Grüne Branche

Umweltschutz ist Pflicht, nicht Kür!

 

Wasserrückgewinnung im Containerquartier
Bei der Vermehrung und Kultur von Gehölzen sind Geduld, Fachkompetenz und ein sensibler Umgang mit der Umwelt gefragt. Geduld ist notwendig, weil sich die Wachstumsprozesse der Pflanzen nur begrenzt beschleunigen lassen. Zum Beispiel führt eine starke Düngung nicht zwangsläufig zu starkem Wachstum. Wie viel des Guten richtig ist und ab wann ein Zuviel den Pflanzen schadet, muss der Baumschulgärtner erkennen, um Qualitätspflanzen zu erzeugen.

Nicht zu viel, nicht zu wenig: Nachhaltiges Wassermanagement ist für Baumschulen eine existenzielle Aufgabe. Foto: BdB.

Die für das Pflanzenwachstum entscheidenden Umwelteinflüsse und -faktoren, die in Baumschulen besonders sorgfältig genutzt werden, nennt man „Wachstumsfaktoren". Ohne Wasser ist alles nichtsBoden, Wasser und Luft: das sind für Baumschulgärtner nicht nur Umweltgüter, die es zu schützen gilt, sondern es sind die entscheidenden Produktionsfaktoren für Bäume und Sträucher. Das Wasser ist für die Betriebe eine besonders sensible Ressource. Es ist der Hauptbestandteil der Pflanzensubstanz, es löst und transportiert Nähr- und Wirkstoffe, ist Mittel zur Aufrechterhaltung des Zelldrucks, Temperaturregler und durch die Verdunstung über die Blätter Motor aller Transportprozesse innerhalb der Pflanze. Wassermangel führt zu Versorgungsproblemen und Trockenschäden, im Extremfall zum Tod der Pflanze. Überreichliches Wasserangebot dagegen führt zu weichen, krankheitsanfälligen Blättern und Zweigen und vor allem zu Wurzelschäden, die sich längerfristig negativ auswirken. Den pH-Wert des Wassers zu kennen und den Gehalt an Salzen und Nährstoffen zu kontrollieren sind für Baumschulgärtner wichtige und selbstverständliche Aufgaben einer guten Pflanzenkultur. Deshalb ist ein sehr sorgfältiges und im Wortsinn nachhaltiges Wassermanagement in Baumschulen eine existenzielle Aufgabe.

Geschlossene Systeme
In vielen Baumschulen werden Gehölze und Stauden in Töpfen oder Containern herangezogen. Der wesentliche Vorteil von Pflanzen in Containern ist, dass Gartenbesitzer sie ganzjährig pflanzen können, weil sie ihr gesamtes Wurzelwerk mitbringen. Für Baumschulen sind mit der Containerkultur weitere Vorteile verbunden. Jede Pflanzenart kann mit dem für sie optimalen Substrat, so nennen Baumschulgärtner die Topferde, versorgt werden. Auch die Bewässerung und Düngung kann sehr differenziert erfolgen - individuell nach Ansprüchen der Pflanze. Zum Teil werden spezielle Vorratsdünger eingesetzt, die für Baumschulkulturen entwickelt worden sind. Diese Vorratsdünger geben die Pflanzennährstoffe je nach dem saisonalen Nährstoffbedarf langsam an die wachsenden Gehölze ab.

In der Hauptwachstumsphase und bei günstigen Wachstumsbedingungen werden mehr Nährstoffe abgegeben als in kühlen oder trockenen Perioden. Dadurch wird eine Nährstoffauswaschung weitgehend vermieden. Das überschüssige Wasser wird in Gießteichen gesammelt und immer wieder eingesetzt. In Baumschulen heißen diese Bewässerungssysteme deshalb „Geschlossene Systeme" - es gibt keine unkontrollierte Versickerung von Gießwasser.

Aufwändige Systeme - leicht rückzubauen
Für die Anlage von Containerkulturflächen ist es wichtig, ein leichtes Gefälle hin zu den Ablaufrinnen vorzusehen sowie insgesamt gut planierte Flächen zu schaffen, auf denen die Pflanzen ausreichende Standsicherheit haben. Bei der hierzu notwendigen Bodenbearbeitung bleibt die natürliche Schichtung des Bodens erhalten. Lediglich der Oberboden wird planiert und dann mit Folie oder Bändchengewebe abgedeckt. Damit ist Unkrautaufwuchs vermieden und es sind keine Spritzungen gegen Unkräuter notwendig.

Kulturen in Containern sind während des Sommerhalbjahres auf eine ergänzende Bewässerung von etwa 700 mm angewiesen. Viele Baumschulen nutzen dazu das von Dächern und befestigten Flächen gesammelte Regenwasser, das sie in Vorratsteichen auffangen. Dort steht es für die Bewässerung zur Verfügung und kann den Verbrauch von Grundwasser fast vollständig ersetzen. Wenn eine Containerfläche wieder aufgegeben wird, genügt es zumeist, die Folien und Wasserleitungen rückzubauen - direkt im Anschluss kann auf den Flächen wieder Ackerbau betrieben oder auch Wiese eingesät werden.

Gießtipp vom Profi
Was in Baumschulen gilt, können auch Gartenbesitzer für sich nutzen: Der Wasserverbrauch beim Gießen lässt sich durch pfiffige Verfahren und in Abhängigkeit von der Tageszeit deutlich verringern. Durch Beregnung in den Abend-, Morgen- oder Nachtstunden wird Wasser gespart, weil zu diesen Zeiten die Verdunstung herabgesetzt ist. In den Baumschulen werden hierzu zum Beispiel Gießwagen eingesetzt, die darauf programmiert sind, am frühen Morgen das Wasser direkt in die Containerreihen zu rieseln und so Verluste zu vermeiden. Mit diesem Verfahren kann gegenüber der Beregnung ca. 70 Prozent Wasser eingespart werden.

Im Privatgarten sind zwar keine Gießwagen im Einsatz, aber es kann sich lohnen, Tropfschläuche in die Beete zu legen, die mit geringem Wasserverbrauch sicherstellen, dass die Pflanzen ausreichend versorgt sind, ohne dass der Gartenbesitzer Gießkannen schleppen oder lange Schläuche durch den Garten ziehen muss. Auch wassersparend: Das Wasser von Dächern und befestigten Flächen wie der Einfahrt und Terrasse in Zisternen zu sammeln und zum Gießen zu verwenden. Der Facheinzelhandel der Baumschulbranche berät auch zu Bewässerungssystemen. Eine Betriebssuche und mehr gibt es unter www.gruen-ist-leben.de.

Quelle: BdB