Grüne Branche

Traumberuf Gärtnerin: „Es war die richtige Entscheidung“

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Als jahrgangsbeste Gärtnerin in Rheinland-Pfalz schloss Alexa Kron in diesem Jahr ihre Ausbildung ab. Dabei wollte die gelernte Maßschneiderin ursprünglich als Designerin in der Modewelt Fuß fassen. Wir sprachen mit der jungen Frau über ihre Beweggründe für den Branchen- und Berufswechsel.

Alexa Kron (2. v. l.) wollte „etwas Sinnvolles“ mit ihrem Leben machen und sattelte von der Maßschneiderei auf ihren „Traumberuf Zierpflanzen-Gärtnerin“ um. Gelernt hat sie zusammen mit Christina Hoffmann (2. v. r.) im Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen der Stadt Koblenz. Mit im Bild: Werkleiter Andreas Drechsler (l.) und Ausbilder Winfried Mathy. Foto: Stadt Koblenz

Was waren Ihre Gründe für den Wechsel von der Maßschneiderin zur Zierpflanzen-Gärtnerin?

Seit ich neun bin, wollte ich Modedesignerin werden. Ich konnte gut malen, war kreativ und der Beruf war schwer im Trend. Mein Ziel stand fest! Dass mich eventuell ein anderer Beruf glücklicher machen könnte, stand für mich nicht in Frage. Beruflich gesehen habe ich daher nie ernsthaft mal nach links oder rechts geblickt und bin stur meinen Weg geradeaus gegangen. In der Ausbildung zur Maßschneiderin hat sich dann gezeigt, dass zwar das Talent da war, aber nicht die Leidenschaft. Die Modebranche war nicht meine Welt und ich hatte nicht das Gefühl, etwas Sinnvolles mit meinem Leben zu machen.

Ich stellte mir eines Tages die Frage: „Was würde ich machen, wenn ich jetzt nochmal von vorne anfangen könnte?“. Sofort war mir klar, dass Biologie immer mein zweites Steckenpferd war. Zwar kam Gärtner für mich auch schon sehr früh in Frage, aber ich dachte, dass es besser wäre, durch ein Studium karrieretechnisch aufzusteigen. So holte ich erstmal mein Abitur nach und ging an die Uni. Ich studierte fast drei Semester Geowissenschaften (da bei Biologie die Berufschancen sehr schlecht schienen) und merkte dann, dass Studieren aus diversen Gründen einfach nicht das Richtige für mich ist.

Und so beschloss ich dann doch meinen anderen Plan in die Tat umzusetzen: Ich würde Gärtnerin werden! Zwar rieten mir viele davon ab, da sie Angst hatten, ich würde unterfordert sein, aber so wie es bisher aussieht, war es die richtige Entscheidung.

Was sind Ihre Argumente für den „Traumberuf Zierpflanzen-Gärtnerin“?

In welcher Fachrichtung ich abschließen würde, war für mich eigentlich egal. Ich wollte einfach was mit Pflanzen zu tun haben. Letztendlich war die Richtung Zierpflanzenbau genau das Richtige, da man sich hier ein sehr umfangreiches Pflanzenwissen aneignen kann. Hier lernt man, wie sensibel das Ökosystem ist und welche Wechselwirkungen äußere Einflüsse hervorrufen können.

Es ist spannend, wie viel man berücksichtigen muss, um gesunde und schöne Pflanzen zu erhalten. Und es ist unglaublich befriedigend zu sehen, wie etwas aus einem kleinen Samenkorn zu einer riesigen Pflanze wachsen kann. Wie schön es ist, wenn die ersten Blüten an frischgetopften Jungpflanzen aufgehen und dass es selbst im Winter grün und teilweise bunt um einen herum ist. Auch Kleinigkeiten, wie dass auch schon mal ein Vogel im Lorbeerstrauch nistet oder sich eine Biene beim Gießen auf die Hand setzt und einfach nicht wegfliegen will. Und dass man ständig an der frischen Luft im Hellen ist und sich viel bewegt, wirkt sich unglaublich gut auf den Gemütszustand aus. Das Schöne ist auch, dass man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat.

Wie ist es nach dem Abschluss für Sie weitergegangen und wo arbeiten Sie jetzt?

Ich arbeite weiterhin bei der Stadt, aber nun im Straßenbegleitgrün. Mit meiner Fachrichtung hat das nicht so viel zu tun, aber ich finde es gut, dass ich die Möglichkeit bekomme, auch in diesem Bereich meine Kenntnisse zu erweitern.

Was macht Ihnen bei der Arbeit besondere Freude?

Besonders freue ich mich über den Vorher-Nachher-Effekt. Ganz gerne arbeite ich mit Freischneider, Akkuheckenschere und in der Staudenpflege.

Was sind eher unangenehme Arbeiten?

Eigentlich war nur ein Tag besonders schlimm… Der Tag an dem ich die Fäkalien von Fernfahrern vor dem Mähen aufsammeln musste. Dagegen sind Hundehaufen nur noch halb so schlimm. Abgesehen davon, arbeite ich nicht so gerne mit der Stabheckenschere, weil diese wirklich schwer ist.

Womit sind Sie zurzeit beschäftigt?

Zurzeit werden verschiedene Grünflächen in unserem Bezirk wieder sauber gemacht, indem zum Beispiel Hecken und Büsche geschnitten, Rasen gemäht und Wildkräuter entfernt werden. Zuletzt haben wir außerdem in der Innenstadt insektenfreundliche Staudenbeete angelegt.

Was würden Sie gerne langfristig verändern?

Ich würde mir wieder etwas mehr Kreativität bei meiner Arbeit wünschen. Des Weiteren würde ich gerne Aufklärungsarbeit leisten, damit sich mehr Menschen für den Grünen Beruf begeistern.

Was bedeutet der Gartenbau für Sie?

Der Gartenbau ist ein wichtiger Teil in der Gesellschaft, sodass ich mich gut fühle, bei dem was ich tue. Ich trage dazu bei, dass die Städte grün sind, dass sich Menschen an Pflanzen erfreuen können und ein allgemeines Wohlbefinden zu schaffen. Die Fachrichtungen Obst- und Gemüsebau sorgen zusätzlich dafür, dass Menschen gesunde Nahrung auf den Tisch bekommen. Zudem kann ich mit meinem Wissen in der Gesellschaft ein Bewusstsein für Natur und Nachhaltigkeit schaffen.