen Zahlen, vor allem Flächenangaben, mit denen beispielsweise das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) argumentiere, seien mehr als 20 Jahre alt. Ein Dilemma übrigens, das schon seit Jahren beanstandet wird.

Problem: Kunststoffanteile in Komposten

Ein Fokus des Werkes liegt auf der eigenen Herstellung von Torfersatzstoffen. So produziert es seit zwei Jahren in einem speziellen Retruder-Verfahren eigene Holzfaserprodukte: In Naturfarbe für den Erwerbsgartenbau, mit natürlichen Stoffen gefärbt für den Hobbybereich, der helle Beimischungen nicht akzeptiert. Spannend zu sehen ist, dass die Torfaufbereitung und Beimischung von Zuschlagstoffen heute vollautomatisch mit sehr wenig Manpower erfolgt. Komposte bezieht das Torfwerk bisher aus einer einzigen, wirklich verlässlichen kommunalen Quelle. Aber selbst bei diesem zertifizierten Qualitätsmaterial kann Silke Kumar ein großes Problem gleich sichtbar machen: In dem aufgearbeiteten Material finden sich oft Plastikbeimischungen, die beispielsweise beim Grünschnitt in Parks mit hineingelangen können. Um dies zu umgehen und um unabhängiger von der geringen Verfügbarkeit im Bereich Komposte zu werden, baut das Torfwerk nun eine eigene Kompostproduktion auf. Das Schnittgut dafür soll vorrangig aus eigenem extensiven Feuchtgrünland, zudem von Grünabfällen von der Gemeinde stammen.

Grenzwerte seien für Torfersatz- und Biosubstrate schwer einhaltbar

„Torfreduzierung braucht einfach die passenden Voraussetzungen“, sagt Silke Kumar. Die strengen, ans Lebensmittelrecht angelehnten Grenzwerte seien für Torfersatz- und Biosubstrate schwer einhaltbar. In die Erarbeitung der Vorgaben seien die Verwender aus der gartenbaulichen Praxis zu wenig einbezogen worden, bedauert sie. Außerdem gebe es länderspezifisch zu große Unterschiede bei den Grenzwerten und Vorgaben.

Den kompletten Bericht des Besuchs im Torfwerk Moorkultur Ramsloh lesen Sie in TASPO Ausgabe 40/2020, die in unserem Shop erhältlich ist.

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