Umfrage: knappe Rohstoffe und steigende Preise im Gewächshausbau

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Ob Produktions- oder Verkaufsgewächshaus: Knappe Rohstoffe, Lieferengpässe und steigende Preise wirken sich auch hier zum Teil massiv aus. Foto: Green Solutions

Rohstoffe wie Industriemetalle und Kunststoffe sind derzeit schwer zu bekommen, oder oft nur zu stark erhöhten Preisen. Zudem wird von Störungen in der Logistikkette berichtet, die zu steigenden Transportkosten führen – eine Normalisierung der Lage ist laut Fachverbänden noch nicht in Sicht. Vor diesem Hintergrund haben wir uns im Gewächshausbau umgehört und Unternehmen gefragt, wie stark sie von Lieferengpässen und steigenden Materialkosten betroffen sind und welche Auswirkungen das auf ihre aktuellen Projekte hat.

„Ob sich der Markt wieder beruhigt, bleibt abzuwarten“

Karl Bärlin, Geschäftsführer Rabensteiner: „Natürlich sind auch wir von Lieferketten abhängig, aber konnten bisher durch vorausschauende Disposition und vor allem auch langjährige und zuverlässige Geschäftsverbindungen größere ‚Katastrophen‘ verhindern. Die Projekte, bei denen wir bereits mit der Montage begonnen haben, können wir noch zuverlässig und ohne Kostenabweichung durchziehen. Bei Projekten, die erst im Sommer/Herbst begonnen werden, müssen wir zwischenzeitlich erfolgte Materialpreiserhöhungen an die Kunden weitergeben, und hoffen hier auch auf deren Verständnis. Bei Angeboten, die wir heute rausgeben, können wir zurzeit keine langfristige Preisbindung angeben, weil wir bei Anfragen teilweise Angebote mit dem Vermerk ‚Preis gilt heute‘ bekommen. Da diese außergewöhnliche Situation in allen Medien präsent ist, stoßen wir bei den allermeisten Kunden auf Verständnis, und können nur so transparent wie möglich die Situation darstellen. Hier ist noch anzumerken, dass sich die prozentualen Steigerungen im Rohstoffpreis ja nicht 1:1 auf den Endpreis auswirken, da ja noch eine ‚Veredelung‘ und Montage des Materials sowie das gesamte Engineering und die Projektabwicklung dazukommen, die diese Preissprünge wieder etwas relativieren. Wir versuchen solange wie möglich diese begleitenden Kosten im Rahmen zu halten, damit nicht auch noch hier weitere Belastungen auf unsere Kunden zukommen. Anzumerken ist auch, dass wir bereits heute teilweise Materialien ordern, die für Projekte im Spätherbst gebraucht werden. Ob sich der Markt wieder beruhigt, bleibt abzuwarten, und der Wunsch auf eine ‚normale‘ Verfügbarkeit zu einem angemessenen Preis hoffentlich nicht sehr lange unerfüllt.“

„Die Situation ist aktuell sehr unbefriedigend“

Sandra Polzer, Vertrieb Kräss GlasCon: „Dass Rohstoffe aktuell knapp sind, spüren wir schmerzlich. Wie viele andere Firmen auch, sind wir täglich mit dem Thema konfrontiert. Nicht nur die schwankenden Preise, auch die Verfügbarkeit ist ein großes Thema, was aktuell eine seriöse Kalkulation und Planung sehr erschwert. Für die anstehenden Projekte wirken sich sowohl die Kosten als auch die Verfügbarkeit der Rohstoffe aus. Wir versuchen vorausschauend zu planen, um für unsere Kunden die gewohnte Qualität und Termintreue beibehalten zu können. Wir halten uns selbstverständlich an unsere Angebote und Preise gebunden, sofern das irgendwie möglich ist. Leider sind jedoch mehr und mehr auch unsere Kunden von den steigenden Preisen und langen Lieferzeiten betroffen. Die Situation ist aktuell sehr unbefriedigend, da man fast täglich klären muss, wie die aktuellen Entwicklungen sind und welche Aussagen man tätigen kann, ohne hinterher in Probleme zu laufen. Wir möchten selbstverständlich verlässliche Aussagen unseren Kunden gegenüber treffen, das ist jedoch zurzeit sehr schwierig.“

„Wöchentliche Preissteigerungen sind zurzeit normal“

Roland Bittl, Einkauf/Arbeitsvorbereitung Steverding Stahl- und Gewächshausbau: „Wir sind schon sehr von der Marktsituation betroffen. Die Auftragsbücher sind voll und man kämpft mit teurem und schlecht verfügbarem Material. Der Aufwand ist enorm. Lieferzeiten von zwei bis drei Monaten sind keine Seltenheit. Viele Liefertermine sind auch oft keine endgültigen Angaben – hier lassen sich die Werke noch ein Hintertürchen offen. Das sorgt für eine schlechte Stimmung. Unsere Kunden wollen selbstverständlich Termine haben und wissen, wann die Projekte fertigstellt werden. Die Taktung der Bauabschnitte stellt sich ebenfalls als sehr schwierig dar, da wir nicht immer alle Materialien zeitnah erhalten. Wenn Angebote aus 2020 zum Tragen kommen und wir auf die jetzige Preissituation schauen, kann es schon passieren, dass der ein oder andere Kunde das Bauvorhaben verschiebt. Es wird immer schwieriger, Angebote zu kalkulieren und Termine festzulegen. Wöchentliche Preissteigerungen von den Werken sind zurzeit normal, daher kommen wir leider nicht darum herum, in den Angeboten eine Materialgleitklausel einzufügen. Unsere Kunden und wir sind über die enormen Preissteigerungen und die Materialverknappung natürlich sehr unzufrieden. Dennoch ist es uns mit unseren Kunden größtenteils gelungen, eine Lösung zu finden. Selbstverständlich hoffen wir, dass sich zum Ende des Jahres wieder eine gewisse Normalität einstellt.“

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