Verbraucher halten sich beim Spargelkauf bislang zurück

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger / TASPO Online

Regional erzeugter Spargel wird in Schleswig-Holstein überwiegend direkt vermarktet und beispielsweise auf Wochenmärkten verkauft. Foto: Waldemar Brandt/Unsplash

Eine ernüchternde Zwischenbilanz hat die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zum bisherigen Verlauf der Spargelsaison 2022 gezogen. Demnach ist das Kaufverhalten der Kunden bislang sehr zurückhaltend, was unter anderem auf die stark gestiegenen Preise in allen Bereichen zurückgeführt wird.

Umsätze bleiben deutlich hinter den Vorjahren zurück

Die diesjährige Spargelzeit hatte vielversprechend begonnen, doch trotz des frühen Saisonstarts und der guten Qualitäten hinken die Umsätze der schleswig-holsteinischen Spargelanbauer bislang deutlich hinter denen der letzten beiden Jahre und zum Teil auch noch hinter dem Vor-Corona-Jahr 2019 hinterher, so das ernüchternde Zwischenfazit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Das liege zum einen an den stark gestiegenen Preisen in sämtlichen Bereichen, aufgrund derer sich die Verbraucher beim Kauf der edlen Stangen zurückhalten würden. Zusätzlich erschwert werde der Absatz der regionalen Erzeuger durch extreme Billigangebote der Supermärkte mit ausländischem Spargel, dem viele Kunden entgegen den Erfahrungen der Vorjahre aktuell den Vorzug geben würden.

Umsatzeinbußen von 30 Prozent und mehr drohen

Durch ein Überangebot seien die Erzeugerpreise bei Spargel in dieser Saison deutlich schneller als in den Vorjahren gesunken, führt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zur Situation der heimischen Spargelbauern weiter aus. Dieser Preisdruck habe sich bis in die Direktvermarktung – über 90 Prozent des schleswig-holsteinischen Spargels wird den Angaben zufolge Ab-Hof, in Hofläden, an Verkaufsständen oder auf dem Wochenmarkt verkauft – durchgesetzt, weshalb die Betriebe auch in Schleswig-Holstein teilweise gegensteuern und Anbauflächen früher aus der Produktion nehmen mussten. Entsprechend seien die Ertragsmengen deutlich gesunken, was in Kombination mit den niedrigeren Preisen in diesem Jahr zu Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent und mehr führen werde – bei gleichzeitig deutlich gestiegenen Kosten für Energie, Material und Arbeitskräfte, wie die Landwirtschaftskammer betont.

Schleswig-Holsteins Spargelbauern hoffen auf versöhnlichen Saisonabschluss

Noch würden die rund 45 Betriebe, die in Schleswig-Holstein auf einer Fläche von etwa 500 Hektar Spargel anbauen, allerdings auf einen versöhnlichen Saisonendspurt hoffen. Es würden weiterhin sehr gute Qualitäten produziert, und die meisten Betriebe hätten auch noch genügend Flächen in der Ernte, sodass regionaler Spargel aus Schleswig-Holstein bis zum traditionellen Saisonende am Johanni-Tag (24. Juni) zur Verfügung stehen werde, so die Landwirtschaftskammer. Wenn die Kunden allerdings anstelle des zum mit deutschem Mindestlohn produzierten Qualitätsgemüse aus der Region weiterhin die Billig-Importangebote in den Supermärkten kaufen würden, könnten auch in Schleswig-Holstein mehrere Betriebsaufgaben drohen.