Grüne Branche

Trend: Thermische Bodenbehandlung

Im Spätherbst 2016 konnten wir Ihnen in Heft 11 der Deutschen Baumschule unter der Überschrift „Mit Volldampf zur Lösung“ zwei Dämpfsysteme vorstellen, die im Baumschulbereich und im Feldgemüsebau eingesetzt werden. Diese wurden weiter entwickelt, beziehungsweise neue Anbieter stellen sich vor, um durch das Dämpfen von gärtnerischen Kulturflächen deren Leistungsfähigkeit zu erhalten. In der Dezember-Ausgabe der Deutschen Baumschule haben wir dieses Thema noch einmal aufgegriffen. Wir berichten unter anderem nachfolgend auch über das Forschungsprojekt „Thermische Bodenbehandlung“.

Ein „Haubendämpfer“ ist auch auf Baumschulflächen von Ralph Lüdemann (Hollenstedt) im Einsatz. Rund 40 Besucher, darunter überwiegend Forstbaumschuler, waren einer Einladung im Rahmen des EIP-Projekts (Europäische Innovationspartnerschaft) gefolgt, um sich im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt „Thermische Bodenbehandlung“ über die Haubendämpfung und erste Praxiserfahrungen im Baumschulbereich zu informieren und zu diskutieren.

Die beiden Forstbaumschulunternehmen Ralph Lüdemann (Hollenstedt) und Franz Lüdemann (Pinneberg) haben in ein Gerät investiert, das für den Einsatz im Gemüsebau entwickelt wurde und dort erfolgreich läuft. Das zweite Gerät, das nunmehr im Baumschulbereich eingesetzt wird, wurde an die dortigen Bedürfnisse angepasst: Die automatische Steuerung (Radar, Kamera, Spurläufer) wurde verbessert, die Maße der drei Dämpfhauben (4 x 1,50 m) auf die Arbeits- und Saatbeetbreite der beiden Forstbaumschulen ausgerichtet. Das Gerät, das im Anhängerbetrieb auch über eine Straßenzulassung (40 km/h) verfügt, ist technisch geprüft und von den zuständigen Genehmigungsinstitutionen und -behörden abgenommen.

Zielvorstellung: 24 Stunden im Einsatz
Die Witterung am Tag der Vorführung (12. Oktober) war nicht ideal: Der Boden war zu feucht, um eine Bodendämpfung bei optimaler Energieausbeute durchführen zu können. Ideal ist eine Bodenfeuchte von 30 Prozent, um das Ziel, den Boden bis in 10 cm Tiefe auf 90° C in möglichst fünf Minuten aufzuheizen, zu erreichen.

In Abhängigkeit von Bodenstruktur, Feuchtigkeit und Bodentemperatur kann sich die Behandlungszeit pro Dämpfvorgang bis auf zehn Minuten erhöhen. Mit einem Dampfintervall können brutto 18 m² Kulturfläche behandelt werden. Das bedeutet, dass die Maschine zur Dämpfung eines Hektars 250 mal den Standort wechseln muss. Um dies optimal erledigen zu können, ist das Gerät mit einer umfangreichen Steuerungstechnik ausgerüstet, die auch einen vollautomatischen Betrieb ermöglicht. Voraussetzung hierfür ist – unter Berücksichtigung der vorhandenen Bodenstruktur – eine exakte Vorbereitung der zu dämpfenden Flächen, in diesem Fall der Saatbeete.

Neben der Aufbereitung der Kulturflächen ist der Mensch noch beim „Spurwechsel“ und beim Wenden des Haubendämpfgeräts gefordert. Unter Zuhilfenahme einer Fernbedienung kann dies in gut zehn Minuten erfolgen. Hier zeigte sich, dass der Vorgang schneller geht, wenn zwei Personen zur Verfügung stehen, um etwa die Wasserversorgung und die Abdeckung der gedämpften Flächen auch nach dem Wenden des Geräts zu sichern.

