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„Urnenwald-Prozess“ zu Ende: Landgericht fällte „salomonisches Urteil“

Ein „salomonisches Urteil“ fällte das Landgericht Frankfurt im sogenannten „Urnenwald-Prozess“. Der Natur-Sachverständige Andreas Morgenroth muss demnach seine Äußerungen, die Ruheforst GmbH schädige mit Urnenbeisetzungen im Wald denselben und bringe giftige Stoffe in den Boden ein, weder widerrufen noch berichtigen. 

Aktuelle Impression vom Urnenwald in Glücksburg. Werkfoto

Zu finden waren die Aussagen im Internet, als Beispiel wurde der Bestattungswald in Glücksburg genannt. Einzelne Aussagen darf der Natur-Sachverständige, Landschafts- und Friedhofsplaner Morgenroth allerdings nicht mehr aufrechterhalten, sonst droht ihm ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, und es kann noch Berufung eingelegt werden.

Die Tagespresse berichtete vereinzelt jedoch, dass die Ruheforst GmbH den Prozess gewonnen habe, was der Rechtsanwalt von Morgenroth, Dr. Marc Winstel von der Kanzlei Wuertenberger (Stuttgart), entschieden zurückweist. Allein der Aspekt, dass sich nach dem Richterspruch beide Parteien die Kosten des Verfahrens teilen, spreche dem schon entgegen.

Geklagt hatte Ruheforst zunächst auf Unterlassung und wollte erreichen, dass Morgenroth die in seinem Gutachten aufgestellte These von der Schädigung des Öko-Systems und des Baumbestandes durch die Einbringung von Urnen in den Waldboden überhaupt nicht mehr verbreiten darf.

Dieses Begehren hat laut Dr. Winstel das Gericht schon in der mündlichen Verhandlung als viel zu weitgehend erachtet und den Antrag sowie das nunmehr erlassene Urteil ganz erheblich eingeschränkt: So dürfe Morgenroth die These von der Umweltschädlichkeit der Urnenwälder nur dann nicht weiter verbreiten, wenn er sich auf die – veralteten – Nachweise aus seinem Gutachten stützt. Darin hatte er von einzelnen Untersuchungen von Flugasche auf eine gängige Praxis und eine hohe Toxizität der Urnenasche geschlossen. Soweit er sich auf diese Nachweise bezieht, dürfe er die These von der Umweltschädlichkeit der Urnenwälder nicht mehr weiter verbreiten.

Es wäre also ohne Weiteres möglich, folgert Dr. Winstel, die These von der Umweltschädlichkeit der Urnenwälder weiter zu verbreiten, wenn gegebenenfalls mit einem neuen toxikologischen oder ökologischen Gutachten der Beweis geführt werden könnte, dass die gefundenen Ergebnisse ohne Weiteres richtig sind.

Richter lehnten Verlangen nach Widerruf ab
In einem nächsten Schritt habe Ruheforst verlangt, dass Morgenroth seine These widerruft, was das Landgericht zurückgewiesen hat. Denn dies gehe über das hinaus, was in der Abhandlung unrichtig dargestellt worden sei, so die Richter. Darüber hinaus ist das Gericht sogar so zu verstehen, folgert Dr. Winstel, dass die These von der Toxizität der Humanasche richtig ist. Nur die Ursächlichkeit der Toxizität für ökologische Schäden zieht das Gericht in Zweifel. An dem endgültigen Nachweis für diese Ursächlichkeit empfiehlt der Rechtsanwalt nun zu arbeiten.

Die Ruheforst GmbH selbst sieht sich durch das Urteil in seiner Meinung bestärkt, dass ein nach dem eigenen Naturbestattungskonzept betriebener Urnenwald nichts Schädliches ist für die Umwelt. Wie Matthias Budde von dem Unternehmen gegenüber der TASPO ausführte, wird im Oktober der 60ste Ruheforst im niedersächsischen Kirchlinteln eröffnet. (hlw)