Grüne Branche

Unterwassergärten: „Perfektes Zusammenspiel zwischen Ästhetik und natürlicher Optik“

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Natürliche Felsenlandschaften, kleine Urwälder oder bemooste Steinareale inmitten verschiedener Gewächse und Gehölze – unter klassischen Bedingungen für GaLaBauer in der Regel kein Problem. Doch unter Wasser? Oliver Martin Knott ist professioneller Aquascaper und schafft als Unterwasser-Gärtner seit 2001 leuchtendes Grün im kühlen Nass.

Herr Knott, was ist Aquascaping? Was ist der Unterschied zu „klassischer“ Aquaristik?

Im Prinzip ist Aquascaping nichts anderes als Unterwasserlandschaften bauen. Von der Gestaltung mit Dekoelementen wie Wurzeln und Steine bis hin zu der Bepflanzung. Sozusagen Landschaftsgärten im Klein- oder Großformat im Aquarium. Beim Aquascaping steht insbesondere der Rückgriff auf gestalterische Elemente der Natur im Vordergrund.

Die Konzeption der Naturaquarien orientiert sich nicht selten am Gründer Takashi Amano, einem japanischen Naturfotografen und Aquariendesigner. Welches Konzept liegt seiner Gestaltung zugrunde?

Das Gefühl und den Eindruck ein Stück Natur unter Wasser zu kreieren. Naturlandschaften über, aber auch unter Wasser sind dort die Vorbilder. Durch das perfekte Zusammenspiel zwischen der Ästhetik und der natürlichen Optik entstehen so wundervolle Unterwasserlandschaften für den Betrachter und die Tiere.

Wenn Sie beauftragt werden – wie ist die Vorgehensweise beim Anlegen eines Unterwasser-Gartens? Was ist der erste Schritt?

Die Größe und den Standort des Aquariums festlegen und die Bedürfnisse und die Wünsche des Kunden abfragen. Es gibt Kunden die möchten ihren „Unterwasser“-Garten selber pflegen, aber andere auch nicht. Ich denke, dass ist ähnlich wie im klassischen Gartenbau. Denn am Schluss lebt auch dieser Garten von der Pflege.

Was macht das Gärtnern unter Wasser so besonders für Sie?

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und dazu kommen natürlich auch noch Fische, Garnelen und andere Bewohner, die den Garten dann zum Leben bringen. Außerdem kann man diesen Beruf 365 Tage im Jahr ausüben und ist keiner Jahreszeit untergeordnet.

Auf was muss beim Aquascaping aus gärtnerischer Perspektive besonders geachtet werden?

Die Technik (viel Licht zum Beispiel oder wenig) und die Auswahl der Pflanzen (hohe oder geringe Lichtbedürfnisse) sind ganz entscheidend. Und ganz wichtig: die Qualität der Wasserwerte (weiches Wasser, wenn möglich).

Sie sind Aquascaping Weltmeister. Wie bereiten Sie sich auf einen Wettbewerb vor und welche Herausforderungen sind mit den Wettkämpfen verbunden?

Für solche Wettbewerbe richtet man ein Aquarium sechs bis zwölf Monate vorher ein und versucht es perfekt auf den Punkt zu bringen. Gerade die Qualität des Pflanzenwuchses und die perfekte Fischauswahl ist entscheidend. Und inzwischen natürlich eine einzigartige Kreativität.

Woher nehmen Sie Ihre Inspirationen für die Gestaltung der Unterwasser-Landschaften?

Aus verschiedenen Quellen. Von Naturbeispielen wie Gebirgsketten oder Bachläufen. Tollen Landschaftsaufnahmen, Kinofilmen oder sogar inzwischen aus Konsolenspielen gezauberten künstliche Welten.

Welches sind die größten Herausforderungen im Rahmen Ihrer Arbeit?

Die Herausforderung besteht meistens darin, dass passende „Hardscape“ zu bekommen, was nichts anderes ist, als die Hauptdekoration im Aquarium. Meist natürliche Steine und Wurzeln. Dieses Hardscape ist später wie das Grundgerüst jedes Aquascapes und wird dann mit den Pflanzen zum perfekten Unterwasser Gemälde.

Wenn Sie auf Ihre gesamte Arbeit zurückblicken: Was war Ihr bisher spannendstes Projekt?

Es gibt viele große Aquarium wie ein fünf Meter Aquarium bei einem guten Kunden im Odenwald, wo ein 240 Kilogramm schwerer Baumstamm aus dem Aquarium herausragt und mit diversen Farnen über Wasser und unter Wasser bepflanzt ist. Dazu kommt dann noch eine bunte und lebendige Auswahl an Fischen, was das Ganze zu einem perfekten Ort zum Entspannen macht für die Mitarbeiter und Kunden: es steht nämlich im Eingangsbereich der Firmenzentrale.

Was ist Ihr nächstes Projekt, was Sie in Angriff nehmen werden?

In der Schweiz werde ich Ende des Jahres mein größtes Aquarium mit rund 40.000 Litern Inhalt einrichten. Ein sehr spannendstes Projekt in Europas größtem Süßwasser Schauaquarium.