Ungeliebte Exoten: Medien berichten zunehmend kritisch

Veröffentlichungsdatum: , Heinrich Beltz, Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Bad Zwischenahn

Kirschlorbeer – ein „Verbrechen an der Natur“? Foto: Heinrich Beltz

In letzter Zeit hat sich in den öffentlichen Medien die kritische Berichterstattung über exotische Gehölze verstärkt. Pauschale Urteile, dass sie alle oder ein Teil von ihnen ökologisch wertlos seien und am besten gerodet werden sollten, werden immer lauter. Ist Kirschlorbeer etwa ein Verbrechen?

Nachrichtenmagazin berichtet über „Saat des Bösen“

Mit diesem Thema befasste sich unter anderem das 38. Zwischenahner Baumschul-Seminar in einem Web-Seminar am 15. Dezember. Aufhänger für die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Bad Zwischenahn, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, war ein Artikel im Nachrichtenmagazin Spiegel am 30. April 2021, in dem unter der Überschrift „Saat des Bösen“ Behauptungen des NABU Bremen zitiert wurden, dass Lorbeerkirschen ökologisch weniger wert seien als eine Betonmauer. „Wer Kirschlorbeer-Hecken pflanzt, begeht ein Verbrechen an der Natur“, so der NABU. Aber auch andere Zeitungen nahmen das Thema auf und häufig wurde der NABU Bremen mit seinen provokanten Forderungen zitiert. Neben Kirschlorbeer stehen Thuja, Bambus, Rhododendron und Forsythia besonders in der Kritik.

Auf einen Leserbrief, in dem um die Angabe der Datenbasis für die vernichtende ökologische Bewertung von Kirschlorbeer gebeten wurde, erklärte der Spiegel lapidar, dass „außer Zweifel“ stehe, dass Kirschlorbeer ökologisch wenig wertvoll sei und behauptete: „Klar ist aber, dass der Strauch … heimischen Insekten so gut wie nichts zu bieten hat.“ Belege dafür lieferte er keine, abgesehen von einer Quellenangabe, die sich lediglich auf das Nahrungsangebot für Vögel bezieht.

NABU hat keine Belege für seine Behauptung

Die Behauptung, dass Kirschlorbeer ein Verbrechen an der Natur und ökologisch wertloser als eine Betonwand sei, hatte Sönke Hofmann aufgestellt, der Geschäftsführer des NABU Bremen. Eine Anfrage nach den wissenschaftlichen Untersuchungen, die Grundlage für seine Thesen bilden, beantwortete er mit entwaffnender Ehrlichkeit: „Da wäre ich wirklich froh, denn solche expliziten Untersuchungen kenne ich auch nicht.“ In weiteren Ausführungen schränkte Sönke Hofmann ein: „Diese Einteilung in ‚wertvoll/kann weg‘ ist schwierig, es kommt auf den Blickwinkel an. […] Wir haben es mit komplexen Beziehungen zu tun und wollen das auf ein Etikett im Baumarkt herunterbrechen. [...] Das kann nur mit simplen Schlagworten oder halbrichtigen Aussagen wie ‚eine Betonmauer ist wertvoller als Kirschlorbeer‘ gelingen.“

Die Behauptungen des NABU Bremen und ihre Wiedergabe in den Medien wären unbedeutend, wenn sie nicht die Einstellungen wichtiger Kreise in der Bevölkerung widerspiegeln und verstärken würden, die sogar Verbote für die Verwendung bestimmter Pflanzen anstreben. So hat der Stadtverband der Essener Kleingärtnervereine Kirschlorbeer verboten, wovon 119 Vereine mit rund 8.500 Gärten betroffen sind, in denen sogar die vorhandenen Kirschlorbeerpflanzen entfernt werden müssen.

Umgang mit den Vorwürfen

Artikel wie der im Spiegel rütteln die Fachleute auf, aber sie hinterlassen oft die Frage, wie darauf zu reagieren ist. Denn man muss kein Freund von Thuja- oder Kirschlorbeerhecken sein, um empfindlich gegenüber pauschaler Verunglimpfung von „Exoten“ insgesamt beziehungsweise einzelnen Pflanzengattungen zu sein. Selbstverständlich ist es gut und richtig, die Bedeutung bestimmter Pflanzen für Insekten oder die Ökologie allgemein zu bewerten. Das Problem der Behauptungen des NABU Bremen ist, dass sie nicht sachlich, sondern polemisch und ohne Datengrundlage geäußert werden, also auf Vorurteilen basieren, und dass Schwächen mancher Pflanzengattungen maßlos übertrieben werden. Solche Presseartikel können zu fruchtbaren Diskussionen führen, solange diese dann sachlich geführt werden. Daher ist der Austausch von Gärtnern mit Wissenschaftlern und Naturschützern äußerst wichtig.

Letztere pauschal als böswillige Ökofaschisten zu verdammen, wäre genauso falsch wie exotische Pflanzen als ein Verbrechen an der Natur hinzustellen. Vielmehr ist es gut, auf unsachliche Äußerungen in den Medien zu reagieren, über Leserbriefe und sachliche Darstellung von Argumenten gegenüber der Presse – und nicht nur gegenüber der Fachpresse, sondern vor allem auch den allgemeinen Medien. So wurde begrüßt, dass beim Baumschul-Seminar auch zwei Gartenjournalistinnen vertreten waren, die unter anderem die Nachrichtenagentur dpa beliefern.

Weiterhin ist es wichtig, mehr fundierte Untersuchungen zur ökologischen Bedeutung verschiedener Gehölze durchzuführen, wie die Untersuchung von Dr. Susanne Böll zum Insektenbesuch an heimischen und nicht heimischen Straßenbäumen. Sie fand dabei keine entscheidenden Unterschiede.

► Dieser Beitrag ist in TASPO 3/2022 erschienen.

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