Grüne Branche

Traumjob Pflanzenscout: „Was mich antreibt, ist die Branche selbst“

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Peter van Rijssen hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Als Pflanzenscout beziehungsweise Marketing und Sales Manager, so die offizielle Berufsbezeichnung, vertritt er bei Plantipp die Interessen von Züchtern und ihren Pflanzen. Wir sprachen mit dem 32-jährigen Niederländer über die Entdeckung neuer Züchtungen, aktuelle Projekte und langfristige Visionen.

Peter van Rijssens Herz schlägt für neue Pflanzen-Sorten und deren Züchter. Foto: Plantipp

Peter, was ist Plantipp und was macht Plantipp?

Plantipp vertritt die Interessen von Züchtern und ihren Pflanzen mit dem Ziel, neue Sorten zu schützen und dafür bestmögliche Lizenzgebühren zu erzielen. Das Unternehmen wurde 1994 von meinem Vater gegründet. Er war selbst Züchter und hatte die weltweit erste Mini-Gerbera gezüchtet. Die Firma, für die er arbeitete, versprach ihm Anteile an der Lizenzgebühr, hat ihr Versprechen aber nicht gehalten. Aus dieser Erfahrung heraus hat mein Vater Plantipp gegründet.

Heute vertreten wir Züchter aus Europa, Australien, Kanada, Neuseeland, Japan, Südkorea, China, Israel und Südafrika und verwalten über 250 Pflanzensorten. In den USA übernimmt das unsere 2007 gegründete Schwesterfirma Concept Plants. Meine Schwester und ich sind gerade dabei, das Unternehmen von unseren Eltern zu übernehmen. 2020 wird die Unternehmensnachfolge abgeschlossen sein.

Wie entdecken Sie neue Züchtungen?

Züchter schlagen uns ihre neuen Sorten vor. Meistens beginnt unsere Arbeit mit einem Foto der vorgeschlagenen Pflanze. Da die Qualität der Bilder oft nicht besonders gut ist, hilft eine begleitende Beschreibung der Neuzüchtung und ihrer Vorzüge. Auf dieser Basis analysieren wir, wie viel Chancen die neue Sorte auf dem Markt hat und entwickeln anschließend eine Vermarktungsstrategie. Dazu gehört auch, die Meinung etwa von Produzenten sowie Fachhändlern zu der neuen Sorte einzuholen.

Darüber hinaus geben wir Unternehmen die Chance, ihre neuen Pflanzen auf der Chelsea Flower Show vorzustellen – mit dem Ergebnis, dass wir in den vergangenen sechs Jahren dort viermal den Titel  „Pflanze des Jahres“ gewonnen haben, unter anderem mit Hydrangea ‘Miss Saori’ (2014) oder in diesem Jahr mit Sedum ‘Atlantis’.

Wie sind Sie zum Beruf gekommen?

Vor elf Jahren habe ich mich entschlossen, in das Unternehmen einzusteigen, obwohl ich noch keinerlei Erfahrung im Gartenbau hatte. Also bin ich nach Neuseeland gegangen, um in einer Baumschule sowohl den Gartenbau kennenzulernen als auch die englische Sprache zu lernen. Nach meiner Rückkehr stand für mich fest, dass ich in der Grünen Branche weiterarbeiten wollte.

Was mich antreibt, ist die Branche selbst. Ich bin umgeben von glücklichen Pflanzen-Liebhabern und es ist schön, mit ihnen zu arbeiten. Außerdem ist es ein unglaubliches Erfolgserlebnis, wenn die Verbraucher eine Neuheit akzeptieren, die ich bei einem Züchter entdeckt habe. Das lässt mein Herz höher schlagen.

So war es beispielsweise bei Sedum ‘Atlantis’, die ich vor einigen Jahren bei einem Züchter in Michigan entdeckt habe. Auf mein Angebot, ihn in Europa zu vertreten, reagierte er zunächst zögerlich. Nach einiger Zeit entschlossen wir uns, ‘Atlantis’ auf der Chelsea Flower Show zu präsentieren, wo wir in diesem Jahr den Titel als „Pflanze des Jahres“ gewonnen haben. Dadurch ist das Interesse an der Neuzüchtung enorm gestiegen und wir konnten einen neuen Markt dafür erschließen.

Sie reisen um die ganze Welt. Wo sind Sie am liebsten?

Japan ist mein Lieblingsland. Die Kultur ist völlig anders. Dort ist das Alter am wichtigsten und die Menschen richten sich nach der älteren Generation aus. Ich denke, das fehlt uns in Europa. Außerdem ist das Essen immer einzigartig.

Was möchten Sie langfristig ändern?

Ich möchte, dass die gesamte Branche erkennt, dass Züchter für eine neue Sorte manchmal mehr als zehn Jahre brauchen, ohne dafür bezahlt zu werden. Viele Menschen in der Branche wissen nicht, wie viel Arbeit ein Züchter in die Entwicklung einer neuen Sorte investiert. Wer sich über die Höhe von Lizenzgebühren beklagt, sollte das aber wissen.

Was ist Ihr aktuelles Projekt?

Ein spannendes Projekt sind die Sempervivum Chick Charms. Momentan werden Sempervivum von Produzenten und Käufern als Billigware empfunden. Unsere neue Kollektion aber bietet erstklassige Sempervivum-Sorten. Mit ‘Chick Charms Gold Nugget’ haben wir auf der IPM in Essen den Preis als beste Neuheit gewonnen. Jetzt sind Hunderttausende für den Verkauf im kommenden Jahr reserviert, das Projekt hat einen guten Start hingelegt.

Wo viele Unternehmen auf dem richtigen Weg sind, trete ich lieber beiseite, um den nächsten neuen Markt zu erschließen – so, wie wir es mit Chick Charms machen.