Ziel ist aber, der Maschine nur eine Arbeitskraft zur Seite zu stellen: Um den menschlichen Arbeitseinsatz weiter straffen und optimieren zu können, sollen künftig Meldungen des Dämpfgeräts, die das Ende der zu bearbeitenden Saatbeete oder Störungen in der Wasser- und/oder Brennstoffversorgung anzeigen, auf Basis einer Steuerungs-App mit SMS-Nachrichten auf bis zu 16 Smartphones übertragen werden können. „Ich wünsche mir, dass das Gerät zukünftig möglichst 24 Stunden am Tag in Aktion ist!“, so Ralph Lüdemann.

„Es ist leichter, innovativ zu sein, wenn man Partner hat, mit denen man sich im Hinblick auf den gesamten Entscheidungsprozess, wie in diesem Fall, fachlich auf Augenhöhe austauschen kann“, so Ralph Lüdemann.

Mit Mut investieren und weiter denken!
Es war keine leichte Entscheidung, das weltweit erst zweite Gerät seiner Art (Investitionskosten von rund 300.000 Euro) zu bestellen. Auch wenn diese Summe auf zwei Unternehmen aufgeteilt wird, bedarf es innovativer und mutiger Unternehmer, um diesen Schritt zu wagen.

Mit Gesamtbetriebskosten von etwa 6.000 bis 7.000 Euro pro Hektar ist der Aufwand, etwa bezogen auf den früheren Basamid-Einsatz, nahezu identisch. Die hohen Investitionskosten fordern die Unternehmen jedoch in zusätzlicher Weise. Dr. Lösing/HGS


Erfahren Sie noch mehr über die thermische Bodenbehandlung in Ausgabe 12/2017 Deutsche Baumschule.



Eckdaten zum Dampfgerät MSDZ-1

Entwicklung und Herstellung:
MSD – www.moeschle.de
Zeyer Agrarsysteme – www.zeyer.biz
Bert Hauenstein, QualiPlant – www.qualiplant.ch
Einsatz: im Feldgemüseanbau und in Forstbaumschulen
Gewicht: im Straßenverkehr ca. 9,0 t, im Betrieb: ca. 11,5 t
Maße: Länge: 9,35 m, Breite: 2,42 m, Höhe: 3,95 m
Fahrspur: ca. 1,50 ( 2,00 ) m
Straßenzulassung: im Anhängerbetrieb bis 40 km/h
Motorisierung: TD 2,9 L4 Deutz-Dieselmotor, 75 PS/55,4 kW als Antrieb für einen Stromgenerator und für die Fahrt im Dämpfbetrieb
Verbrauch: 150 Liter pro ha
Steuerung: EDV-unterstützt unter Einsatz unter anderem von Radar, Kamera und Spurläufer
Dampferzeugung: Der Niederdruck-Dampfkessel S750, der automatisch nivelliert wird und den Betrieb auf einem Gelände mit bis zu 7° Neigung zulässt, ist nach aktuellen EU-Normen zertifiziert.
Erwartete Betriebsdauer: über 38.000 Stunden. Der Dampf wird zur besseren Wärmeleitung im Boden bis auf 200°C überhitzt. Gearbeitet wird mit einem Dampfdruck von 0,25 bis maximal 0,5 bar, um den Prüfaufwand durch Dritte zu minimieren.
Heizöltank: 1.600 Liter
Verbrauch: 3.500 bis 5.000 l/ha, je nach äußeren Bedingungen
Wasserversorgung: 500 m Wasserschlauch auf Trommel, Anschluss an öffentliches Leitungsnetz, Achtung: hohe Anforderungen an die Wasserqualität!
Verbrauch: etwa 45 m³/ha, vorgeschaltete automatische Entkalkungsanlage zur Wasseraufbereitung
Wartung: problemlos, tägliches Abschlämmen des Kessels notwendig, jährliche Inspektion des gesamten Hauben- dämpfers empfohlen. Die hierfür zu veranschlagenden Kosten werden auf maximal zwei Prozent der Investitionssumme beziffert.HGS