Grüne Branche

Urbane Gärten: BfN veröffentlicht Gutachten zum naturnahen Gärtnern

Urbane Gärten sind wertvolle Rückzugsräume für Mensch und Natur – dies folgert das Bundesamt für Naturschutz (BfN) aus einem Gutachten zum naturnahen Gärtnern, das die Behörde gerade veröffentlicht hat.

Kleingartenanlage. Foto: JoannaTkaczuk/fotolia

Die BfN-Studie „Urbane Gärten für Mensch und Natur“ fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft und Praxis in Kleingärten zusammen und gibt zudem Handlungsempfehlungen für Kommunen und Verbände.

Stadtnahes Gärtnern nach wie vor beliebt

Stadtnahes Gärtnern ist nach wie vor beliebt, führt das BfN zum Thema aus. Rund eine Million Kleingärten mit einer Gesamtfläche von mehr als 45.000 Hektar gibt es Schätzungen zufolge in Deutschland, so die Behörde. Zudem haben „Urban Gardening“-Initiativen bundesweit inzwischen rund 400 bürgerschaftlich organisierte Gemeinschaftsgärten geschaffen.

„Für den Menschen sind Kleingärten weit mehr als nur ein eigenes Stückchen Grün: Sie sind Orte der Begegnung von Kulturen und Generationen und sie bieten Raum für Erholung und Naturerlebnis. Aber auch für Pflanzen und Tiere können Kleingärten als Lebens- und Rückzugsräume von großer Bedeutung sein“, sagte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des BfN.

„Nur wenn Gärten entsprechend angelegt und gestaltet sind, etwa indem sie Nischen und Rückzugsräume enthalten, können sie einen wichtigen und positiven Beitrag für die Erhaltung und Entwicklung der biologischen Vielfalt leisten“, erklärte Beate Jessel. „Mit dem Gutachten zeigen wir Schritte auf, wie städtische Gärten als Orte biologischer Vielfalt weiterentwickelt werden können.“

Gutachten beschreibt verschiedene Formen städtischer Gartennutzung

Das Gutachten widmet sich nicht nur den Funktionen von Kleingärten. Es beschreibt auch die verschiedenen Formen städtischer Gartennutzung und stellt am Beispiel Berlin Möglichkeiten einer kommunalen Kleingartenkonzeption vor. Außerdem befasst es sich mit naturnaher Bewirtschaftung sowie Gartengestaltung und gibt Handlungsempfehlungen für Akteure in Kommunen und Verbänden.

Unterschieden werden die sechs Handlungsfelder: Kleingartenentwicklung, Kleingärtnerische Nutzung, Ökologische Aufgaben, Soziale Aufgaben, Öffentlichkeitsarbeit sowie Finanzierung und Organisation. Erwähnt werden dabei beispielsweise Kleingartenparks, die vom Deutschen Städtetag und Fachleuten als große Chance der „Weiterentwicklung von Kleingartenanlagen“ gesehen würden. Erwähnt wird in diesem Zusammenhang der Vorschlag, öffentliche und private Nutzungsmöglichkeiten zu kombinieren sowie die angrenzenden Grün- und Erholungsbereiche zu vernetzen, weil dies der Artenvielfalt eine Grundlage biete.

Künftige Finanzierung der Kleingärten

Zur künftigen Finanzierung heißt es, es sei fraglich, wie finanzschwache Kommunen die Forderung nach einen angemessenen Grundstock an Kapazitäten für das Kleingartenwesen füllen können und ob es nicht komplett neuer kreativer Finanzkonzepte bedarf, um die Förderung des Kleingartenwesens innerhalb der Stadtverwaltung oder durch die Vereine auszuüben.

Zu klären wäre auch die Frage, wie die Finanzierung aussehen kann und sollte, wenn dem Ehrenamt tatsächlich eine immer stärkere Rolle bei der Erfüllung sozialer und ökologischer Aufgaben in und um die Kleingartenanlagen zukommt. Erwähnt wird in diesem Zusammenhang ein Vorschlag, ein eigenes Finanzbudget, vergleichbar mit dem städtischem „Kulturetat“ zur kulturellen, sozialen und ökologischen Weiterentwicklung/Sicherung von Kleingartenparks zu etablieren.

Das Gutachten „Urbane Gärten für Mensch und Natur“ ist laut BfN ein Beitrag des Amts zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Denn eines der Ziele im Bereich der Urbanen Landschaften sei es, Lebensqualität und Naturraum für Menschen zu erhalten und zu verbessern.

Das Gutachten ist kostenlos als PDF per Download auf der BfN-Webseite erhältlich. (hlw)