Grüne Branche

Unter Wasser: Neues Leben auf den Überresten der Toten

Naturbestattung, aber unter Wasser – das bietet das Neptune Memorial Reef, sieben Kilometer vor der Küste von Miami Beach in zwölf Metern Wassertiefe. Diese Kunstinstallation sei geplant als „verborgen angelegte Erinnerung an unser romantisches Kulturgedächtnis“, schreibt Stephan Harrigan in der August-Ausgabe von National Geografic.

Seit sechs Jahren bewachen zwei schwere, inklusive Podest 4,5 Meter hohe Bronzelöwen ein malerisch in den Boden einsinkendes Eisentor im trüben Wasser. Zerbrochene Pfeiler und Säulenreihen kennzeichnen die erste Bauphase dieses auf 6,5 Hektar angelegten Unterwasserfriedhofs. Bisher trugen rund 200 Menschen zur Finanzierung des Neptune Reef bei. Sie ließen nach ihrem Ableben und der Kremation ihre Asche mit Zement vermischt entweder in die Säulen einkapseln oder in Form eines Meerestieres wie Seestern oder Sternkoralle gießen. Im Laufe von Jahrzehnten soll alles langsam zerfallen.

Aber zunächst einmal ist Leben in die künstliche Installation eingezogen: Bunte Fischschwärme tummeln sich zwischen den Säulen, Korallen und Rotalgen siedeln auf den Löwen. Das wirke keineswegs albern, beschreibt Harrigan seinen Eindruck nach einem Tauchgang, sondern „wie eine Bestätigung für die wunderbare Macht des Ozeans, fast jedes Material – den menschlichen Körper eingeschlossen – in neues Leben zu verwandeln“.