Trockenheitsverträgliche Pflanzen: Kakteen fürs Freiland

Veröffentlichungsdatum: , Edgar Gugenhan

Opuntie im Kakteengarten der Stuttgarter Wilhelma. Foto: Edgar Gugenhan

Normalerweise zählen Kakteen zu den Pflanzen, die in Wohn- und Geschäftsräumen ihren idealen Standort haben. Es gibt aber auch eine gewisse Anzahl, die bei uns in Mitteleuropa im Freien kultiviert werden kann. Gerade für solche Gattungen und Sorten interessieren sich immer wieder Pflanzenfreunde.

Kakteen brauchen bestimmte klimatische Voraussetzungen

Grundsätzlich zählen Kakteen zu den sogenannten Sukkulenten. Dieses Wort wird abgeleitet aus dem Lateinischen, wobei sucus „Saft“ beziehungsweise succulentus „saftreich“ bedeutet. Das Besondere bei Sukkulenten ist, dass sie einerseits die Fähigkeit haben, Wasser zu speichern, und andererseits die Verdunstung einschränken können. Sukkulenz ist also ein biologischer Begriff und weist darauf hin, dass die jeweiligen Pflanzen ein saftig-fleischiges Wasserspeichergewebe ausbilden. Kakteen als Sukkulenten müssen deshalb unter bestimmten klimatischen Voraussetzungen kultiviert werden. Auffallend bei ihnen ist auch, dass sie vielfach Dornen ausbilden, die eigentlich reduzierte Blätter darstellen, und auf diese Weise die Verdunstung stark verringert wird.

Mindestens 90 Prozent nicht winterhart

Diese Ausbildungsformen hängen mit den klimatischen Bedingungen in der Heimat der Kakteen zusammen, die überwiegend in tropischen Zonen zu Hause sind. Deshalb ist bei der Mehrzahl die Kultur im Freiland unter europäischen Klimaverhältnissen nicht möglich – mindestens 90 Prozent der Kakteen sind nicht winterhart. Ausnahmen gibt es jedoch, wobei zu den winterharten Kakteen vor allem die Feigenkakteen der Gattung Opuntia zählen. Diese Pflanzengattung ist mit vielen Arten in Süd- und Mittelamerika heimisch, wobei es beispielsweise in Mexiko Arten geben soll, die über 200 Jahre alt werden.

Wüstenidyll in Stuttgart mit rund 2.000 Arten und Sorten

Im Botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart spielen Kakteen und Sukkulenten schon seit Jahrzehnten eine große Rolle. Rund 2.000 Arten und Sorten werden vor und hinter den Kulissen kultiviert. 2019 entstand die Idee, direkt am Haupteingang – sozusagen als Aushängeschild – ein kleines „Wüstenidyll“ zu schaffen. 70 Pflanzenarten und -sorten wurden ausgewählt und in einer speziell auf die Bedürfnisse der Sukkulenten ausgerichteten Anlage ausgepflanzt.

Dauerausstellung in der Wilhelma ganzjährig geöffnet

Da Kakteen und auch andere Sukkulenten keine nassen Standorte vertragen, wurde dieser Kakteengarten in einer leichten Hanglage installiert. Außerdem sorgt eine Drainage aus grobem Kies für einen zügigen Ablauf des Regenwassers. So haben sich innerhalb eines Jahres die Sukkulenten optimal entwickelt, den Winter gut überstanden und sogar im Sommer 2021 mit vielen Exemplaren schon optimal geblüht. Das Wüstenidyll im Eingangsbereich der Wilhelma ist eine Dauerausstellung und kann ganzjährig besichtigt werden.