Grüne Branche

Überwiegend schlechte Noten für Blumen im Öko-Test

Arbeiterinnen auf den Blumenfarmen in Ekuador hätten keine Kinder, stattdessen Fehlgeburten. Oder sie seien unfruchtbar durch Pestizide, die auf Rosen gespritzt werden. In Kenia würden jährlich 1.000 Menschen an Pestizidvergiftungen sterben. So unsachlich-reißerisch beginnt in der kurz vor Muttertag erschienenen Mai 2011-Ausgabe des Magazins Öko-Test ein umfangreicher Artikel, der Rosen zu Muttertag als „ein blühendes und oft schmutziges Geschäft“ brandmarkt.

In allen untersuchten Sträußen und Bunden fand Öko-Test Pflanzenschutzmittel, ganz unabhängig von der Zertifizierung oder dem Label der Blumen.Foto: Imago

Kernstück des für die Blumenbranche sehr negativen Artikels ist ein Test. Im Januar/Februar 2011 waren 22 Rosensträuße von unterschiedlichen Einkaufsquellen erworben worden. In den meisten Fällen ging es nicht um floristisch gestaltete Sträuße, sondern schlichte Rosenbunde. Anhand von Bildern in der betreffenden Ausgabe von Öko-Test lässt sich erkennen, dass die meisten Sträuße oder Bunde aus acht bis zwölf Rosen, teilweise plus Beiwerk, bestanden. Einige Sträuße/Bunde mit deutlich mehr Rosen waren ebenfalls dabei, bis hin zu 20 Rosen je Bund.

Vier der Bunde hatten das Fairtrade-Zertifikat, einer trug das FLP-Label und einer das Label von Fair Flowers Fair Plants (FFP). In elf Fällen wurde MPS angegeben. Zwei Bunde – beide Fairtrade-zertifiziert – erhielten die Note „Gut“. Der eine bestand aus zehn roten Rosen aus Simbabwe. Zum (angegebenen) Kaufpreis von 2,49 Euro hatte man ihn bei Blume 2000 erworben.

Der andere mit „Gut“ bewertete Fairtrade-Bund setzte sich aus sieben gelben Rosen zusammen. Sie waren in Tansania produziert und bei Rewe für 2,99 Euro gekauft worden. Ebenfalls zweimal gab es die Note „Befriedigend“, darunter ein Bund mit zehn gelben Rosen aus Kenia, Fairtrade-zertifiziert. Neunmal vergaben die Tester die Note „Ausreichend“. Vier Sträuße oder Bunde – darunter je einer mit Fairtrade- und einer mit FLP-Zertifikat – wurden mit „Mangelhaft“ benotet. Fünf der 22 Sträuße waren nach Meinung der Ökotester „Ungenügend“.

Das Testergebnis basiert ausschließlich auf der Zahl der festgestellten Pflanzenschutzmittelsubstanzen (Wirkstoffe?) sowie deren gesundheitliche Bedenklichkeit. Wie in dem Artikel angegeben wurde, hat das Labor auf mehr als 550 Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht und insgesamt 56 verschiedene „Spritzgifte“ gefunden. Welche davon als „besonders bedenklich“ eingestuft wurden, orientierte sich offenbar an einigen Feststellungen der amerikanischen Umweltbehörde EPA, der Weltgesundheitsbehörde (WHO) sowie der Information, dass elf der betreffenden Stoffe in der Europäischen Union nicht mehr erlaubt seien.

Die Testmethoden sind in dem Artikel in Öko-Test angegeben. Wurden 20 oder mehr Substanzen im betreffenden Strauß/Bund gefunden, erfolgte eine Abwertung um vier Plätze (bei 15 bis 19 Substanzen um drei Plätze, bei zehn bis 14 Substanzen um zwei Plätze, bei fünf bis neun Substanzen um einen Platz). Zusätzliche Abwertungen erfolgten, wenn es sich um besonders bedenkliche Substanzen handelte. Negativ auf die Note wirkte sich außerdem unter anderem aus, wenn (vermutlich?) Verstöße gegen bestimmte Label-Vergabebedingungen vorlagen.

In einem Fall wurde „Verbrauchertäuschung“ unterstellt und der sonst mit „Befriedigend“ bewertete, bei Netto eingekaufte Bund mit rosa Moosrosen aus Äthiopien auf „Ungenügend“ abgewertet. Es handelte sich um Rosen, die in Äthiopien bei Sher produziert und mit „Afri Flora Fair Trade“ gekennzeichnet waren. Hier – so heißt es in dem Artikel – habe ein Unternehmen vom guten Namen Fairtrade profitieren wollen, ohne sich den unabhängigen Kontrollen dieses Labels zu unterziehen.

Was die Herkünfte angeht, so waren Kenia (acht Sträuße/Bunde) und Äthiopien (sechs) am stärksten vertreten. Außerdem kamen Rosen aus drei anderen afrikanischen Ländern sowie – in zwei Fällen – aus dem südamerikanischen Ekuador vor. Bei zwei Sträußen – beide von Fleurop – waren die Herkünfte der Rosen „unbekannt“.Von folgenden Anbietern hatte Öko-Test die Sträuße/Bunde erworben: Fleurop (drei Sträuße), Blume 2000 (zwei Bunde), Rewe (zwei Bunde), Dehner (zwei Sträuße), ferner je ein Strauß oder Bund von Aldi Süd, Aldi Nord, Blumen Risse, Edeka, Kaufland, Norma, Penny, Pflanzen-Kölle, Real, Lidl und Netto. Ein Strauß kam von Blumotion (Lieferant von Blumen für Tankstellen). Der Strauß mit dem FLP-Label wurde in einem nicht näher bezeichneten „Blumenladen“ gekauft.

Das Gesamturteil, so heißt es im Fazit des Artikels in Öko-Test, sei „genauso rot und gelb wie die Rosen, die wir gekauft haben“. Der Rat (an die Verbraucher?) könne aber nicht sein, keine Blumen aus Afrika mehr zu kaufen, sondern „bessere“. Öko-Test räumt ein: „Die Blumenindustrie ist ein wichtiger Wirtschafts- und Überlebensfaktor gerade für Frauen in den unterentwickelten Ländern.“Blumen aus deutschem Anbau spielen in dem Artikel keine Rolle. Wohl heißt es an einer Stelle: „In Sachen CO2 schneiden Blumen aus dem heimischen Freilandanbau am besten ab.“