Grüne Branche

Urnen- und Grabeskirchen als neue Bestattungsorte

Vor zehn Jahren wurde die Idee der Urnen- oder Grabeskirchen geboren. Seitdem wird in rund 30 Kirchen in Deutschland wieder bestattet.

Seit zehn Jahren wird wieder in Kirchen bestattet. Vor gut zweihundert Jahren wurde im Zuge der Aufklärung vor allem aus hygienischen Gründen die Jahrhunderte lange Praxis der Anlage von Gräbern in Kirchen strikt untersagt. Nur sehr wenigen Menschen war es vorbehalten, weiterhin in Kirchen bestattet zu werden. Seither haben sich bedeutende Veränderungen in der Bestattungskultur ereignet: die Feuerbestattung hat ihren unaufhaltsamen Siegeszug angetreten und ist, wie ich in einer umfassenden Studie im Jahre 2010 erhoben habe, mit einem Anteil von 62 Prozent an allen Bestattungen in mittleren und großen Städten mittlerweile zur dominanten Bestattungsart in Deutschland geworden.

Die Kirchen haben ihr Bestattungs- und Ritenmonopol verloren und leiden insbesondere in den vergangenen Jahrzehnten unter einem dramatischen Mitgliederschwund. Letzteres hat dazu geführt, dass viele Kirchen leer stehen und deshalb vom Abriss bedroht sind oder profaniert werden zu Restaurants, Kinos, Diskotheken und ähnlichem. Dieser Umstand stellt die Kirchen also vor die Entscheidung, ihre Gotteshäuser entweder aufzugeben und einer gänzlichen Fremdnutzung zu überlassen oder aber nach kreativen Lösungen einer Umnutzung unter kirchlicher Obhut zu suchen, zumal etliche der bedrohten Kirchengebäude denkmalgeschützt sind.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich angesichts dieser Problematik 2003 bereits für den Erhalt von Kirchengebäuden durch Umnutzung anstelle von Abbruch entschieden und damit grundsätzlich den Weg für Neunutzungen bereitet. Wegen der hohen Bauunterhaltungslast von Kirchen musste daher nach wirtschaftlich einträglichen Möglichkeiten der Nutzungserweiterung mit pastoral-kirchlichen Intentionen gesucht werden.

Die Idee der Urnen- oder Grabeskirchen wurde 2004 geboren. Für diese neue Nutzung muss zunächst eine Profanierung oder Teilprofanierung der Kirchen erfolgen, da nach kanonischem Recht can.1242 in den Kirchen außer dem Papst, den Kardinälen oder Diözesanbischöfen keine Leichname mehr begraben werden dürfen. Während bei einer Teilprofanierung eine Mischnutzung der Kirchen als Bestattungs- und Gottesdienstraum mit Eucharistiefeier möglich ist, wird bei einer Profanierung das gesamte Kirchengebäude in einer Abschiedsmesse entwidmet, Altar und Kanzel werden entfernt und dann der neuen Nutzung als Begräbnisstätte, das heißt als überdachtem Urnenfriedhof zugeführt. Diese Urnenkirchen sind keine Kirchen mehr und werden daher als Kirchenkolumbarien in Abgrenzung zu den Kolumbarien auf den Friedhöfen bezeichnet.

In den letzten zehn Jahren sind an die 30 „überzähligen“ Kirchen mit großem finanziellem und gestalterischem Aufwand zu Urnenkirchen umgebaut worden. Hierfür wurden in Wettbewerben namhafte Architekten und Künstler mit der Neugestaltung betraut, und es sind ästhetisch höchst beeindruckende und zumeist sehr originelle Bestattungsräume entstanden, die vielfach preisgekrönt wurden. Lesen Sie mehr in der Oktober-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 36.

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