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Trockenstress: Gewinner-Bäume nach dem Hitzesommer

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Wie gut sind Straßenbäume mit dem Trockenstress in diesem Jahr zurechtgekommen? Die mittel- und langfristigen Auswirkungen des Hitzesommers 2018 werden sich in den nächsten Jahren offenbaren. Erste Momentaufnahmen aus seinem Einsatzgebiet präsentierte Dennis Hintze, Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung vom Stadt- und Landschaftspflegebetrieb Halberstadt, bereits jetzt.

Sollen Bürger in Hitzeperioden, wie etwa in diesem Sommer, Straßenbäume gießen? Dazu gibt es geteilte Meinungen. Foto: Pixabay

Gewinner und Verlierer im Hitzesommer 2018

Hintze fasste beim 22. Ditfurter Straßenbaum-Tag zusammen, was sich zum aktuellen Zeitpunkt und zu seiner Region sagen ließe. Er zeigte Fotos von „Gewinner-Bäumen“, aber auch einige Verlierer. Nach seinen Beobachtungen sind die folgenden Straßenbäume mit dem Hitzesommer 2018 gut bis sehr gut zurechtgekommen:

  • Acer platanoides
  • Platanus hispanica
  • Acer campestre ‘Elsrijk’
  • Tilia euchlora (Sorte vergreise allerdings schnell)
  • Sophora japonica
  • Koelreuteria paniculata

Weniger gut mit Hitze und Trockenheit kamen nach Hintzes Beobachtungen die folgenden Bäume zurecht:

  • Prunus avium ‘Plena’
  • Acer preudoplatanus ‘Bruchem’
  • Carpinus betulus
  • Betula pendula
  • generell alle Flachwurzler
  • Fichten (wenn auch keine Straßenbäume: 2018 besonders betroffen von extremer Nadelschütte)

Bis zu sechsmal mehr Gießgänge in diesem Sommer

Von der TASPO nach den Mehrkosten für Bewässerung im diesjährigen Sommer gefragt, wies Hintze darauf hin, dass Kosten und Mehraufwand nicht leicht zu kalkulieren seien. Es wären je nach Region zwischen vier- und sechsmal mehr Gießgänge als in „normalen“ Sommern notwendig gewesen.

Aber bei Faktor Vier beziehungsweise Sechs der Kosten könne es deshalb nicht bleiben, weil etwa auch die Wasserentnahme aus Tiefbrunnen kostenpflichtig gewesen sei, nachdem die normalen Gießwasservorräte aufgebraucht waren.

Bürger gießen Straßenbäume – sinnvoll oder blinder Aktionismus?

Kontrovers und lebhaft diskutiert wurde Hintzes Beurteilung der Bürgeraktionen, zu denen einige Gemeinden nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch in Niedersachsen und anderen Bundesländern aufgerufen hatten: Anwohner waren zum Höhepunkt der Trockenheit ermuntert worden, Baumpatenschaften zu übernehmen und „ihre“ Straßenbäume zu gießen.

Hintze sprach sich energisch gegen solche aus seiner Sicht sinnlosen Maßnahmen aus: „Wenn die Mittel (zur Bewässerung, Anm. d. Red.) erschöpft sind, können wir doch nicht Menschen mit Gießkanne und Leitungswasser losschicken!“

„Wir brauchen jeden Baum!“

Andere Stimmen gaben zu bedenken, dass solche Maßnahmen, auch wenn über den unmittelbaren Nutzen gestritten werden könne, einen wichtigen Beitrag dazu leisteten, die Sensibilität der Bürger gegenüber den Stadtbäumen zu steigern. Das Bewusstsein für die herausragende Rolle der Bäume im Kampf gegen den Klimawandel wachse dadurch. Ein Teilnehmer: „Wir brauchen jeden Baum!“ 

Die Argumente der Teilnehmer für und gegen derartige Bürgerinitiativen werden in der diesen Freitag erscheinenden TASPO-Ausgabe 46/2018 gegenübergestellt.