Grüne Branche

Ungeheure Verwüstung im Gartenbau durch den schweren Hagelschlag

Das Ausmaß der Zerstörungen durch das Hagelunwetter am vergangenen Sonntag erschüttert den Gartenbau in Württemberg. „Mehr als 100 Gärtnereien haben Hagelschäden gemeldet, größtenteils mit Totalschaden“, erklärt Hartmut Weimann, Präsident des Württembergischen Gärtnereiverbandes (WGV). Die Versicherer in der Region schätzen die Schäden auf bis zu 100 Millionen Euro. 

Die betroffenen Gärtnereien stehen vor einem riesigen Scherbenhaufen und sehen vielfach ihre Existenz in Frage gestellt. Wo letzte Woche in den Gewächshäusern noch die Sonnenblumen für den anstehenden Verkauf kultiviert wurden, stehen vom Gewächshaus bestenfalls noch die Stahlgerüste. Container sind voll mit Glasschutt. In die nächsten Container, die anrücken, muss die gerade erblühte Blumenpracht entsorgt werden, denn sie ist ebenfalls übersät mit Glasscherben. „Hier ist nichts mehr zu retten“, resümiert Jörg Vatter, Inhaber des Gärtnereibetriebes Blumen-Vatter, Bempflingen.

„Das Tragische im Gartenbau ist, dass nicht nur die Kulturen und somit der Ertrag zunichte sind, sondern auch die Produktionseinrichtungen“, erklärt Präsident Hartmut Weimann. Derzeit wurden bereits die Weihnachtssterne für die Wintersaison kultiviert. Doch ohne Hülle können die Pflanzen nicht weiter aufgezogen werden. Auch wenn bei Sofortmaßnahmen einige Gewächshäuser bis Ende August wieder intakt sein sollten, so ist es für die Aufzucht vieler Saisonpflanzen zu spät. Selbst die Aufzucht von Frühjahrsangeboten ist vielerorts in Frage gestellt.

Am vergangenen Dienstagnachmittag informierte sich auch Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, in der Gärtnerei Hespeler in Wannweil über die Hagelschäden (wir berichteten). „Solche Hagelschäden vor Ort zu sehen, ist bestürzend“, äußerte sich der Minister. „Die zunehmende Häufigkeit von Witterungsextremen zeigt, dass eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage für gartenbauliche und landwirtschaftliche Betriebe längst überfällig ist. Landwirte und Gärtner müssen die Möglichkeit haben, in guten Jahren einen Teil ihrer Einnahmen unversteuert für schwierige Jahre beiseite zu legen“, sagte Minister Bonde bei seinem Besuch in Wannweil.

Die Verantwortung liege zwar bei den Unternehmern, insbesondere bei versicherbaren Schäden. Dennoch unterstütze das Land betroffene Betriebe, soweit es die strengen beihilferechtlichen Vorgaben der Europäischen Kommission und des Bundes erlaubten. „Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz prüft zusammen mit dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, ob die nach dem bundeseinheitlichen Rahmenkatalog zulässigen Billigkeitsmaßnahmen gewährt werden können – also die zinslose Stundung von bereits fälligen Steuerforderungen und die Anpassung der Steuervorauszahlung. Außerdem prüfen wir, inwiefern das Liquiditätshilfeprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank für die geschädigten Betriebe genutzt werden kann“, erklärte Bonde. (wgv)