Grüne Branche

Tragischer Unfall

"Er hatte keine Chance" steht auf einem Holzkreuz in der Nähe der Unfallstelle nahe der Erfurter Thomaskirche. Fabian Winkler (18. 9. 1984 bis 27. 6. 2005), angestellt beim Garten- und Friedhofsamt, erhielt an diesem 27. Juni den Auftrag, Baumkronen entlang einer 15.000 Volt-Oberleitung der Bahn auszuästen. Sachgebietsleiter Peter W. hatte den Auftrag entgegengenommen, Helmut S. leitete die Arbeiten ein. Ist da Strom drauf, hatte Winkler noch seine älteren Kollegen gefragt. Deren Rat: Vorsichtig arbeiten. Beide hatten ein Handy dabei. Ein Anruf hätte genügt und der Strom wäre abgeschaltet worden. Aber niemand rief an. So nahm das Verhängnis seinen Lauf. Winkler kam über einen Zweig mit der Leitung in Kontakt. Er hatte keine Chance. Das Amtsgericht verhängte wegen grober fahrlässiger Tötung für beide Angeklagten eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie eine Zahlung von 3.500 Euro an das Kinderhilfswerk. Winklers Eltern, sie betreiben in Erfurt einen Baumpflegedienst, waren fassungslos. Niemand hatte sich bei ihnen wegen des schlimmen Fehlers entschuldigt. Einer der Angeklagten sei sogar befördert worden.

Nun vor dem Landgericht wurde dem Antrag der beiden Angeklagten auf -Strafmilderung stattgegeben. Begründung: Ungeklärte Kompetenzfragen im Garten- und Friedhofsamt. Der Sachverhalt "grob fahrlässige Tötung" bleibt, Peter W. muss nun 3.000 Euro zahlen und Helmut S. 2.000 Euro. Beide entschuldigten sich bei den Eltern. Die sind nicht zufrieden mit der Strafmilderung, mit dem Urteil könne man aber leben. Wichtig finden sie, dass während des Prozesses Verantwortlichkeitsquerelen im Garten- und Friedhofsamt zutage befördert wurden.